18.01.2010, 15:29 Uhr
Der Ball ist mehr als ein Meter vor der Linie. Doch der Schiedsrichter entscheidet auf Tor. (Screenshot: LIGA total!)Das Phantom-Tor von Duisburg hat bei den deutschen Schiedsrichter-Bossen zu großer Verärgerung geführt. Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel konnte seine Fassungslosigkeit nur schwer verbergen.
"So einen gravierenden Fehler habe ich eigentlich noch nie gesehen. Der Ball war ja über einen Meter von der Linie weg. Ich hoffe, dass in den nächsten 20 Jahren nicht mehr so ein Fehler passiert", sagte der 60-Jährige über die Szene aus der 81. Minute. "Das darf nicht passieren. Dafür fehlt mir das Verständnis."
Zum DurchklickenDas Phantomtor von Duisburg
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Eine Wiederholung des Zweitliga-Spiels zwischen dem MSV Duisburg und dem FSV Frankfurt (5:0) ist trotz des gravierenden Fehlers von Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) und Assistent Thomas Münch (Rielasingen) aber ausgeschlossen. "Es handelt sich um eine Tatsachenentscheidung, eine Wiederholung kommt deshalb nicht in Betracht", so Strigel.
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Nach einem Distanzschuss des Duisburgers Christian Tiffert prallte der Ball von der Latte des Frankfurter Tores deutlich zurück ins Spielfeld. Dennoch zeigte Münch einen Treffer an, Schiedsrichter Fritz erkannte daraufhin das Tor zum Endstand an. "Nachdem ich mir die Fernseh-Bilder angesehen habe, habe ich keine Erklärung dafür, wie der Assistent auf die Idee gekommen ist, ein Tor anzuzeigen", meinte Strigel. Schiri Fritz sagte: "Ich habe es nicht gesehen, nur reagiert." Er verließ sich auf die Reaktion seines Assistenten.
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Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel kann das Phantom-Tor nicht fassen. (Foto: imago)
Strigel bemühte sich zwar um Ursachenforschung, eine Erklärung für den Lapsus hatte aber auch der frühere Bundesliga-Referee nicht parat. "Der Schuss kam aus großer Entfernung, der Assistent stand nicht auf der Torlinie, sondern - wie er es in diesem Fall auch soll - auf Höhe des Strafraums. Trotzdem ist das nicht nachvollziehbar. Mir fehlt jede Begründung dafür, ein Tor zu geben. Da muss die Konzentration gefehlt haben." Der frühere FIFA-Schiedsrichter Hellmut Krug, der als Beobachter in der MSV-Arena saß, fand die Entscheidung "erklärungsbedürftig. Ich habe sofort erkannt, dass der Ball vor der Linie aufgesprungen ist."
Die Entscheidung Münchs ist angesichts der Vorgaben für die Assistenten noch unverständlicher. "Der Assistent hat die klare Anweisung, nur dann auf Tor zu entscheiden, wenn er klar gesehen hat, dass der Ball im Tor ist", erklärte Strigel, der allerdings nicht nur dem Mann an der Linie den Schwarzen Peter zuschieben möchte: "Auch der Schiedsrichter kann sich nicht frei von Schuld sprechen und sagen, dass er sich auf den Assistenten verlassen hat."
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Zu möglichen Konsequenzen für das Schiedsrichter-Team wollte Strigel nichts sagen, dennoch ist sich der Lehrwart sicher, dass "das Team bestimmt nicht zur Tagesordnung übergehen wird". Innerhalb der Schiedsrichterzunft wird die Fehlentscheidung auf jeden Fall thematisiert werden. "Wir teilen den Schiedsrichtern mit, dass so ein Fehler nicht passieren darf", sagte Strigel.
Verlierer und Abstiegskandidat FSV Frankfurt trug es mit Galgenhumor. "So kommen wir wenigstens in jedem Jahresrückblick vor", sagte Geschäftsführer Bernd Reisig. Und für FSV-Profi Sead Mehic war "unsere Leistung heute genauso schlecht wie die des Schiedsrichters".
Ein ähnlicher Assistenten-Fehler hatte vor knapp 16 Jahren zum Phantom-Tor von Thomas Helmer im Spiel zwischen Bayern München und dem 1. FC Nürnberg geführt. Im Gegensatz zum momentanen Fall wurde diese Partie wiederholt. Der Grund dafür war, dass damals im Unterschied zu heute die Anzeige eines Tores durch den Assistenten nicht im Regelbuch stand. Aufgrund dieses Regelverstoßes kam es damals zu einer Neuansetzung.
Quelle: t-online.de , sid
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