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Assimiou Touré: "Es war der Horror"

24.10.2012, 17:58 Uhr | DFB.de

Assimiou Touré  hat beim SV Babelsberg den nächsten Neuanfang gestartet.  (Quelle: imago)

Assimiou Touré hat beim SV Babelsberg den nächsten Neuanfang gestartet. (Quelle: imago)

Als Assimiou Touré über den schlimmsten Moment seines Lebens spricht, redet er plötzlich leiser. Er habe alles gut verkraftet, er habe keine Albträume mehr, er müsse kaum noch daran denken. Aber natürlich kann er sich noch an jedes Detail erinnern. An die Schüsse von beiden Seiten, an die getöteten Kollegen, an das Glück, das er in diesem Moment hatte. Es war im Januar 2010 "Ich war mit der togoischen Nationalmannschaft auf dem Weg nach Angola", sagt Touré.

Eine Busfahrt zwei Tage vor Beginn des Afrika-Cups. "Plötzlich werden wir von beiden Seiten angegriffen, es knallt unglaublich laut, wir schmeißen uns sofort unter die Sitze. Zwei schaffen das leider nicht mehr rechtzeitig, weil sie gerade im Gang stehen. Sie überleben den Angriff nicht", erzählt Touré. Für Togo ist das Turnier beendet, bevor es überhaupt begonnen hat. Keiner kann in so einem Moment mehr an Fußball denken.

Mehr als nur ein Schicksalsschlag

Wer solche Ereignisse erlebt hat, für den hat der Abstiegskampf in der 3. Liga eine ganz andere Bedeutung. Denn das ist im Moment das Thema des 24-Jährigen. Der Abwehrspieler ist inzwischen beim SV Babelsberg 03 gelandet. Am Samstag steht das Duell bei Rot-Weiß Erfurt auf dem Programm, Vorletzter gegen Viertletzter. "Wir wollen dort gewinnen", sagt Touré: "Es ist ein ganz wichtiges Spiel für uns. Mit einem Sieg können wir uns etwas aus dem Tabellenkeller befreien. Bei einer Niederlage stecken wir ganz tief unten drin, und Erfurt zieht sogar an uns vorbei."

Babelsberg. Touré ist glücklich, wieder Fußball spielen zu können, täglich mit Kollegen auf dem Platz zu üben, am Wochenende um Punkte zu ackern. Was für einen Mannschaftssportler eigentlich normal ist, ist für den Defensivspezialisten längst keine Selbstverständlichkeit. Denn das Attentat auf den Mannschaftsbus war nicht der einzige Schicksalsschlag in seinem Leben.

Überraschende Nominierung für die WM 2006

Eigentlich lief zunächst alles perfekt. Vom SSV Bergneustadt ging es zu Bayer 04 Leverkusen. Touré galt als großes Talent. Er war überqualifiziert, spielte deshalb meist schon in den älteren Nachwuchsteams. "Ich hatte eine tolle Zeit in der Jugend, alles war bestens", bestätigt Touré. 2006 kam die völlig überraschende Berufung in den Kader Togos für die Weltmeisterschaft in Deutschland: "Es war ein Traum, ein unglaubliches Erlebnis. Das wichtigste Fußballturnier der Welt - und ich war dabei." In dem Land, in dem er groß geworden ist. In dem Land, in dem er sich zu Hause fühlt. Und dabei die Flagge Togos auf der Brust.

Dass die WM für seine Auswahl nach der Vorrunde ohne Punktgewinn beendet war, kann seine Erinnerungen nicht negativ beeinflussen. Es ging Schlag auf Schlag weiter: mit 18 der erste Einsatz im UEFA-Cup, wenig später die Premiere in der Bundesliga. Es folgte eine Ausleihe zum VfL Osnabrück – und plötzlich nahm das Unheil seinen Lauf.

Amputation drohte: "Es war der Horror"

Ende September 2007 kommt der erste heftige Rückschlag. Meisterschaftsspiel mit dem VfL gegen den FC St. Pauli. Die sechste Minute, ein unglücklicher Zweikampf, ein Knacken im Bein. Die bittere Diagnose: Schien- und Wadenbeinbruch. "Dass etwas kaputt ist, wusste ich sofort", erinnert sich Touré: "Dass es so schlimm ist, hatte ich nicht erwartet." Seine Karriere steht auf der Kippe, zwei Jahre Leidenszeit. Als während des Heilungsprozesses Komplikationen auftreten, wird darüber diskutiert, ob das Bein abgenommen werden muss. "Es war der Horror", sagt Touré: "Nur dank einer großen Operation konnte das verhindert werden."

Er kämpft sich wieder heran. Zunächst bleibt er noch ein Jahr in Osnabrück, dann kehrt er nach Leverkusen zurück. Dort kann sich der zweimalige deutsche U 18-Nationalspieler nicht durchsetzen. Er wechselt nach Bielefeld. Es folgt das tödliche Drama auf der Länderspielreise nach Angola. Touré kehrt zurück zur Arminia. Auch dort klappt es nicht wie gewünscht. Er muss bei der zweiten Mannschaft aushelfen. Als der Klub aus der 2. Bundesliga absteigt, erhält Touré keinen neuen Vertrag mehr.

Babelsberg beendet ein Jahr Arbeitslosigkeit

Plötzlich ist das große Talent, der Nationalspieler, der WM-Teilnehmer arbeitslos – und zwar nicht ein paar Tage oder ein paar Wochen. Touré findet ein Jahr lang keinen neuen Verein. "Ich habe mich in Leverkusen fit gehalten. Ich bin dankbar dafür, weil es einfach nicht das richtige Angebot gab", sagt Touré. Eine ganze Saison lang nur trainieren, trainieren, trainieren. "Mir hat alles gefehlt, was ein Fußballer braucht. Besonders der Teamgeist und die Wettkämpfe am Wochenende."

Deshalb ist die Anfrage des SV Babelsberg im Sommer wie ein kleiner Lottogewinn. In der Vorbereitung wirft ihn eine Operation nach einer Zehenentzündung noch etwas zurück. "Auch die fehlende Spielpraxis habe ich gemerkt. Mir haben die Automatismen gefehlt", berichtet Touré. "Aber jetzt wird es besser, mit jedem Spiel. Ich hoffe, dass meine Leidenszeit nun vorbei ist. Irgendwann muss es doch wieder aufwärts gehen."

Quelle: DFB.de

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