22.05.2009, 14:37 Uhr
Ein letztes Mal Tivoli-Atmosphäre (Foto: imago)Seit 1928 ist der Aachener Tivoli die Heimspielstätte des TSV Alemannia Aachen. Am Sonntag wird nach mehr als 80 Jahren letztmalig ein Pflichtspiel der Alemannia im altehrwürdigen Stadion angepfiffen, das viele Triumphe, Enttäuschungen und Kuriositäten erlebt hat. So war der Tivoli nicht nur wegen der enthusiastischen Aachener Fans gefürchtet. Nur eine Toilette in der Gästekabine, eisiges Wasser bei laufender Rasenheizung im Winter, schwarzer Schimmel an den Wänden - so wurden beispielsweise die Münchner Bayern nicht nur auf dem Fußball-Platz überrascht. "Die Bayern haben ja nach dem Spiel gar nicht mehr hier geduscht", amüsiert sich Alemannia-"Kultfigur" Willi Landgraf heute noch. 2004 und 2006 schied der Rekordmeister im DFB-Pokal bei den Schwarz-Gelben aus, doch in der kommenden Saison erhöht sich für die Gegner zumindest fernab des Rasens der Komfort. Nach mehr als 80 Jahren endet die Ära Tivoli am Sonntag mit dem letzten Pflichtspiel gegen den FC Augsburg (ab 13.45 Uhr im Live-Ticker).
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Die Zukunft grüßt in Form von Baukränen
Nur wenige Meter weiter erheben sich die Kräne an der Baustelle für die neue Arena, die den gleichen Namen tragen wird. Unerbittlich läuft die Digitaluhr an der Fassade bis zum Start der neuen Spielzeit und dem Ende eines Mythos: Vor 81 Jahren wurde der Tivoli an der Krefelder Straße errichtet und bekam Ende der 50er Jahre die damals modernste Flutlichtanlage Europas sowie eine überdachte Sitzplatztribüne. Vieles blieb unverändert, wie auch der schmale Gang durch den die Mannschaften auf den Rasen mussten. "Wenn der Gegner im Tunnel stand, wussten sie, dass es richtig abgeht", erzählt Landgraf, mit 508 Partien Rekordspieler der 2. Bundesliga.
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Der schiefste Platz Deutschlands
Bis 1999 wies der Tivoli einen besonderen Heimvorteil auf. Der Platz wies ein Gefälle von nicht weniger als anderthalb Metern auf, wodurch der Platzwahl zusätzliche Bedeutung zukam. "Wir wollten in der zweiten Halbzeit immer runter spielen", erinnert Josef "Jupp" Martinelli, der von 1954 bis 1970 für Aachen in der Oberliga und Regionalliga West sowie der Bundesliga auflief. Doch es gab nicht nur Kurioses. Nach Zuschauerausschreitungen fand am Tivoli 2004 auch das erste Geisterspiel in Deutschland statt. Und gefeiert wurde auch: 2007 kehrte Aachen nach 36 Jahren in der Unterklassigkeit für eine Spielzeit in die Bundesliga zurück.
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Die Stadionuhr zieht mit um
Den Neubau nach einem erneuten Aufstieg in der höchsten Spielklasse zu eröffnen, ist vor dem letzten Spieltag nicht mehr möglich. Doch viele zunächst skeptische Fans haben sich mit der geplanten neuen 33.000-Mann-Arena zumindest arrangiert. Sie nahmen sogar Anleihen in Höhe von 4,2 Millionen Euro auf. Auch Landgraf verfällt beim Anblick des Rohbaus nicht in Sentimentalitäten. "In so einer Schüssel zu kicken, ist doch das Geilste. Dafür würde ich mir ein Bein abhacken." Und so ganz müssen die Aachener auch nicht auf das frühere Flair verzichten: Die alte Stadionuhr wird beim Umzug mitgenommen.
FUSSBALL.DE/dpa
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