15.11.2012, 11:57 Uhr | FUSSBALL.DE
Schiedsrichter wird es in der D-Liga am kommenden Wochenende auf keinem Platz geben. (Quelle: imago)
In der D-Liga Darmstadt rollt an diesem Wochenende kein einziger Ball. Grund ist die Absetzung aller Schiedsrichter für den gesamten Spieltag. Der Auslöser: Letztes Wochenende war es beim Spiel der TG 75 Darmstadt gegen die TuS Griesheim zu regelrechten Jagdszenen gegen den Unparteiischen auf dem Platz gekommen. Dabei wurde der Schiedsrichter erheblich verletzt, nachdem er von Spielern der TG 75 tätlich angegriffen, gestoßen, getreten und geschlagen wurde. Das Spiel wurde beim Stand von 0:5 abgebrochen.
"Auch wenn sich natürlich nicht alle Vereine an der Hetzjagd gegen die Schiedsrichter beteiligen, werden wir am kommenden Wochenende für die Spiele der D-Liga keine Schiedsrichter abstellen", sagte Kreisschiedsrichterobmann Sebastian Schaab. Nachdem es bereits in den ersten Wochen der Saison während mehrerer Partien zu Beleidigungen, Bedrohungen und tätlichen Angriffen gekommen war, zog der Kreisfußballausschuss im Bezirk Darmstadt jetzt die Reißleine.
So entschloss sich die Schiedsrichtervereinigung (KSA), ein deutliches Zeichen zu setzen. Keinem Schiedsrichter könne zugemutet werden, "Leib und Leben für die Leitung eines Fußballspiels aufs Spiel zu setzen", heißt es auf der Homepage. "Wir haben eine Fürsorgepflicht für unsere Schiedsrichter und können es nicht sehenden Auges zulassen, dass sie ihre Gesundheit gefährden, um anderen die Ausübung ihres Hobbies zu ermöglichen. Wir hoffen, dass das allen Beteiligten endgültig den Ernst der Lage vor Augen führt", wird Schaab in einer Pressemitteilung der Schiedsrichtervereinigung zitiert.
Ob die Schiedsrichter über das kommende Wochenende hinaus weitere Maßnahmen ergreifen werden, ließ Schaab zum gegenwärtigen Zeitpunkt offen: "Wir werden die Situation mit den Verantwortlichen innerhalb des Kreisfußballausschusses in aller Ruhe besprechen und dann entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Der Schutz unserer Schiedsrichter steht an erster Stelle."
Zu Saisonbeginn war es sogar in der D-Jugend zu einem Spielabbruch gekommen, als ständig Zuschauer auf den Platz liefen, um Spielsituationen in ihrem Sinne zu regeln. Richard Feick, Vorsitzender des Kreissportgerichtes, sprach angesichts der Flut von fast täglich eingehenden Sonderberichten der Schiedsrichter davon, dass der Eindruck entstanden sei, die Jagd auf die Schiedsrichter sei eröffnet.
Feick hatte bereits zuvor während einer außerordentlichen Vereinsvertretersitzung nachdrücklich daran erinnert, dass die Vereine für das Verhalten ihrer Spieler und Betreuer, aber auch für das Verhalten ihrer Zuschauer verantwortlich seien. "Das sind die Regeln, unter denen sie am Spielbetrieb teilnehmen dürfen, so dass sich die Frage, ob man diesen Verpflichtungen aus Personalmangel nachkommen kann, überhaupt nicht stellt", so Feick weiter.
Michael Imhof als Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Darmstädter Schiedsrichter ergänzte: "Möglicherweise haben einzelne Vereine diesen Ernst der Lage in der Tat noch immer nicht im ausreichenden Maße erkannt. Es gibt seitens des Hessischen Fußballverbandes über dessen Fair-Play-Forum ausreichend Möglichkeiten, sich dem Thema verbale oder auch körperliche Gewaltbereitschaft in den eigenen Reihen zu stellen. Dieses Angebot hat bislang noch kein Verein angenommen."
Quelle: FUSSBALL.DE
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