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Thorsten Dauth: Torwart, Zehnkämpfer, Bobfahrer

30.11.2012, 10:50 Uhr | FUSSBALL.DE

Mister vielseitig: 1992 war Thorsten Dauth bei Olympia als Zehnkämpfer am Start, heute steht er wieder im Fußball-Tor. (Quelle: imago\imago/werek)

Mister vielseitig: 1992 war Thorsten Dauth bei Olympia als Zehnkämpfer am Start, heute steht er wieder im Fußball-Tor. (Quelle: imago/werek/imago)

Von Oliver Strerath

Er kann es einfach nicht lassen. Eigentlich hatte Thorsten Dauth seine bewegte Sportler-Karriere  im Sommer 2011 beendet. Eigentlich. Denn dann kam Mitte September der Anruf der SG Ober-Erlenbach. Der Klub aus der Gruppenliga West Frankfurt hatte einen akuten Engpass im Tor – und fragte bei seinem ehemaligen Schlussmann Dauth nach. Und der Fußballer, der 1992 als Zehnkämpfer an den olympischen Spielen teilnahm und auch Erfolge im Bobfahren feierte, war wieder zurück. Und dies mit 44 Jahren.

"In Ober-Erlenbach gab es eben eine Notsituation. Da helfe ich gerne aus", sagt Dauth, der aber gestand: "Ich wusste gar nicht genau, ob es noch funktioniert." Es funktioniert noch. Immerhin sind die Ober-Erlenbacher mit dem 2,02 Meter großen Modell-Athleten im Tor derzeit Tabellenzweiter, kämpfen also um den Aufstieg.

Angebot aus Köln - abgelehnt

Fußball, immer wieder Fußball. Dabei kann sich der gebürtige Bad Nauheimer gar nicht mehr genau erinnern, welcher Sport seine erste große Liebe war. "Wahrscheinlich Fußball. Aber ich habe auch Tennis gespielt und Leichtathletik betrieben", erinnert sich "Toto", so sein Spitzname. Er spielte auch im Feld, das meiste Talent hatte er aber als Torwart. Seine Position war damit fix. Auch wegen seiner körperlichen Voraussetzungen. Irgendwann habe er sich aber allein vom Kicken nicht mehr ausgelastet gefühlt.

Dabei hatte Dauth 1988 die Chance gehabt, im Profi-Fußball zu landen. Der 1. FC Köln unter dem damaligen Coach Christoph Daum wollte den Schlussmann haben, als zweiten Mann hinter Bodo Illgner. Er lehnte das Angebot ab, wollte nicht in der Zweiten Mannschaft der Kölner versauern. "Und es gab persönliche Gründe", ergänzt Dauth, ohne ins Detail zu gehen.

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Drei Fehlstarts als Impulsgeber

Im selben Jahr konzentrierte sich der Hesse auf die Leichtathletik und nahm  "eine Auszeit vom Fußball". Impulsgeber dafür war auch Jürgen Hingsen. Der Zehnkämpfer leistete sich bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul über 100 Meter gleich drei Fehlstarts. Disqualifikation. Der Medaillentraum war geplatzt.

Das Debakel des Kollegen spornte Dauth umso mehr an. Er trainierte härter, schaffte 1989 erstmals über 7000 Punkte im Zehnkampf (Bestmarke 8164 Punkte) und qualifizierte sich schließlich für die Spiele 1992. "Es war mein großes Ziel in Barcelona dabei zu sein", sagt der Hüne, der letztlich auf Rang 17 landete. Vier Jahre später verpasste er indes die Qualifikation für Atlanta. Die Rückkehr auf den Fußball-Platz war damit für den außergewöhnlichen "Mehrkämpfer" besiegelt.

Bobfahren – "das hat Laune gemacht"

"Studium, Familie, Sport – das musste alles passen und war nicht einfach zu koordinieren", erklärte Dauth sein Comeback. Wenngleich er sich in dieser Zeit auch als Anschieber beim Bobfahren ("Das hat Laune gemacht") profilierte und unter anderem Deutscher Meister wurde – ein Bekannter hatte den Kontakt zur Wintersportart hergestellt. Ein Engagement bei Kickers Offenbach, für die Dauth in Ober- und Regionalliga aktiv war, brachte zudem eine gewisse finanzielle Sicherheit.

Der Sport-Allrounder war somit nur noch Fußballer, spielte vor allem für seinen Heimatverein KSV Klein-Karben in der damaligen Oberliga Hessen. "Ich habe es nicht gezählt, aber es dürften weit über 100 Spiele gewesen sein", sagt Dauth, dessen älterer Sohn in der U 23 des FSV Manz 05 spielt. Als Torwart, selbstverständlich.

Fußballer können von Leichtathleten lernen

Erfahrung hat der 44 Jahre alte "Mister vielseitig" also reichlich gesammelt. Und an dieser lässt er andere gerne teilhaben. Etwa jüngere Talente bei den Offenbacher Kickers, wo er als Athletik-Trainer arbeitet. "Die Jungs brauchen doch mal ein bisschen Abwechslung", meint er dazu. Zumal die Fußballer von den Leichtathleten ohnehin lernen könnten.

"Sicher sind die Fußballer athletischer geworden. Aber es gibt zum Beispiel noch Verbesserungspotenzial bei der Bewegung. Viele könnten deutlich schneller sein", erklärte er. Und Thorsten Dauth, der beide Seiten kennt, muss es wissen.

"Nee"

Die Jahrzehnte Leistungssport haben aber ihre Spuren hinterlassen. "Irgendwann macht der Körper nicht mehr so mehr mit, wie man das will. Er braucht Regeneration", macht der Torwart-Routinier deutlich und fügte an: "Daher reicht es jetzt mal. Ich kann mir wirklich vorstellen, dass es das jetzt war".

In der Winterpause, wenn sich bei der SG Ober-Erlenbach die Torwartsituation stabilisiert haben sollte, sei Schluss. So der Plan von Thorsten Dauth. Auf die Frage, ob er denn tatsächlich vom Fußball loskomme, antwortet der 44-Jährige nur mit einem Wort: "Nee".

Quelle: FUSSBALL.DE

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 (Quelle: abc)