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Seit 125 Jahren am Ball

16.04.2013, 12:37 Uhr | FUSSBALL.DE

Die Spieler von Germania 88 im Jahre 1891. (Quelle: dpa)

Die Spieler von Germania 88 im Jahre 1891. (Quelle: dpa)

Von Sebastian Schlichting

Von der Bundesliga sind sie weit entfernt, auch die 2. Liga ist ganz weit weg für viele Traditionsklubs, die den deutschen Fußball früher prägten. Inzwischen sind sie - im besten Fall - in der viertklassigen Regionalliga beheimatet. Manche auch in der Bezirksliga oder tiefer. FUSSBALL.DE wirft in der Serie "Tränen, Triumphe, Tradition" einen Blick auf Vereine, deren größte Erfolge lange zurückliegen, die aber immer noch viele Fans bewegen. Heute, Teil 10: BFC Germania 88, Kreisliga B Berlin, Staffel 3.

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Kreisliga B, das ist der wirklich kleine Fußball, die zweitunterste Stufe im Berliner Amateurbereich. Hier sind viele zweite Mannschaften zu Hause, mitunter wird Sonntag um zehn Uhr angestoßen. Die Zuschauer gehören meist zu den Spielern oder zum Verein oder beides. Kurzum: In der Kreisliga B erwartet man nicht unbedingt einen Verein, der in der Historie des deutschen Fußballs eine exponierte Stellung einnimmt. Aber man findet ihn genau hier, in der 3. Abteilung: "Der älteste deutsche Fußballverein begrüßt seine Gäste" steht auf einem Schild an der kleinen Verpflegungsbude auf dem Sportgelände in Berlin-Tempelhof.

Andere Klubs existieren länger, wurden aber nicht als Fußballklub gegründet. Wieder andere mit früherem Gründungsdatum gibt es schon lange nicht mehr. Der Berliner Fußball-Club Germania 1888 hat die Bestätigung vom Deutschen Fußball-Bund: Niemand ist älter, auch nicht – wie oft vermutet – der Hamburger SV.

Spiele auf dem Tempelhofer Feld

In dieser Woche beging der Klub im Rathaus Schöneberg seinen 125. Geburtstag. Ein Gospelchor begleitete die Festivitäten, es gab Bockwurst und Kartoffelsalat. "Wir sind schließlich ein Berliner Verein", sagt der 1. Vorsitzende Heinz-Dietrich Kraschewski. Am 15. April 1888 gründeten die Brüder Jestram und ihre Mitstreiter den Verein. Gespielt wurde auf dem Tempelhofer Feld, dem späteren Gelände des Flughafens Tempelhof.

Traditionsklubs, die ihre besten Zeiten hinter sich haben, füllen in Deutschland mittlerweile Bücher. Sie sind meist präsenter als Germania, da sie wie Rot-Weiss Essen, Borussia Neunkirchen oder Waldhof Mannheim auch zu Bundesliga-Zeiten noch erfolgreich waren. Als diese 1963 startete, war Germanias große Zeit lange vorbei. 1890 und 1891 war der heutige Zehntligist in Vor-DFB-Zeiten Deutscher Meister. Beim ersten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft 1908 stand Germanias Fritz Baumgarten im Tor. In der Frühphase des Fußballs spielte der Klub hierzulande eine wichtige Rolle. Davon künden heute fast nur noch Bilder, da viele Pokale und andere Erinnerungsstücke verloren gegangen sind.

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"Nicht das Gelbe vom Ei"

Zeit seiner Existenz tut der Klub das, was die Mitglieder 1905 beschlossen: Er ist – meist im unteren –Amateurbereich zu Hause. "Da handeln wir mit Sicherheit im Sinne dieses Beschlusses, keine Frage", sagt Kraschewski. Und fügt mit Blick auf das liebe Geld lächelnd an: "Aber es ist ja auch immer eine Frage, was man sich leisten kann. Wenn man sich nicht so viel leisten kann, bleibt man eben auf Amateurebene." Damit kann Kraschewski gut leben, aber ein bisschen mehr als Kreisliga B dürfte es doch gern sein: "Die Liga ist nicht das Gelbe vom Ei." Germania muss jedoch aufpassen, sie nicht durch die Hintertür zu verlassen.

Abgesehen von der besonderen Geschichte unterscheiden sie sich nicht groß von vielen anderen Amateurklubs: Kraschewski kickt in der Altliga mit mehreren Spielern, die er schon seit der Zeit in der 3. Männermannschaft in den 80ern kennt. In den heutigen Herren-Mannschaften sind einige, „die sind hier, seit sie krabbeln können. Dit is Germania.“

Lorbeerkranz auf dem Trikot

Germanias 1. Vorsitzender Heinz-Dietrich Kraschewski (li.) und Dieter Kähne. Beide sind seit Jahrzehnten im Klub. (Quelle: dpa)Germanias 1. Vorsitzender Heinz-Dietrich Kraschewski (li.) und Dieter Kähne. Beide sind seit Jahrzehnten im Klub.Kraschewski freut sich darüber, dass Zeitungen und TV-Sender im Vorfeld angeklopft haben. "Wäre doch auch schade, wenn nicht, oder? 125 Jahre sind ja eine lange Zeit." Ein bisschen bundesweite Aufmerksamkeit tut dem Klub gut, der seit Jahren in der Kreisliga B festhängt. Zum besonderen Geburtstag gab es Jubiläums-Trikots mit einem Lorbeerkranz und der Zahl 125.

Aus Kostengründen wurde 2013 zum Jubiläumsjahr gemacht, es finden über die Monate verteilt immer mal wieder Veranstaltungen statt. Ein geplantes Spiel gegen Sheffield FC, als ältester Klub weltweit quasi ein großer Bruder, konnte bisher allerdings nicht verwirklicht werden.

"Die war ein bisschen außer Gefecht"

Kleine Rückschläge bringen Kraschewski jedoch schon lange nicht mehr aus der Ruhe. So wie auch die Tatsache, dass die Homepage ausgerechnet vor dem runden Geburtstag nicht erreichbar war: "Die war ein bisschen außer Gefecht. Aber jetzt geht sie wieder."

Seit 50 Jahren ist der 60-Jährige Germane. Ob er mal an einen Vereinswechsel gedacht hat? Kurzes Schweigen. Natürlich nicht. "Das ist bei mir auch Erziehungssache", sagt er dann. "Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen." Nicht zufällig findet sich in seiner Handynummer die Jahreszahl der Vereinsgründung. Das Handy mit der dazugehörigen Nummer bekam ursprünglich seine Frau Karin vom Sohn geschenkt, der für den Klub spielt. Und Karin? "Ist auch Germanin. Ginge auch nicht anders. Ich bin ja fast mehr beim Verein als zu Hause." Bei Heimspielen zapfen beide zusammen Bier. 

Im freien Fall

Fast logisch, dass ein "alter Germane" (Kraschewski über Kraschewski) in die Bresche sprang, als die vorerst letzte gute Zeit des Vereins zu Ende ging. Der Verein spielte ab 2003 in der höchsten Berliner Klasse, der Verbandsliga (heute Berlin-Liga). Als sich der Sponsor zurückzog, krachte alles auseinander. Kraschewski übernahm 2005 den Vorsitz bei einem Verein im freien Fall, der erst in der Kreisliga B gestoppt wurde.  

Auch nach 125 Jahren wird immer mal wieder alles auf Anfang gestellt. Der junge Trainer Atilla Sönmez hat vor einigen Wochen übernommen. Mit ihm soll es zumindest ein Stück nach oben gehen: "Nächste Saison greifen wir an. Da werden sich einige wundern", sagt Kraschewski. Hoffnung macht ihm vor allem die A-Jugend, die als Neuling in der Bezirksliga schon wieder auf einem Aufstiegsrang steht. 

Quelle: FUSSBALL.DE

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 (Quelle: abc)