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"Man kann nicht nur davon träumen, Fußballprofi zu werden"

15.02.2012, 13:10 Uhr

Bastian Hohmann (li.) noch im Trikot von Fünftligist Germania Schöneiche bei einem Testspiel gegen Union Berlins Chinedu Ede. (Quelle: imago)

Bastian Hohmann (li.) noch im Trikot von Fünftligist Germania Schöneiche bei einem Testspiel gegen Union Berlins Chinedu Ede. (Quelle: imago)

Das Interview führte Benjamin Crisolli

Es ist das Fußball-Märchen des Winters. Bastian Hohmann, Amateur-Fußballer des brandenburgischen Fünftligisten Germania Schöneiche, wechselt zu CD Feirense, Erstligist im Norden Portugals. Bis zum Sommer 2013 hat der schnelle Flügelstürmer einen Vertrag beim Aufsteiger unterschrieben. Nun lebt der 21-Jährige seinen Fußballtraum und hofft schon bald auf seinen ersten Einsatz in der "Liga Sagres". Im Interview mit FUSSBALL.DE erzählt Hohmann von seinen ersten Erlebnissen in Santa Maria da Feira, zu welchen das Heimspiel gegen Benfica Lissabon oder etwa seine Präsentation vor mehr als einem Dutzend Kameras gehört.

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FUSSBALL.DE:  Herr Hohmann, glauben Sie manchmal, dass Sie träumen? 

Bastian Hohmann: Nein, wie ein Traum kommt mir das Ganze, was mir im letzten Monat geschehen ist, nicht vor. Es ist jedoch verrückt, wie schnell dann doch alles gegangen ist. Ich hatte wenig Zeit mich auf den Wechsel einzustellen. Sachen packen, verabschieden und dann ins Flugzeug Richtung Portugal.

Zuletzt haben Sie die Winter-Vorbereitung beim Oberligisten Germania Schöneiche mitgemacht. Jetzt spielen Sie in Portugal bei Erstliga-Aufsteiger CD Feirense. Wie kam es denn zu diesem Fußball-Märchen?

Zum ersten Mal erfuhr ich von dem Fußballverein, als dessen Mannschaft ein Trainingslager in Deutschland abhielt und wir ein Testspiel gegen sie vereinbarten. Damals spielte Feirense noch in der 2. Liga. Dem Anschein nach habe ich mich in diesem Testspiel wohl gut präsentiert. Ich registrierte zu diesem Zeitpunkt aber nicht, dass ich Interesse bei den Verantwortlichen geweckt hatte. Ein Wechsel zur damaligen Zeit wäre wohl auch undenkbar gewesen, da ich noch an meinem Abitur bastelte und meine Eltern immer Wert darauf legten, dass ich einen guten Schulabschluss bekomme.

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Wie haben Sie dann in diesem Winter vom Interesse CD Feirenses erfahren?

Nachdem ich letztes Jahr mein Abitur bestand, ermöglichten mir meine Eltern, mich ein Jahr komplett auf den Fußball zu konzentrieren. Schon in diesem ersten halben Jahr - ohne schulische Belastung - habe ich mich fußballerisch enorm weiterentwickelt. Im Spiel gegen Hansa Rostock II war dann ein Scout vor Ort, der Kontakt zum Klub Feirense pflegte. Er war der Meinung, dass ich mehr als Oberliga spielen könnte. Kurz  vor Weihnachten erhielt ich via Handy die Mail mit einem Angebot für ein Probetraining bei CD Feirense. Es hieß, ich sei ihnen im Spiel gegen sie und auch im Verlauf des letzten Halbjahres positiv aufgefallen.

Was haben Ihre Mitspieler bei Germania Schöneiche gesagt, als Sie diesen vom Angebot erzählten? Was haben sie gesagt, als sie ihnen mitteilten, dass sie den Schritt wagen wollen?

Ich bekam viele Glückwünsche und Schulterklopfer, allerdings erzählte ich erst vom Angebot nachdem ich das Probetraining mit einem positiven Ergebnis beendete und ich einen Vertragsvorschlag von Feirense erhielt. Ich denke, dass viele Spieler dadurch gemerkt haben, was doch eigentlich alles möglich ist und wie schnell so etwas manchmal passieren kann.

Wann haben Sie sich für den mutigen Wechsel entschieden und was waren die auschlaggebenden Gründe dafür?

Nachdem ich das Vertragsangebot erhielt, war mir eigentlich sofort klar, dass dies eine riesige Chance für mich ist und ich sie wahrzunehmen habe. Man kann nicht nur davon träumen, Fußballprofi zu werden und dann solch ein Angebot ausschlagen. Erst recht nicht, wenn man aus der Oberliga kommt.

Wie verlief Ihr Umzug in das idyllische Santa Maria da Feira?

Nachdem die Formalitäten geklärt waren, ging alles sehr schnell. Ich saß im Flugzeug, flog hierher und erhielt bei meinen ersten Schritten, von der Eröffnung eines Kontos bis hin zur Wohnungssuche, zum Glück sofort Hilfe. Santa Maria da Feira ist natürlich in keiner Weise mit der Großstadt Berlin zu vergleichen, in der ich aufgewachsen bin, und das Stadtleben lieben gelernt habe. Daran muss ich mich erst einmal gewöhnen. Obwohl es hier andere positive Dinge gibt. Zum Beispiel sind es von meiner Wohnung aus nur zehn Minuten Autofahrt bis zum nächsten schönen Strand.

Wie waren die ersten Trainingseinheiten bei CDF?

Portugiesischer Fußball unterscheidet sich stark von dem Fußball, der meist in den unteren Ligen Deutschlands gespielt wird. In Portugal wird ein sehr schneller und technisch versierter Fußball mit deutlich mehr Risiko gespielt. Hier ist der erste Blick immer nach vorne gerichtet. Ein Ball-hin-und-her-Geschiebe zwischen den Innenverteidigern sieht man nur selten. Hier findet man auch keine Mannschaften oder Spieler, die nur auf das Zerstören des gegnerischen Spielflusses geeicht sind, was ich aus meiner Oberligaerfahrung zu Genüge kenne.
Allerdings verfolgte mein Trainer in Schöneiche bereits den selben Spielgedanken. Also musste ich mich hier nicht komplett umstellen, sondern mich lediglich an das deutlich höhere Spieltempo gewöhnen.

Wie haben Sie sich eingelebt und wo gab es Probleme? 

In die Mannschaft habe ich mich wirklich gut eingelebt. Das Team besitzt einen tollen Charakter und hat mich sofort in ihrer Mitte aufgenommen. Auch wenn ich im Training etwas noch nicht ganz verstehe, wird mir schnell verziehen. Mein größtes Problem ist also noch die mangelnde Sprachkenntnis. Ich bin allerdings schon fleißig am lernen.

Hatten Sie schon einen Einsatz für CD Feirense?

Letztes Wochenende hatten wir ein Freundschaftsspiel gegen einen Zweitligisten. Es war Pokalwochenende und da wir im Wettbewerb bereits ausgeschieden waren, bekam ich eine Halbzeit in diesem Freundschaftsspiel.

Was war ihr bislang größtes Erlebnis?

Mein größtes Erlebnis ist schwer zu benennen. Eigentlich hatte ich gleich zwei. Das erste war ganz klar das Spiel meiner Mannschaft gegen Benfica Lissabon, welches wir mit 1:2 verloren haben. In der ganzen Stadt wimmelte es nur so von bunten Fahnen, vielen Fans und Kamerateams. Auch das Polizeiaufgebot war hoch. Es kam mir fast wie ein Volksfest vor. Überall Stände und dann abends die Menschenmassen vor dem Stadion. Ich hoffe, dass ich es einmal erleben darf, vor solch einer Kulisse zu spielen. Mein zweites großes Erlebnis war meine Präsentation, als ich nach dem Training plötzlich in einen Raum mit etwa 15 Kameras geführt wurde, man mich vorstellte und ich anschließend die Fragen der Journalisten beantwortete. Für jemand der aus der fünften Liga kommt, ist das natürlich ein ganz neues Erlebnis.

Wie viele Zuschauer sahen bei einem Spiel von Schöneiche zu, Wie viele sind es im Stadion Marcolino de Castro?

In Schöneiche hatte man selbst zu den Spitzenspielen höchstens 400 bis 500 Zuschauer, im Schnitt jedoch selten mehr als 200. Allerdings nicht zu vergleichen mit dem der portugiesischen ersten Liga. Gegen Benfica war das Stadion, welches ein Fassungsvermögen von etwa 5.000 Zuschauern hat, natürlich restlos ausverkauft und man hätte nach Belieben auch noch mehr Karten verkaufen können. Ansonsten hab ich mir sagen lassen, dass zu den Heimspielen immer etwa 3.500 Fans zuschauen. Eine enorme Steigerung, bei der es Spaß macht Fußball zu spielen.

Sie haben einen Vertrag bis 2013 unterschrieben. Was wollen Sie in Portugal bis dahin erreichen?

Ich habe keinen genauen Plan, was ich exakt erreichen möchte. Aber ich werde alles dafür geben, in die erste Elf hineinzurutschen. Dann will ich mit der Mannschaft das Maximum erreichen. Dafür ist es erst einmal wichtig, die Klasse zu halten. Ich persönlich stehe ganz am Anfang meiner Profilaufbahn und hoffe, dass ich viele Jahre dranhängen kann. 

Worauf freuen Sie sich mit ihrem neuen Verein am meisten?

Am meisten natürlich auf Erfolge. Damit meine ich Siege und selbstverständlich den Klassenerhalt. Wir haben eine sehr gute Mannschaft mit tollen Spielern, in der es richtig Spaß macht, Fußball zu spielen. Ich bin überzeugt: Wenn wir konzentriert arbeiten und trotzdem den Spielwitz, den diese Nation einfach mitbringt, beibehalten, schaffen wir das auch.

Die portugiesische "Liga Sagres" ist in Deutschland eher unbekannt. Was unterscheidet sie zur Bundesliga?

Ich denke vor allem die hohe Risikobereitschaft. Hier gewinnt man Spiele lieber mit 6:5 als mit 1:0. Außerdem habe ich hier noch Keinen gesehen, der mit dem Ball so gar nicht kann. Ich denke, es gibt in der Bundesliga nicht so viele Spieler, die mit dieser Technik ausgestattet oder gar wesentlich besser sind. 

Hand auf´s Herz: Was würden Sie gerade tun, wenn Sie nicht das Angebot von CD Feirense erhalten und angenommen hätten?

Zu diesem Zeitpunkt, mir den Hintern in Deutschland abfrieren. 

Quelle: dpa

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