22.02.2012, 13:00 Uhr | FUSSBALL.DE
Die Gefängnismannschaft des SV Kiefer nimmt am regulären Ligabetrieb teil. (Foto: JVA Darmstadt)
Von Julian Moering
Auswärtssiege sind beim SV Kiefer ein Fremdwort. Das liegt nicht etwa an der fehlenden sportlichen Qualität, der Darmstädter Klub ist einfach noch nie auf fremdem Platz aufgelaufen. Das hat einen ganz einfachen Grund: Die Heimspielstätte des SV befindet sich innerhalb der Mauern des Fritz-Bauer-Hauses, besser bekannt als Justizvollzugsanstalt Darmstadt.
FUSSBALL.DE wird die Partie des SV Kiefer gegen die KSG Brandau II am heutigen Samstag mit vier Kameras und zwei Reportern begleiten. Ab Mittwoch wird der Beitrag online zu sehen sein.
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Trotzdem nimmt der SV Kiefer am regulären Spielbetrieb des Hessischen Fußballverbands teil (HFV). Der Grundstein zu diesem ungewöhnlichen Projekt wurde bereits 1992 gelegt. Damals beantragte der sportliche Leiter Gerhard Wydra die Aufnahme in den HFV, um den Gefangenen die Teilnahme an einer ortsansässigen Thekenliga zu ermöglichen. Für Trainer Daniel Fritz noch nicht genug. Der hauptamtliche Sportübungsleiter ging Klinken putzen und leistete jede Menge Überzeugungsarbeit. Mit Erfolg. "Wir haben alle Bedingungen für die Teilnahme am Ligabetrieb erfüllt. Wir sind Mitglied im Verband und haben eine eigene Sportstätte. Also warum nicht?" Momentan belegen die Knast-Kicker den achten Rang in der Kreisliga D.
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Eine seltene Konstellation, auf die man in Darmstadt mächtig stolz ist. "Sport spielt hier eine große Rolle im Alltag der Inhaftierten", so Fritz, der von der positiven Wirkung der Leibesertüchtigung auf das soziale Leben innerhalb der Anstalt überzeugt ist. "Der Sport baut Aggressionen ab und diszipliniert. Die Gefangenen, die Sport treiben, sind die unauffälligsten."
Am Samstag um 14.30 Uhr ist mit der zweiten Vertretung der KSG Brandau der drittletzte der Tabelle zu Gast in der JVA. Mit einer Tordifferenz von minus 57 ist die KSG die Schießbude der Liga, es könnte also ein heiterer Nachmittag für die Gefangenen werden. Mit einem Sieg würde man zumindest vorübergehend auf Rang fünf springen, doch der Tabellenplatz spielt beim SV Kiefer gezwungenermaßen eine untergeordnete Rolle. Da Aufstiegspartien in die C-Klasse in Hin- und Rückspiel ausgetragen werden und somit zwingend auswärts gespielt werden muss, kann die Mannschaft von Coach Fritz nicht aufsteigen.
Doch Fritz kämpft schon wieder an allen Fronten: "Momentan haben wir kein Aufstiegsrecht. Deswegen wollen wir, dass die Satzung des Verbands zur nächsten Saison geändert wird. Dass wir nur zu Hause spielen, ist aus unserer Sicht kein klarer Vorteil für uns." Bis dorthin baut Fritz auf Motivation durch interne Konkurrenz: "Dabei zu sein, ist für die Spieler eine große Motivation." Denn wer für den SV Kiefer aufläuft, hat sich seinen Platz hart erkämpft. Im Fritz-Bauer-Haus leben derzeit etwa 500 Inhaftierte, spielen können nur elf.
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Quelle: FUSSBALL.DE
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