19.05.2010, 06:40 Uhr
Die chilenischen Nationalspieler Vidal (l.) und Jara. (Foto: imago)Seit zwölf Jahren warten die Fans in Chile auf ein WM-Spiel ihrer Mannschaft. Und seit 48 Jahren auf einen Sieg in einer Partie bei der Weltmeisterschaft.
Nach den drei Remis im Turnier 1998 in Frankreich will die aktuelle Mannschaft der Südamerikaner die furchtbare Durststrecke beenden, die das fußballverrückte Land zu erleiden hat. Das große Vorbild soll die WM 1962 sein, als Chile vor eigenem Publikum sogar Dritter wurde.
Chile war die große Überraschung in der Südamerika-Gruppe. Am Ende des 18 Spiele langen Qualifikationsmarathons kam La Roja mit nur einem Punkt Rückstand auf Gruppensieger Brasilien ins Ziel. Zwar kassierte das Team mit 22 Gegentreffern mehr als alle anderen fünf Qualifikanten des Kontinents. Aber mit 32 selbst erzielten Toren hatte Chile auch ordentlich was entgegenzusetzen.
Chiles Nationaltrainer Bielsa. (Foto: imago)Marcelo Bielsa bringt einige Erfahrung als Nationaltrainer mit. Von 1998 bis 2004 coachte er schon die Auswahlmannschaft seines Heimatlandes Argentinien. Mit der Albiceleste war er allerdings nicht sonderlich erfolgreich, bei der WM 2002 schied das Team schon in der Vorrunde aus. Dafür zeichnete Bielsa verantwortlich für den Gewinn der Goldmedaille Argentiniens bei den Olympischen Spielen 2004. Nach diesem Erfolg trat der heute 54-Jährige zurück. Als Trainer von Chile orchestrierte er 2008 den ersten Pflichtspielerfolg des Landes über das große Argentinien und schließlich die souveräne Qualifikation des Außenseiters für die WM 2010.
Bielsa kommt aus besseren Kreisen, in seiner Familie wird man eher Politiker oder Jurist. So war sein Bruder drei Jahre lang Außenminister des Landes und seine Schwester Vizegouverneurin der Provinz Santa Fe. Doch Marcelo scherte sich nicht um die Konventionen und schlug lieber die Sportlerlaufbahn ein. Nach einigen wenigen Spielen für die Newell‘s Old Boys wechselte er schon mit 25 Jahren ins Trainerfach und sammelte Erfahrungen bei Klubs in Argentinien und Mexiko.El Loco, der Verrückte, hat sich angewöhnt, keine exklusiven Interviews zu geben und stattdessen nur über Pressekonferenzen zu kommunizieren - manchmal stundenlang, wenn es sein muss. Auch seinen Spielern gegenüber gibt er sich unkonventionell. Manchmal lässt er Mannschaftsteile einzeln trainieren, so dass sich Stürmer und Verteidiger nicht in die Quere kommen.
Der Begriff „Star“ ist wahrscheinlich unpassend, aber ohne Zweifel ist Arturo Vidal einer der besten Fußballspieler, die Chile bislang hervorgebracht hat. Der defensive Mittelfeldspieler hat bei Colo Colo das Kicken gelernt, dem Klub, der zuletzt auch Borussia Dortmunds Welttorjäger Lucas Barrios hervorbrachte. Vidal verfügt über eine starke Technik und ist flexibel einsetzbar. Zum Beispiel auch als Innen- oder Außenverteidiger. Der 22-Jährige schaltet sich zudem gerne und oft ins Offensivspiel ein. Bayer Leverkusen zahlte 5,6 Millionen Euro für den Wechsel Vidals. Beim Bundesligisten und in der Nationalelf hat sich der Spieler mit dem markanten Haarkamm einen festen Platz erobert.
Der starke Auftritt in der Qualifikation sollte allen Gegnern Warnung genug sein: Chile ist nicht zu unterschätzen. Das Team weiß eine Reihe von Legionären in seinen Reihen, die in Italien, der Türkei, Russland und Deutschland auf hohem Niveau spielen. Die Stärken liegen sicher eher im offensiven als im defensiven Bereich. Gut möglich, dass Chile die Gruppenphase übersteht.
Chile im Überblick:
| |
Spitzname | La Roja |
Trainer | Marcelo Bielsa |
Kapitän | Claudio Bravo |
Größter Erfolg | WM-Dritter 1962 |
FIFA-Weltranglistenplatz | 17 |
Bisherige WM-Teilnahmen | 7 |
Quelle: t-online.de
Michael Sziedat geht mit Preetz hart ins Gericht.
mehr zu Hertha BSCAmateurtor der Woche: Wähle aus drei Treffern!
zum Voting-VideoDer Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".
zum VideoDer Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".
zum Video