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Blickpunkt Amateure

Ex-Profis im Amateurfußball: Christof Babatz

10.11.2012, 11:31 Uhr | FUSSBALL.DE

Christof Babatz läuft heute in der Kreisoberliga auf. (Quelle: imago)

Christof Babatz läuft heute in der Kreisoberliga auf. (Quelle: imago)

Von Julian Moering

Sie spielten in vollbesetzten Arenen und waren einem Millionenpublikum bekannt. Sie waren Bundesliga-Profis und zum Teil Nationalspieler. Zum Ende ihrer Karriere oder danach erinnern sich nicht wenige Stars an ihre Wurzeln: FUSSBALL.DE stellt in einer Serie ehemalige Profikicker vor, die jetzt das Bild des Amateurfußballs mitprägen. Teil 13: Christof Babatz, früher für Mainz 05, den HSV und Hannover 96 aktiv, heute als Spieler bei der SG Kirberg/Ohren, Kreisoberliga Limburg-Weilburg.

Christof Babatz ist abhängig. Die Droge lässt ihn nicht los - hat ihn fest im Griff. Sorgen muss man sich um den ehemaligen Profi von Hannover 96, dem HSV und Mainz 05 aber nicht machen. Er genießt sein Rauschmittel in vollen Zügen. "Man kommt einfach nicht los vom Fußball, es ist wie eine Sucht", bekennt der mittlerweile 38-Jährige. Und so kommt es, dass Bum Bum Babatz, wie er zu aktiven Zeiten wegen seines harten Schusses genannt wurde, auch über drei Jahre nach seinem Karriereende Woche für Woche die Fußballschuhe schnürt.

Dabei ist sich Babatz nicht zu schade, mit der SG Kirberg/Ohren in der Kreisoberliga, wo er zusammen mit seinem Mainzer Ex-Kollegen Tamas Bodog kickt, von Dorfplatz zu Dorfplatz zu tingeln. Ganz im Gegenteil: "Es ist einfach schön, auf kleinen Plätzen zu spielen und auch mal wieder kalt duschen zu müssen. Es ist auch schön nach dem Spiel, wenn man gewonnen oder verloren hat, ein Bierchen mit der Mannschaft zu trinken." Das klingt nach echtem, ehrlichem Amateurfußball, oder wie Babatz es beschreibt: "Zurück zu den Wurzeln eben."

Die ganze Jugend am Fußballplatz

Babatz kam schon in jüngsten Jahren mit Fußball in Kontakt. Seine Eltern gehörte die Vereinsgaststätte des TSV Schulenburg in der Nähe seiner Geburtsstadt Hannover. "Man kann also sagen, dass ich meine ganze Jugend am Sportplatz verbracht habe", erinnert er sich.

1992 wurde der damalige Zweitligist Hannover 96 auf den begabten 18 Jährigen aufmerksam. Zunächst für die A-Jugend geholt, debütierte Babatz noch in derselben Saison im Zweitliga-Team. Fünf Jahre später wechselte er zum HSV, wo er jedoch nie richtig Fuß fasste. In drei Spielzeiten brachte Babatz es lediglich auf 26 Erstliga-Einsätze. An diese Zeit denkt er heute mit gemischten Gefühlen zurück: "Manchmal denke ich, wenn ich mich in Hamburg etwas mehr reingehängt und ein wenig mehr Gas gegeben hätte, wäre ich vielleicht länger beim HSV geblieben."

Vom Kulturschock zum Karriere-Highlight

Hätte, wenn und aber: Der Weg führte Babatz 2000 zurück in die zweite Liga zu Mainz 05. Ein Schritt, der sich als Glücksfall und Wendepunkt in seiner ins Stocken geratenen Karriere herausstellen sollte. Auch wenn es zunächst Anlaufschwierigkeiten gab: "Es war ein absoluter Kulturschock, zumal ich aus der Weltstadt Hannover über die überragende Stadt Hamburg nach Mainz gekommen bin." Beim Begriff "Weltstadt Hannover" mag aber selbst dem ein oder anderen Mainzer ein Schmunzeln über die Lippen huschen.

Doch Babatz fand in der rheinhessischen Metropole schnell sein sportliches und privates Zuhause. Dort reifte er endgültig zum Erstligaspieler, wenn auch auf hochdramatischen Umwegen. Unter Trainer Jürgen Klopp schaften die Mainzer den Wandel vom Kellerkind in Liga zwei zur Bundesligamannschaft. Doch der Weg dorthin zerrte mächtig an den Nerven von Mannschaft, Verantwortlichen und Fans. Eine Zeit, die Babatz rückblickend als sein Karriere-Highlight bezeichnet. "Diese ganze Dramaturgie: Erst nicht abzusteigen, obwohl wir praktisch schon abgestiegen waren. Und dann die dramatischen Nichtaufstiege und der ersehnte Aufstieg in die Bundesliga."

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Frust-Bier und Tränen der Enttäuschung

2002 fehlte den 05ern ein Punkt zum Aufstieg, 2003 war es nur ein Tor. Unvergessen dabei die Bilder aus Braunschweig: Babatz und Co. hatten ihr Spiel bei der heimischen Eintracht schon mit 4:1 gewonnen und warteten eng umschlungen auf den Schlusspfiff bei Aufstiegskonkurrent Eintracht Frankfurt. Dann der Niederschlag: Frankfurt traf in der vierten Minute der Nachspielzeit zum 6:3 gegen Reutlingen und schnappte Mainz in letzter Sekunde den Aufstieg vor der Nase weg.

"Ich war am Boden zerstört und habe geweint vor Enttäuschung", erinnert sich Babatz an den wohl bittersten Moment seiner Karriere. "Da bist du in die Kabine gekommen und alles stand schon bereit. Die großen Biere waren voll, der Sekt schon geöffnet. Es war alles angerichtet zum Feiern. Und dann bekommst du wieder so einen Nackenschlag." Die Biere hätten sie trotzdem getrunken.

Der Publikumsliebling schreibt Geschichte

Ein Jahr später dann die Erlösung. Wieder musste Babatz bis zum letzten Spieltag zittern, doch diesmal gab es ein Happy End. "Unser Spiel war schon wieder fertig und in Karlsruhe wurde noch gespielt und wir mussten wieder warten. Aber dann sind wirklich alle Dämme gebrochen." Babatz war es dann auch, der das erste Bundesligator in der Geschichte von Mainz 05 schoss. Damals war ihm das gar nicht bewusst, doch heute freut er sich, wenn er darauf angesprochen wird: "Das ist schon toll, in den Geschichtsbüchern zu stehen." Babatz war längst zum Publikumsliebling avanciert. Eine Auszeichnung, die ihm viel bedeutet hat: "Es ist die direkte Anerkennung deiner Leistung. Wenn ich heute ins Stadion gehe, und da gibt es Freistoß 30 Meter vor dem Tor, dann wird immer noch mein Name gerufen. Das ist schon sehr schön."

Und Babatz weiß genau, wem er es zu verdanken hat, dass ihm diese Ehre überhaupt zuteil wurde: "Jürgen Klopp hat aus uns in Anführungsstrichen Zweitligaspielern allesamt Erstligaspieler gemacht. Er hat es schon damals sehr gut verstanden, mit der Viererkette zu arbeiten, wie es heute fast überall üblich ist. In der Abwehr, aber auch im Mittelfeld. Da waren wir zeitweise federführend, da wir das aus dem Effeff beherrscht haben." Daher ist Babatz von Klopps Titel-Hamsterei mit Dortmund nicht wirklich überrascht: "Er war ja mit uns schon sehr erfolgreich und das hat sich beim BVB nahtlos fortgesetzt. Wenn man sieht, was er dort aufgebaut hat, kann man nur sagen 'Chapeau'."

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Persona non grata bei Waldhof Mannheim

2006 machte Babatz sein letztes Spiel für die 05er und ging dann zur TuS Koblenz und zu Waldhof Mannheim, um seine Karriere ausklingen zu lassen. Als Kapitän führte er Mannheim 2008 in die Regionalliga, doch während der darauffolgenden Saison kam es unter der Führung von Babatz zu einem Spielerstreik, weil Gehälter mehrere Monate nicht gezahlt worden seien. Bei der Vereinsführung machte ihn das zur Persona non grata. "Das war eine ganz blöde Situation. Was mir danach angedichtet wurde vom damaligen Präsidenten, war nicht schön", so Babatz. "Ich weiß nicht, ob ich heute nochmal so handeln würde, aber damals habe ich es für das Wohl der Mannschaft gemacht. Da waren Jungs, die von dem Geld leben mussten." 2009 wurde sein Vertrag aufgelöst.

Doch der Groll ist längst verflogen. Heute genießt Babatz sein Dasein als Amateurfußballer in vollen Zügen. Gerne erzählt er den Mitspielern in der Kabine ein paar Anekdoten von früher. "Die bekommen immer ganz große Augen und große Ohren. Das finden sie klasse. Wenn ich dann mal Tipps im Training oder im Spiel gebe, versuchen die dann schon, das umzusetzen." Ob er ihnen  auch verrät, wie man "Bum Bum Babatz" wird? Die Erklärung gegenüber FUSSBALL.DE klingt jedenfalls reichlich desillusionierend: "Ich habe weder 150 Kilo nur mit dem rechten Bein gestemmt, noch habe ich das gezielt trainiert. Das ist von Mutter Natur so gegeben."

"Eintracht kommt in den Schrank, jetzt gibt's Mainz 05"

Sein Amt als Spielertrainer, das er in der letzten Saison noch inne hatte, hat er aus Zeitgründen niederlegen müssen. Denn seit Sommer organisiert er mit anderen Mainzer Ex-Profis wie Dimo Wache oder Mark Schierenberg Fußballcamps für Kinder und Jugendliche. Eine Aufgabe, die  ihm Spaß macht: "Das will ich auf jeden Fall weitermachen."

Und das Engagement trägt bereits erste Früchte: "Vor kurzem waren wir in Groß-Gerau, da kamen auch ein paar Kids im Eintracht-Frankfurt-Outfit. Nach den drei Tagen war dann aber klar: Eintracht kommt in den Schrank, jetzt gibt’s Mainz 05", sagt Babatz.

Quelle: FUSSBALL.DE

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