06.02.2012, 10:10 Uhr
Toni Kroos hat beim FC Bayern in der Rückrunde noch nicht zu seiner Form gefunden. (Quelle: imago)
Der Auftakt in die Rückrunde ist dem FC Bayern München gründlich misslungen. Erst die 1:3-Auftaktpleite gegen Gladbach, nun das Unentschieden beim HSV und der damit verbundene Verlust der Tabellenführung. "Das war kein guter Start in die Rückrunde. Aus drei Punkten Vorsprung wurden zwei Punkte Rückstand, das sagt alles. Wir sind unter Druck", analysiert Sportdirektor Christian Nerlinger die Situation. "So reicht es nicht für die Spitze", ergänzt Superstar Arjen Robben.
Fakt ist, dass die Bayern weit von ihrer Form der Hinrunde entfernt sind. Es hakt an allen Ecken und Enden. Gründe für den holprigen Start des Rekordmeisters gibt es gleich mehrere.
In der Hinrunde zeigte der ehemalige Leverkusener überragende Leistungen auf der Zehn. Seit drei Spielen muss er aber ständig die Position wechseln. Gegen Gladbach kam er über links, gegen Wolfsburg und den HSV musste er auf der Sechs ran. "Für mich ist die Position eins davor besser, da fühle ich mich wohler", sagt der 22-Jährige. Auch sein Trainer Jupp Heynckes weiß das: "Tonis Qualitäten kommen in der offensiven Rolle besser zum Tragen." Selbst Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry machten sich zuletzt für Kroos auf der Zehn stark. Dies hätte allerdings zur Folge, dass Heynckes aus dem derzeitigen Offensiv-Trio Robben, Ribéry und Thomas Müller einen Star auf die Bank setzen müsste. Weiterer Ärger wäre quasi vorprogrammiert.
Wenn man die beiden Außen Robben und Ribéry konsequent gut doppelt, dann fällt dem FC Bayern nicht mehr viel ein. Das hat inzwischen auch die letzte Bundesliga-Mannschaft begriffen. "Um den Sechzehner herum fehlt die Idee, der entscheidende Pass", sagt Philipp Lahm. "Wir bleiben da entweder mit dem Dribbling hängen oder bekommen den letzten Pass nicht hin", weiß auch Kroos. Ribéry und Robben ziehen meistens nach innen. Bei den daraus folgenden Fernschüssen muss der gegnerische Torhüter nur auf dem Posten sein. Auf Abwechslung über die Außenbahnen wartet der Münchner Anhang vergeblich.
Gerade einmal zehn Gegentreffer kassierte der FCB in der kompletten Hinrunde, in den ersten drei Spieltagen der Rückrunde sind es derer bereits vier. Ob Jerome Boateng oder Rafinha, beide sind nicht die erhoffe Bank. Zu viel Licht und Schatten prägen beispielsweise das Spiel von Boateng. Sowohl rechts als auch in der Innenverteidigung begeht er unnötige Fouls und Stellungsfehler. Gleiches gilt für den Brasilianer Rafinha. Er scheint in der Bayern-Welt noch nicht final angekommen zu sein. In Hamburg musste wegen Rafinhas Sperre nun sogar Anatoli Timoschtschuk rechts hinten ran, der ebenfalls nicht überzeugen konnte. Hinzu kommt Keeper Manuel Neuer, der die Unhaltbaren derzeit auch nicht mehr hält.
Einen "Schnellschuss" wollten die Münchner, allen voran Coach Heynckes, um jeden Preis vermeiden. Doch nun scheinen die Bayern die Quittung dafür zu bekommen. Die Personaldecke ist dünn. Der Mittelfußbruch von Daniel van Buyten verschärfte die Situation zusätzlich. "Es ist ein großes Problem für uns, wenn zwei, drei Spieler verletzt sind. Wir haben ein Problem auf der Bank, wir haben einfach keine gute zweite Mannschaft", klagte Ribéry unlängst. Die in den Medien immer wieder diskutierte Verpflichtung eines Defensiv-Akteurs hätte dem Rekordmeister in der derzeitigen Situation sicher gut zu Gesicht gestanden.
Quelle: FUSSBALL.DE
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