26.09.2010, 11:23 Uhr | sid
Funkel als Spieler und als Trainer. (Foto: FUSSBALL.DE)
Friedhelm Funkel ist der personifizierte Dauerbrenner im deutschen Fußball. Er hat das spektakuläre 7:3 mit Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden erlebt, stieg siebenmal in die Bundesliga auf, war DFB-Pokal-Sieger 1985 und übertrifft nun sogar Urgestein Otto Rehhagel. Zu einem großen Titel hat es für Funkel dennoch nie gereicht. Am Abend überholte der Trainer beim Zweitliga-Duell seines Klubs VfL Bochum bei Fortuna Düsseldorf "König Otto" und ist nun alleiniger Rekordhalter. Es war sein 1080. Spiel als Trainer oder Spieler im deutschen Profifußball.
"Ich hatte nicht im Entferntesten darüber nachgedacht, irgendwann einmal 1000 Spiele im bezahlten Fußball zu machen. Das wäre früher ein Traum gewesen, inzwischen ist es Realität", sagt Funkel. "Lange wusste ich gar nicht, dass ich Otto erreichen kann. Dies ist ein schönes Beiwerk zu den ganzen tollen Stunden, die ich in all den Jahren erlebt habe." Die schönste Stunde als Trainer, das überrascht kaum, war einer seiner Aufstiege. 17. Mai 1992, Millerntor, FC St. Pauli gegen Bayer Uerdingen. "Wir durften nicht verlieren, sonst wäre Oldenburg aufgestiegen. Wir hätten damals im Leben kein Tor geschossen, die letzten fünf Minuten fühlten sich an wie fünf Wochen. Nach dem 0:0 war Riesenparty im Bus", erinnert sich der 56-Jährige.
Lebhaft entsinnt sich der jetzige Fußball-Lehrer auch an seine größte Stunde als Spieler. "Das war das Ding gegen Dynamo Dresden im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger. Wir lagen 1:3 hinten, hatten das Hinspiel 0:2 verloren - dann waren wir wie im Rausch und gewannen noch 7:3. Ein unglaubliches Spiel", sagt Funkel. Gefeiert wurde auch zünftig: "Alles war in Bier gebadet. "Funkel ist ein Pedant, der sich an sagenhaft viele Details erinnert. Zum Beispiel auch an sein erstes Profispiel. "Eine Niederlage mit Uerdingen an der Hafenstraße in Essen, 1:2, zweimal Hrubesch. Gegentor: Funkel."
Die Frage, was sich im Profigeschäft in den vergangenen 36 Jahren verändert habe, beantwortet er sofort und ganz knapp. "Alles." Dementsprechend kann er wenig mit der heutigen Generation anfangen, die eine Rundumversorgung genießt und manchmal den Hintern nachgetragen bekommt. "Wir haben früher mit Zerrungen immer gespielt. Wenn solche Kleinigkeiten überhaupt festgestellt wurden. Wir hatten einen einzigen Masseur, der konnte ein bisschen die Beine streicheln, mehr nicht", sagt der gebürtige Neusser. Dennoch: Ein Ende von Funkels Trainerkarriere ist nicht in Sicht, obwohl es nicht so recht läuft in Bochum.
Es ist das Schicksal des Friedhelm Funkel, aber auch seine große Stärke, mit kleinen Vereinen mittlere Ziele zu erreichen. Kein Länderspiel hat er, war nie Nationaltrainer, nie deutscher Meister. Rostock und Köln, Uerdingen und Duisburg, Frankfurt und Bochum. Der FC Bayern hat sich nie gemeldet. "Der Fußball hat mir alles gegeben", ist Funkel trotzdem dankbar. Er kann sich auch vorstellen, auf der Trainerbank alt zu werden - wie Otto Rehhagel. "Warum nicht? Ich bin gesund und hätte auch gar kein Problem damit, irgendwann zu sagen: Ich höre jetzt auf und trainiere wieder den VfR Neuss." Es wäre eine doppelte Rückkehr - in seine Geburtsstadt und zu seiner ersten Trainerstation.
Quelle: sid
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