16.11.2011, 07:53 Uhr
Besser geht es nicht: Miroslav Klose beim Torjubel gegen die Niederlande (Quelle: dapd)
Aus Hamburg berichten Jörg Runde und Patrick Brandenburg
Eigentlich war schon alles erzählt. Per Mertesacker hatte in den Katakomben der Hamburger Fußball-Arena den Reportern von einer "überragenden Teamleistung" vorgeschwärmt, Lukas Podolski sprach von "Spaß am Spiel" und Mesut Özil fand die Mischung im DFB-Team einfach "genial". Ob Presse oder TV, alle Medien waren bedient. Und trotzdem verließ fast keiner der Journalisten die Interview-Zone. Ohne Zitat vom Matchwinner wollten die Medienvertreter einfach nicht gehen. Und dann kam Miroslav Klose doch noch.
Leicht angeschlagen hatte sich der 33-Jährige nach seiner Gala beim 3:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande von den Physiotherapeuten behandeln lassen und deshalb seine eigentlich geplante Teilnahme an der Pressekonferenz absagen müssen. Und so wurde eben kurzerhand in einer kleinen Fragerunde improvisiert. Klose sprach davon, dass man im DFB-Team immer den besten Fußball zeigen wolle, das habe eben an diesem Abend gut geklappt. Und Klose fand, "die Tore sehr schön herausgespielt". Ein paar lobende Worte noch für Bundesliga-Toptorjäger Mario Gomez - seinen Konkurrenten im Kampf um den Platz im Sturmzentrum weiß Klose nach seiner Gala weiter hinter sich - und schon ging es ab in Richtung Mannschaftsbus.
Die Nationalmannschaft feiert einen eindrucksvollen Prestigesieg gegen den Erzrivalen. Alle Tore in der Zusammenfassung. zum Video
Typisch Klose. So quirlig und selbstbewusst sich der Angreifer auf dem Platz präsentiert, so zurückhaltend und wortkarg tritt er daneben auf. Auch nach einer überragenden Leistung in seinem 113. Länderspiel mit einem Traumtor per Kopf (26.) und zwei ebenso schönen Vorlagen zu den Treffern von Thomas Müller (15.) und Mesut Özil (66.) verliert Klose kein Wort über sein Klassespiel. Werbung in eigener Sache ist ihm fremd.
Warum auch? Ist doch viel schöner, wenn die Kollegen und der Bundestrainer schwärmen. "Klose ist spielerisch stark, schnell und torgefährlich. Er ist einfach in einer überragenden Verfassung", lobte Jogi Löw. Thomas Müller, der an Kloses Stelle die Pressekonferenz besuchte, stellte einmal mehr den Stellenwert des ehemaligen Teamkollegen beim FC Bayern hervor: "Dass wir ihn als Kombinationsspieler gern im Team haben, ist nichts Neues." Überraschend sei jedoch, so Müller weiter, wie stark er sich bei seinem neuen Klub präsentiere. "Dass er bei Lazio Rom so einschlägt, war nicht selbstverständlich."
Nach einer verkorksten Saison beim FC Bayern mit nur einem Bundesliga-Saisontor zweifelten nicht wenige an Klose Tauglichkeit für den Ligabetrieb in Italien. Bereits nach wenigen Monaten liegen ihm in der italienischen Hauptstadt die Lazio-Fans zu Füßen. Mal wollen sie ihn zum Papst machen, dann sehen sie in Klose einen Außerirdischen vom Mars. Acht Tore in 13 Partien hat Klose bereits für sein neues Team erzielt. In Italien ist das eine Spitzenquote.
Ähnlich wie für Bundestrainer Löw sind die nackten Zahlen für Lazio-Coach Edy Reja aber nur Nebensache. Dem 66-Jährige imponiert vor allem, wie sich Klose für sein Team einsetzt und opfert. Auch deshalb bezeichnete Reja Klose unlängst als den "besten Spieler", den er jemals trainiert habe.
Noch fünf Treffer fehlen Klose (63 Tore), dann ist er im Trikot mit dem Adler auf der Brust der Beste Knipser aller Zeiten. Dann hat er den Länderspiel-Torrekord von Gerd Müller (68 Tore) eingestellt. Dass er diese Marke knackt, wird immer wahrscheinlicher. Zumal Klose auch nach der EM 2012 noch nicht ans Karrierende denken mag. Sein Vertrag bei Lazio, so betont er immer wieder, laufe bis 2014, dem Jahr der WM in Brasilien. Diese Ziel reizt ihn, dort will Klose Geschichte schreiben. Zwei Tore fehlen ihm, um eine weitere Bestmarke zu brechen: Den WM-Rekord von Brasiliens Ronaldo (15 Tore).
Quelle: FUSSBALL.DE
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