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Deutschlands schrägster Sportplatz

30.10.2012, 16:55 Uhr | FUSSBALL.DE

Nicht gerade einfach zu spielen: der Fußballplatz der SG Kleinolbersdorf-Altenhain aus Chemnitz. (Quelle: dfb.de)

Nicht gerade einfach zu spielen: der Fußballplatz der SG Kleinolbersdorf-Altenhain aus Chemnitz. (Quelle: dfb.de)

Von Jochen Breideband

Pisa hat seinen Turm. Knapp vier Grad Neigungswinkel. Hunderte von Jahren alt. Eine weltweit bekannte Sehenswürdigkeit, obwohl es nicht mal der schiefste Turm der Welt ist. Kleinolbersdorf-Altenhain hat seinen Sportplatz. Genauer Neigungswinkel unbekannt. Ziemlich schräg auf jeden Fall. Nicht mal 100 Jahre alt. Ein Kuriosum ohne internationalen Bekanntheitsgrad, aber auf jeden Fall etwas Besonderes: Es ist der schiefste Sportplatz Deutschlands.

Wer zum ersten Mal den kleinen Hang von der Sportlerklause hinaufschreitet und sich dorthin stellt, wo sonst die Auslinie verläuft, muss unweigerlich den Kopf zur Seite neigen. Der Rasen fällt nicht nur von Tor zu Tor ab, sondern auch an der Querseite. Von der Ecke rechts unten bis zur Ecke links oben, also über die gesamte Diagonale, sind es 6,70 Meter Höhenunterschied. Das haben sie bei der SG Kleinolbersdorf-Altenhain mal nachgemessen und auf der Homepage vermerkt.

Stolz auf schiefen Platz

Die Fußballer aus dem Stadtteil von Chemnitz sind stolz auf ihren schiefen Platz – wahrscheinlich auch, weil sie seit einigen Jahren nicht mehr regelmäßig darauf spielen müssen. An Interesse von außerhalb und an Medienpräsenz ist der sächsische Kreisligist gewöhnt. RTL hat hier schon einen Beitrag gedreht, auch der MDR und das DSF, als der Sender noch nicht Sport1 hieß. Das DSF-Team ließ damals den Ball von alleine den Platz herunterrollen. So war es jedenfalls im Fernsehen zu sehen. Tatsächlich funktioniert das nicht, weil trotz der Neigung das Gras den Ball stoppt.

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Die Zeitschrift 11FREUNDE hat den Sportplatz in Kleinolbersdorf-Altenhain in die Liste der 99 Orte aufgenommen, an denen ein Fußballfan in seinem Leben mal gewesen sein sollte. "Wir freuen uns immer, wenn wir mal im Fokus stehen", sagt der Vereinsvorsitzende Reinald Gechert.

"Da kann das Wasser gut ablaufen"

Gechert sitzt auf einer Bank vor der Gaststätte am Sportplatz. Früher war hier eine Baracke, in der im Zweiten Weltkrieg französische Kriegsgefangene untergebracht waren. Heute sind hier die Sportlerklause und die Umkleidekabinen. Gechert nimmt einen Schluck vom frisch gezapften Pils. Neben ihm sein Sohn Sebastian.

Gegenüber Gastwirt Harald Müller. Seit 1991 betreibt er die Vereinskneipe, 1994 hat er sie von der Stadt gekauft. Müller hat von allen am Tisch am häufigsten auf dem berühmten Platz gespielt. 30 Jahre lang. Er ist viel gerannt in der Zeit, bergauf und bergab. Dass Heimspiele ausgefallen seien, daran kann er sich nicht erinnern. Mit einer Ausnahme: Irgendwann an einem Karfreitag ging wegen Nebels nichts mehr. Schlechtes Wetter konnte dem Rasen nie viel anhaben. "Das ist der Vorteil der Schräge", bemerkt Reinald Gechert. "Da kann das Wasser gut ablaufen."

Bei Seitenwahl gilt: in Hälfte eins nach oben spielen

Bei der Seitenwahl galt immer: in der ersten Halbzeit nach oben spielen. "Sonst haben im zweiten Durchgang die Körner gefehlt. Man musste aber aufpassen, weil einem nach unten die Bälle weggelaufen sind, zumal noch der Wind von oben kam", sagt der 59-jährige Vereinschef. Er schildert es so anschaulich, als wäre er häufig mittendrin gewesen. War er aber gar nicht. Da Reinald Gechert als Kind nicht Akkordeon spielen lernen wollte, verboten ihm seine Eltern, mit Fußball anzufangen. Irgendwann sei es dann zu spät gewesen, sagt Gechert. Nur an der Uni trat er noch ein wenig gegen den Ball, im Verein widmete er sich dem Tischtennis.

Anders sein Sohn. Sebastian Gechert, 29, ist Abteilungsleiter Fußball bei der SG. Er könnte als jüngerer Bruder von Schauspieler Jürgen Vogel durchgehen. Blonde Haare, ähnliche Augen und Mundpartie, ein breites Lachen. Seine aktive Karriere hat er vor fünf Jahren aus gesundheitlichen Gründen beendet. Er wurde Co-Trainer, "weil ich weiterhin etwas für den Verein machen wollte". Den Verein, bei dem er im Alter von zwölf Jahren mit dem Fußballspielen begonnen hatte. 2009 wurde Gechert Abteilungsleiter. Ein Jahr später stieg die erste Mannschaft in die Kreisliga auf, wo sie sich bis heute hält.

Die letzte Partie der Aufstiegssaison – die Meisterschaft stand bereits fest – bestritt die SG Kleinolbersdorf-Altenhain im Sommer 2010 auf dem schiefen Platz. Aus Spaß. Und als Reminiszenz an alte Zeiten. Es war das bislang letzte Spiel auf diesem Rasen. Wäre der schiefe Platz eine Arbeitskraft, würde man von Altersteilzeit sprechen. Bei schlechtem Wetter wird ab und zu noch auf ihm trainiert. Den Rest der Zeit genießt er den Ruhestand und freut sich über Besuch. Gelegentlich schießt noch jemand auf die beiden Torwände neben den Toren. Selbst wenn noch einmal ein Spiel auf dem Platz stattfinden sollte, wäre das kaum möglich, weil die hintere Ecke mittlerweile genutzt wird, um Schutt und Erde abzuladen.

"Wir waren nie besonders heimstark"

Einen neuen Rasenplatz hat die SG Kleinolbersdorf-Altenhain seit 2005. Gerne hätte ihn der Klub schon zum Jubiläum eingeweiht, doch der 50. Geburtstag des Klubs 2002 kam drei Jahre zu früh. Froh waren sie über den neuen Platz alle: die Gegner und die SG-Fußballer. "Auch wenn man es vermuten könnte, aber wir waren nie besonders heimstark", sagt Sebastian Gechert.

Wirklich geliebt haben sie ihren schiefen Platz nie. Der neue Platz liegt direkt hinter dem alten, nur durch einen Durchgang getrennt. Eine gerade Fläche, überdachte Bänke für die Ersatzspieler, ein Häuschen auf Höhe der Mittellinie für den Verkauf von Essen und Getränken. Dazu ein unverstellter Blick auf das rund 15 Kilometer entfernte Schloss Augustusburg, das ehemalige Jagdschloss des sächsischen Landesfürsten. Alles Dinge, die der alte Platz nie hatte. Trotzdem mögen Vater und Sohn Gechert nicht von optimalen Bedingungen sprechen. Weil beim Bau an der Drainage anscheinend nicht alles glatt lief, wächst das Gras an einigen Stellen nur spärlich. Und wer auf der einen Seite den Ball über das Fangnetz schießt, muss lange suchen – es sei denn, das dahinterliegende Feld ist gerade frisch abgeerntet. "Den Ball, den wir beim letzten Spiel der Vorsaison weggeschossen hatten, haben wir erst zu Beginn der Sommervorbereitung wiedergefunden", erzählt der Abteilungsleiter.

Quelle: FUSSBALL.DE

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 (Quelle: abc)