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Skibbe: "Caio wird in Frankfurt seinen Weg gehen"

05.02.2010, 13:22 Uhr

Das Gespräch führten Johann Schicklinski und Jörg Runde

Michael Skibbe hat viel vor mit der Eintracht. (Foto: imago)Michael Skibbe hat viel vor mit der Eintracht. (Foto: imago)Eintracht Frankfurt gehört sicherlich zu den Überraschungen der laufenden Bundesliga-Saison. Mit guten 28 Punkten stehen die Hessen auf Tabellenplatz sieben, der befürchtete Abstiegskampf wird diese Saison mit anderen Mannschaften ausgetragen. Der Aufschwung der Eintracht ist eng mit einem Namen verbunden: Michael Skibbe. Der Fußballlehrer übernahm im Sommer das Amt des Cheftrainers von Friedhelm Funkel. Seine Handschrift ist in Mannschaft und Klub gleichermaßen zu erkennen. Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht Skibbe über die Probleme im Nachwuchsbereich, seine öffentliche Kritik an der Transferpolitik und seine persönlichen Ziele in Frankfurt.

Herr Skibbe, haben Sie mit Halil Altintop Ihren Wunschstürmer bekommen?
Ja, er war einer der Kandidaten, den wir schon länger im Auge hatten. Halil gehört sicherlich zu den Stürmern in der Liga, die schon gezeigt haben, dass sie in der Bundesliga auf Topniveau spielen können. Ich bin sicher, dass er die Eintracht in Zukunft weiterbringen kann.

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Ist damit auch der Konflikt mit Manager Bruchhagen beigelegt?
Es gibt keinen Konflikt, das wird so nach außen dargestellt. Es geht aber für ihn und für mich immer nur darum, dass sich die Eintracht weiter entwickelt. Ich muss natürlich auch in der Öffentlichkeit darauf hinweisen, wenn mir Dinge auffallen in der Mannschaft, die zu verbessern sind. Wenn man eben für viele Monate auf Amanatidis und Fenin verzichten muss, dann muss man auch sagen können, wir brauchen einen Stürmer mit dieser Qualität. Nur so kann man dauerhaft den Abstiegsrängen fern bleiben und sich im Mittelfeld etablieren.

Würden Sie den Weg über die Öffentlichkeit wieder gehen?
Jederzeit wieder. Ich spreche alles intern an. Und alles, von dem ich meine, dass es in die Öffentlichkeit gehört, weil es mich als sportlich Verantwortlichen betrifft, das spreche ich auch öffentlich an.

Was muss eigentlich in einer Stadt wie Frankfurt möglich sein?
Der Verein hat ja viele Jahre der Konsolidierung hinter sich und ein, zwei Jahre vor sich. Im Moment sind viele Vereine dabei, Kosten zu senken. Wir müssen das auf unserem bescheideneren Niveau auch tun. Wir sind finanziell aber nicht so angeschlagen wie andere Vereine. Andere müssen mehr abspecken, vielleicht bekommen wir, weil wir etwas gesünder sind, doch die Chance, irgendwann oben ranzurücken.

Sehen Sie in Frankfurt überhaupt noch eine Perspektive, ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen?
Ja, deshalb habe ich bei der Eintracht einen Zweijahres-Vertrag unterschrieben, weil ich auch gerne ein langfristiges Engagement in der Bundesliga möchte. Und das strebe ich bei Eintracht Frankfurt an. Ich würde die Perspektiven für die Eintracht als gut bezeichnen. Entsprechend kann man als Trainer auch vieles verändern.

Was macht Sie so optimistisch, dass die Veränderungen greifen?
Frankfurt ist ein Verein im Wandel. Wenn man sieht, was am Riederwald für ein ultramodernes Leistungszentrum entsteht, dann muss man beeindruckt sein. Für junge Spieler ist das natürlich viel attraktiver. Sie müssen dann nicht wo anders hingehen, sondern sie können in Frankfurt Profi werden. Sie haben dann alles: eine tolle Stadt, tolle Fans und ein tolles Stadion. Das zieht.

Viele Vereine setzen in finanziell schwierigen Situationen auf den Nachwuchs. Wer steht denn bei Ihnen auf dem Sprung?
Sebastian Jung gehört sicherlich dazu. Dann ist da Marcos Alvarez, der zuletzt sogar eingewechselt wurde. Und wir haben mit Juvhel Tsoumou und Cenk Tosun zwei weitere Stürmer, die sehr begabt sind. Gemeinsam mit Mittelfeldspieler Marcel Titsch-Rivero sind dies sicherlich die unserer jungen Spieler, die sehr nah an der Mannschaft dran sind.

Wie beurteilen Sie die Eintracht generell im Nachwuchs-Bereich?
Die Nachwuchsarbeit hat auf Grund der finanziellen Schieflage vor einigen Jahren sicherlich gelitten. Die Eintracht hatte nicht die Möglichkeit, in gleicher Weise wie andere Vereine ihr Nachwuchs-Leistungszentrum aufzubauen. Das wird jetzt gemacht, aber wir sind natürlich etwas hintendran. Deshalb haben auch einige Spieler den Verein schon im Jugendbereich verlassen. Ich denke da an Kevin Pezzoni, der beim 1. FC Köln stark spielt, und natürlich an Marko Marin. Die Eintracht hat es lange Zeit nicht geschafft, die hoffnungsvollsten Spieler langfristig und somit auch für den Profibereich zu binden. Das machen wir jetzt besser.

Welchen Einfluss als Cheftrainer haben Sie auf die Arbeit der Nachwuchsabteilung?
Der Einfluss ist sehr groß. Ich stehe im ständigen Austausch mit allen Trainern. Auch mit allen Verantwortlichen im Leistungszentrum. Da ist die Verzahnung gut. Und sie ist genauso gut wie in Dortmund oder Leverkusen.

Arbeiten Sie auch an einer eigenen Spielphilosophie?
Nein, ich bin da auch ehrlich gesagt kein so großer Fan von. Gerade die Position des Cheftrainers wechselt im Profi-Bereich recht häufig. Jeder Trainer hat nun mal eine eigene Spielphilosophie, und wenn man die dann immer auch auf den Nachwuchsbereich überträgt, muss man eventuell alle zwei, drei Jahre die Philosophie im Nachwuchsbereich ändern. Das geht natürlich nicht. Ich denke viel mehr, dass es eine Vereinsphilosophie geben muss. Und man muss Spieler gemäß der Vereinsphilosophie ausbilden.   

Perspektivspieler sind wichtig. Mit Ralf Fährmann haben Sie einen im Kader. Ist er nächste Saison die Nummer eins im Tor?
Ich plane mit Ralf Fährmann dann als Nummer eins, wenn er sich durchgesetzt hat. Er hat großes Potenzial. Aber im Moment ist Oka Nikolov die Nummer eins. Und er spielt eine so konstant gute Saison, dass er erstmal im Tor bleiben wird. Ein möglicher Wechsel könnte den anderen Torhütern natürlich in die Karten spielen.

Sie haben Oka Nikolovs Wechselwunsch nach New York angesprochen. Werden Sie ihm Steine in den Weg legen?
Ja, als Trainer muss ich das tun. Ich wäre ein schlechter Trainer, wenn ich unserer Nummer eins sagen würde, ‚Superidee, geh Du nur’. Der Verein kann sagen, der Junge hat hier 19 Jahre seine Knochen hingehalten, das ist ein Supertyp, wir wollen ihm seinen Traum ermöglichen. Der Verein kann das, ich als Trainer darf das gar nicht. Sonst kann ja jeder kommen. Ich bin dafür verantwortlich, dass wir die besten Spieler im Verein halten. Erster Torwart in der Bundesliga zu sein, ist ja auch ein sehr gutes Angebot.

Als Mensch können Sie ihn aber verstehen?
Klar, wenn das sein Traum ist, dorthin zu wechseln, dann ist es verständlich und nachvollziehbar.

Spieler wie Selim Teber oder Benjamin Köhler werden in der Öffentlichkeit oft als Mitläufer beschimpft. Aber sie spielen immer. Wie fällt ihr Urteil aus?
Ich bin über weite Strecken mit Selims Leistung zufrieden. Er hat hier von Anfang an Verantwortung übernommen, direkt vom ersten Tag an. Das hat mir sehr imponiert und gut gefallen. Ähnlich wie bei Maik Franz auch. Deswegen habe ich die Spieler ja auch geholt. Selims Leistungen sind aber noch ausbaufähig.

Und Köhler?
Benjamin Köhler ist ein sehr verlässlicher Spieler, der auf jeder Position auf der linken Seite seinen Mann stehen kann. Deshalb ist er ein sehr wichtiger Spieler für uns.

Vor der Saison waren Sie zuversichtlich, Caio zum Leistungsträger zu machen. Waren Sie zu optimistisch?
Nein, ich war nicht zu optimistisch. Ihn hat etwas verfolgt, was er auch zuletzt nicht ablegen konnte. Die Medien wollen Caio als Fehleinkauf einstufen. Und da sind sich auch alle einig. Da ist es meine Aufgabe, mich vor meine Spieler zu stellen und sie zu unterstützen. Diese Unterstützung wird er weiter von mir bekommen. Er ist ein talentierter und mit 23 Jahren noch sehr junger Spieler. Aber er wird hier seinen Weg gehen.

Warum sind Sie sich so sicher?
Wenn er lernt, sein Defensivspiel zu verbessern, also gedanklich schneller umzuschalten, dann setzt er sich auch durch. Mit seinem Tempodribbling und den vielen überraschenden Aktionen nach vorne ist er ein ganz wichtiger Mann für uns.  

Nicht weit von hier liegt die DFB-Zentrale. Welcher Frankfurter Profi hat das Zeug, dort bald mal wieder für ein Länderspiel eingekleidet zu werden?
Das ist schwer zu sagen. Auf Anhieb ist in unserem Kader keiner. Die Problematik ist hier natürlich die Nachwuchsarbeit. Wenn die besten Talente uns im Jugendbereich verlassen, werden sie eben in Gladbach oder Bremen Nationalspieler. Das wollen wir zukünftig verhindern.

Sie selbst waren lange Zeit Nationaltrainer. Reizt es Sie noch einmal, als Coach einer Nationalmannschaft zu arbeiten?
Ja, in Deutschland nicht unbedingt. Aber sonst natürlich schon. Ich hatte auch immer mal wieder Anfragen. Im Moment ist es kein Thema. Ich bin hier sehr gerne Trainer.

Quelle: FUSSBALL.DE

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