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Soviel Klasse gab es im Clasico noch nie

08.12.2011, 17:19 Uhr

Weltstars unter vier Augen: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.  (Quelle: imago)

Weltstars unter vier Augen: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Clasico-Woche ist, wenn auf den Onlineseiten die Uhren schon Tage vorher rückwärts laufen. Wenn die katalanische Zeitung "Sport" die Tatsache, dass mit Messi und Xavi zwei Spieler des FC Barcelona im finalen Trio für die Wahl zum Weltfußballer des Jahres stehen, aber mit Cristiano Ronaldo nur einer von Real Madrid, in riesigen Lettern zum "ersten Sieg" erklärt. Wenn sogar die Spielerfrauen einem analytischen Vergleich unterzogen werden (fürs Protokoll: Barcelona siegt dank Shakira, der Freundin von Verteidiger Gerard Piqué).

Clasico-Woche ist auch, wenn wieder die seit Paul 2010 in Spanien äußerst beliebten Tintenfisch-Orakel bemüht werden. Pulpo Messi aus dem Sea Life Malaga hat sich für die Barcelona-Muschel entschieden. Von Pulpo Iker (Casillas) ist dagegen bislang nichts zu vernehmen; er schämt sich wohl noch dafür, dass er mit seinem Madrid-Tipp im vergangenen Champions-League-Halbfinale so grob daneben lag.

Ein Fluch für den Wettbewerb?

Am Samstag um 22 Uhr wird es angepfiffen: des Fußballs größtes Spiel. Real Madrid, FC Barcelona. Auf dem Platz stehen dann neben vielerlei alten und neuen Animositäten also die drei Finalisten der Weltfußballerwahl, ermittelt aus ursprünglich 23 Kandidaten, von denen wiederum acht bei Barca spielen und fünf bei Madrid. Diese nie dagewesene Massierung von Klasse kann im Ligaalltag ein Fluch für den Wettbewerb sein – Barca hat in dieser Saison zuhause 39:0 Tore heraus geschossen, Madrid auswärts 21:3; aber wenn es dann endlich gegeneinander geht, kann sich kein Fußball-Interessierter weltweit vor dem Spektakel verschließen.

Das Mourinho-Puzzle

Dabei ist im Dezember 2011 allerdings eine neue Ausgangslage zu beobachten. Anders als Krake Messi favorisieren die Wettanbieter diesmal Real Madrid. Das mag insofern logisch erscheinen, als die Hauptstädter zu Hause spielen. Andererseits galten sie in den letzten Jahren trotzdem stets nur als Außenseiter. Die Quoten zugunsten der Königlichen reflektieren da eher, dass in den letzten Wochen eine leichte Verschiebung stattgefunden hat. In der Tabelle, wo Madrid sechs Punkte vor Barcelona liegt, der größte Vorsprung seit der letzten Meistersaison 2007/08. Aber auch auf dem Platz: Madrid wirkt ausgereifter, variabler, fast jeder Spieler befindet sich in Bestform. Wie vom Meister selbst angekündigt ("In der zweiten Saison sind meine Mannschaften immer besser") scheint sich das das Mourinho-Puzzle zusammenzufügen.

Real mit zehn Siegen in Folge

Demgegenüber ist Barca an vielen – den meisten – Tagen nach wie vor von einmaliger Brillanz, an anderen aber etwas schlampig. Nach zwölf Titeln in gut drei Jahren kann wohl nicht einmal ein manischer Perfektionist wie Trainer Josep Guardiola einen gewissen Spannungsabfall verhindern  Hier ein Unentschieden in San Sebastian oder Bilbao, da eine unglückliche Niederlage in Getafe – hervorgerufen mal durch Fehler in der poröser gewordenen Abwehr, mal durch fahrlässige Chancenverwertung, mal durch falsche Pfiffe der Schiedsrichter. Insgesamt elf Punkte hat Barcelona liegen gelassen, zu viel, wenn man sich mit einer Ergebnismaschine "made by Jose Mourinho" duelliert. Dessen Madrid hat seit einer frühen Minikrise am vierten und fünften Spieltag – Pleite in Levante, Remis in Santander – nur gewonnen: inzwischen zehn Ligapartien am Stück.

Mourinho derzeit überraschend zahm

Alles zusammen führt dann zu der erstaunlichen Situation, dass sich am Samstag schon fast die Meisterschaft zugunsten der Madrilenen entscheiden kann. Nach Jahren des Hinterherlaufens – mal weiter weg, mal nah dran, aber nie auf Augenhöhe – bedeutetet allein diese Konstellation viel Balsam für das nicht gerade kleine Selbstbewusstsein des Rekordmeisters. Real scheint in sich zu ruhen wie lange nicht, Mourinho ist unumstritten wie nie und machte zuletzt wenig Ärger wie selten. Sogar zu einem Genesungswunsch an den wegen eines Tumors operierten Tito Vilanova ließ er sich hinreißen – das ist Barcelonas  Assistenztrainer, dem er beim letzten Duell im Supercup den Finger ins Auge gebohrt hatte.

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Khedira hat bessere Karten als Özil

Damals brachte Mourinho die Katalanen mit forschem Offensivspiel an den Rande einer Niederlage. Auch jetzt wird nicht mit einem Rückfall in die Destruktivtaktik aus der letzten Saison gerechnet, als er den robusten Verteidiger Pepe ins Mittelfeld beorderte und zum Herzstück seiner Strategie erhob. Auf den meisten Positionen hat der Coach die Qual der Wahl, so etwa in der Sturmspitze, wo er Karim Benzema und Gonzalo Higuain zuletzt abwechselnd spielen ließ, weil ihre durchgehend starken Darbietungen ihm die Entscheidung so schwer machen. Als sicher gilt der Einsatz von Sami Khedira, als weniger sicher der von Mesut Özil, der momentan eher unstete Leistungen anbietet.

Alle zusammen werden sie versuchen müssen, Lionel Messi zu stoppen. Der beste Fußballer des Planeten hat mit seinen 24 Jahren bereits 13 Tore gegen Real geschossen. Und wie es auch ausgeht am Samstag – es braucht keinen Oktopus, um vorher zu sagen, dass er die erneute Wahl zum Weltfußballer schon jetzt in der Tasche hat. 

Quelle: FUSSBALL.DE

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