
25.01.2013, 18:50 Uhr | FUSSBALL.DE
Tobias Rau galt zu seiner Zeit als einer der besten Außenverteidiger Deutschlands. (Quelle: ulmer/imago)
Von Benjamin Crisolli
Sie spielten in vollbesetzten Arenen und waren einem Millionenpublikum bekannt. Sie waren Bundesliga-Profis und zum Teil Nationalspieler. Zum Ende ihrer Karriere oder danach erinnern sich nicht wenige Stars an ihre Wurzeln: FUSSBALL.DE stellt in einer Serie ehemalige Profikicker vor, die jetzt das Bild des Amateurfußballs mitprägen. Teil 20: Tobias Rau, früher Verteidiger in Diensten des FC Bayern München und VfL Wolfsburg, heute im Sturm beim TV Neuenkirchen, 1. Kreisklasse Osnabrück Land Süd B (Niedersachsen).
Ungewöhnlich früh beendete Tobias Rau seine Karriere. 2009 kehrte er dem Profigeschäft mit nur 27 Jahren den Rücken. Der Reiz des Studiums war für den oft von Verletzungen geplagten Fußballprofi größer. Rau wollte raus aus dem Rampenlicht und rein ins Studentenleben, das er von seiner damaligen Freundin Elsa kannte. An der Universität Bielefeld schrieb er sich für Sport und Biologie auf Lehramt ein. Seitdem versucht der heute 31-Jährige ein ganz normales Leben zu führen.
Beim TV Neuenkirchen ist er einer unter vielen. "Tobias wird hier so behandelt wie jeder andere auch. Er hat keinerlei Starallüren, ist mannschaftsdienlich, total integriert und niemand hat irgendwelche Vorurteile“, berichtet Aljoscha Kollmeyer. Der 32-jährige ist seit drei Jahren Trainer des TVN und kam damit zur gleichen Zeit zum Klub, als sich auch Rau entschloss für den Dorfverein die Fußball-Stiefel zu schnüren.
"Beim TVN steht der Spaßfaktor im Vordergrund. Hier habe ich all` meine Freunde. Ich habe mich ganz bewusst für diesen kleinen Dorfverein entschieden, da ich hier einfach nicht im Mittelpunkt stehe", erklärt Rau, der allen Angeboten aus dem oberen Amateurbereich kategorisch eine Absage erteilte.
Trotzdem startete der 93-malige Bundesliga-Profi mit einigen Bedenken in das Abenteuer Amateurfußball. Schließlich sind seine Gegenspieler gegen ihn oft besonders motiviert: "Da geht es auch mal ruppiger zur Sache, aber das ist vollkommen in Ordnung. Schließlich werden auch in der Kreisklasse harte Zweikämpfe geführt."
Trash-Talk und Sprüche unter der Gürtellinie bekommt Rau von seinen Gegenspielern sonntags aber nur äußerst selten zu hören. "Ich bin jetzt seit mehr als zwei Jahren hier und meine Gegenspieler haben sich mir gegenüber nur ein bis zweimal respektlos geäußert." Dass er einst zusammen mit Michael Ballack, Claudio Pizarro und Bastian Schweinsteiger die Deutsche Meisterschaft und DFB-Pokal gewann, hängt er nicht an die große Glocke.
Tobias Rau gewann im Trikot des FC Bayern 2005 die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal.
Anders als man vielleicht vermutet, glänzt Rau in der Kreisklasse nicht als Defensivspezialist. Seine Aufgabe ist vor allem das Tore schießen. "Dass ich im Sturm spiele ist etwas, worauf ich mich ganz besonders gefreut habe", sagt der Ex-Profi, der von seinem Trainer auch mal hinter den Spitzen eingesetzt wird, weil er "den tödlichen Pass spielen und jeden Ball perfekt verarbeiten kann".
Nach dem Aufstieg in der Vorsaison aus der 2. in die 1. Kreisklasse steht der TV Neuenkirchen aktuell schon wieder auf dem zweiten Tabellenrang. Zu Hause im Stadion am Hainteich ist man noch ungeschlagen. Nach 18. Spieltagen hat Rau 25 Tore auf seinem Konto. Schon bald könnte es wieder einen Grund zum Feiern geben. "Am Anfang der Saison war unser Ziel unter die ersten Fünf zu kommen. Nach den guten Ergebnissen hoffen innerlich alle schon ein bisschen auf den erneuten Aufstieg", sagt Rau.
Zu seinen früheren Bielefelder Mannschaftskollegen Thorben Marx (Borussia Mönchengladbach) und Robert Tesche (Fortuna Düsseldorf) pflegt der siebenmalige Nationalspieler noch guten Kontakt. Großen Spaß bereitet Rau, der 2004 als einer der besten Außenverteidiger Deutschlands galt, die Traditions-Nationalmannschaft des DFB, die alle zwei Jahre beim Legends Cup teilnimmt.
Bald ist es wieder soweit. Dann spielt Rau in Moskau an der Seite von Dieter Eilts, Martin Max und Olaf Marschall erneut im Nationalmannschaftstrikot. Begleitet wird das Turnier von zahlreichen TV-Kameras. Rau, der nicht mehr so gerne im Fokus der Öffentlichkeit stehen möchte, ist dann irgendwie doch wieder im Mittelpunkt.
Quelle: FUSSBALL.DE
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