12.12.2011, 09:03 Uhr
Attacke - Molinaro (re.) holt Robben von den Beinen. (Quelle: imago)
Aus Stuttgart berichtet Thomas Tamberg
Jedem Honigkuchenpferd wäre beim Anblick von Uli Hoeneß vor Neid das Grinsen im Halse stecken geblieben. Und es fehlte wohl nicht viel und der Bayern-Präsident hätte sich beim Durchschreiten der Mixed Zone in der Mercedes-Benz-Arena zu einer Schuhplattler-Einlage hinreißen lassen. Der 59-Jährige sagte an diesem Abend lieber nichts, es hätte wohl zu euphorisch klingen können. Kurz zuvor hatte sich sein FC Bayern dank des 2:1-Erfolges beim VfB Stuttgart zum großen Sieger des 16. Spieltags gekürt.
Das Einzige, was das Bild ein wenig trübte, waren die peinlichen Pfiffe der Schwaben gegen Arjen Robben und der mögliche Ausfall von Superstar Franck Ribery in nächsten Spiel gegen den 1. FC Köln.
Bayern-Fan Elmar freut sich über den Sieg gegen Stuttgart. Das Theater um Arjen Robben kann er aber nicht nachvollziehen. zum Video
Nachdem Cristian Molinaro Robben in der 29. Minute zum zweiten Mal von hinten rüde von den Beinen geholt hatte, musste der Gastgeber in der Folgezeit mit einem Mann weniger auskommen. Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte gar keine andere Wahl, als den Stuttgarter mit Gelb-Rot vom Platz zu stellen. Die VfB-Fans werteten die Szenen allerdings als Schauspieleinlagen Robbens, pfiffen ihn bei jedem Ballkontakt gnadenlos aus und beleidigten den niederländischen Flügelflitzer fortan bei jeder Aktion auf das Übelste.
Überraschenderweise schlug auch Fredi Bobic vor dem "Sky"-Mikrophon in die gleiche Kerbe. Gräfe habe sich "reinlegen lassen", sagte Stuttgarts Sportdirektor. "Wenn die Theatralik von Robben nicht gewesen wäre, hätte es auch keine Gelbe Karte gegeben. Weltklasse-Spieler wie Robben oder auch Ribery warten ganz gerne auf eine solche Situation."
Dass beim Fußball vieles Ansichtssache ist, offenbarte das Statement von Thomas Müller. "Der Schiedsrichter hat den Stuttgartern mit der Roten Karte einen Gefallen getan“, sagte der 22-Jährige. Schließlich habe man gegen elf Stuttgarter vorher besser gespielt. Für Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger gab es indes keine Diskussion: "Die Stuttgarter waren übermotiviert in der Anfangsphase. Sie sind berechtigt dezimiert worden."
Ob in der ersten halben Stunde gegen elf Stuttgarter oder anschließend gegen zehn: der FC Bayern war an diesem Abend gegen tapfer kämpfende Gastgeber dennoch in allen Belangen überlegen. Den frühen Rückstand durch Christian Genter (6.) verwandelte Mario Gomez an seiner alten Wirkungsstätte mit zwei blitzsauberen Treffern (13./ 57.) in einen verdienten Erfolg. Mit nunmehr 15 Saisontoren hat er Klaas Jan Huntelaar (14) in der Torjägerliste von Platz eins verdrängt. "Das erste Tor von Gomez war Weltklasse. Er hat eine beeindruckende Quote", verteilte Nerlinger ein Sonderlob an den Mittelstürmer.
Wäre da nicht die Sorge um Ribery, der sich in der Partie gegen Stuttgart leicht verletzt hat. Der Franzose droht im nächsten Spiel gegen Köln auszufallen. "Schon zu Beginn des Spiels habe ich ein leichtes Ziehen rechts hinten im Gesäßbereich gespürt", sagte der Franzose nach dem Spiel. Er werde sich am Montag vom Arzt untersuchen lassen, teilte er weiter mit. "Ich befürchte, dass ich gegen Köln nicht spielen kann."
Ob mit oder ohne Ribery - die Bayern werden wohl als Spitzenreiter überwintern. Mit drei Punkten Vorsprung und einem um zehn Tore besseren Torverhältnis auf den Zweitplazierten Borussia Dortmund sollte am 17. Spieltag nichts mehr anbrennen. Dabei profitierten die Münchner von der Gladbacher 0:1-Pleite beim FC Augsburg und vom 1:1 des BVB gegen den 1. FC Kaiserslautern "Kurz vor dem Spiel haben wir das Endergebnis von Dortmund gehört, das hat uns zusätzlich motiviert", sagte Gomez.
Überhaupt scheinen die Bayern ihre kurze Schwächephase überwunden zu haben und konnten nach dem überzeugenden Auftritt gegen Bremen (4:1) erneut spielerisch überzeugen. Auch ohne Bastian Schweinsteiger. Dafür kommt Robben immer besser in Schwung. Gegen Stuttgart zeigte er sein bestes Spiel seit seiner Rückkehr. "Ich habe mich gut gefühlt, hatte keine Schmerzen."
Philipp Lahm blickte daher wieder sehr optimistisch in die Zukunft. "Es ist schön, dass wir im Winter ganz oben stehen. Jetzt wollen wir Köln schlagen, im Pokal weiterkommen - dann haben wir schöne Weihnachten", sagte der Kapitän. Das dürfte auch Uli Hoeneß freuen.
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Quelle: FUSSBALL.DE , sid
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