23.01.2012, 06:59 Uhr
Der deutsche Nationalspieler Thomas Müller war so richtig bedient, als er den völlig verkorksten Rückrundenstart des FC Bayern in Worte fasste. "Wir sind extrem beschissen gestartet, zwischendrin war's okay, dann war's wieder beschissen, dann war's wieder bemüht, und dann war's nochmal beschissen", sagte der 22-Jährige über die hochverdiente 1:3 (0:2)-Niederlage des Rekordmeisters bei Verfolger Borussia Mönchengladbach. Tabellenführer sind sie noch - und trotzdem fühlen sich die Münchner "beschissen" (nochmal Müller). "Wir sind noch nicht da, wo wir sein müssen", musste auch Superstar Arjen Robben selbstkritisch eingestehen.
Die große Euphorie der vermeintlich besten Vorbereitung im sonnigen Doha war da längst der Ernüchterung des grauen Liga-Alltags gewichen. Ohne Tempo und Ideen, dafür mit vielen Ballverlusten - der Motor des Favoriten stockte zum Start der Jagd nach dem Triple gewaltig. "Wir haben gesehen, dass wir noch etwas tun müssen. Wir müssen den Schalter schnell umlegen. Uns sind einfach zu viele Fehler im Aufbauspiel unterlaufen", sagte Bastian Schweinsteiger. Der Nationalspieler gab nach überstandenem Schlüsselbeinbruch und elf Wochen Pause ein durchwachsenes Comeback, erzielte immerhin den Ehrentreffer.
Sich bei der Aufbereitung auf den groben Patzer von Nationaltorwart Manuel Neuer zu beschränken, wäre wohl zu einfach. Zwar kritisierte Trainer Jupp Heynckes den 25-Jährigen für sein zu hohes Tempo und seine fehlende Ruhe. Doch er bemängelte auch das Zweikampfverhalten und die Durchschlagskraft seines Teams. Die Mannschaft hat nicht zum ersten Mal in dieser Saison gezeigt, dass sie gegen defensiv- und konterstarke Gegner anfällig ist. So erinnerte die Partie an die schlechten Phasen der Ära Louis van Gaal, als die Ballkontrolle zwar extrem betont, die offensive Kreativität aber verloren ging.
"Wir sind noch nicht, wo wir sein müssen", betont auch Arjen Robben. Daher dürften die wiedererstarkten Wolfsburger am kommenden Wochenende keine leichte Beute sein. Mit von der Partie ist dann wieder Franck Ribery. "Er hat im Trainingslager eine starke Vorbereitung gespielt und kann uns helfen", sagt Heynckes über den in Mönchengladbach noch gesperrten Franzosen. Verzichten muss er dagegen auf einen der besten Bayern-Profis der Saison. Daniel van Buyten wird nach seinem Mittelfußbruch voraussichtlich zwei Monate fehlen.
Personelle Nachbesserungen sind laut Sportdirektor Christian Nerlinger aber nicht geplant: "Wir haben mit Jerome Boateng einen Spieler, der in erster Linie für diese Position verpflichtet worden ist." Zudem könnten die defensiven Mittelfeldspieler Anatoli Timoschtschuk und Luis Gustavo auf der ungeliebten Innenverteidigerposition aushelfen.
Doch auch ohne den Ausfall von van Buyten dürften sich Heynckes viele Fragen stellen. So hat er gegen Wolfsburg das Luxusproblem, im offensiven Mittelfeld zwischen Franck Ribéry, Arjen Robben, Toni Kroos und Thomas Müller entscheiden zu müssen. Für einen von ihnen ist kein Platz im Team. Kroos nahm gegen Mönchengladbach die Position von Ribery auf dem linken Flügel ein. Dafür rückte Müller ins Zentrum, wo sich Kroos eigentlich wohler fühlt. Vieles deutet daraufhin, dass es Müller treffen wird, der zuletzt nicht immer überzeugen konnte.
Für Kroos ist dieses Thema vorerst aber zweitrangig. Für ihn zählt nur, dass "wir nächste Woche eine Reaktion zeigen und unser Heimspiel gewinnen." Nerlinger ahnt bereits, dass die Zeit bis dahin nicht einfach wird: "Ich kann mich genau an die Debatten erinnern, die nach dem ersten Spieltag (0:1 gegen Mönchengladbach) der Vorrunde losgegangen sind. Da wurde auch jegliche Sau durchs Dorf getrieben - das wird jetzt wieder passieren."
Quelle: dapd , dpa
Michael Sziedat geht mit Preetz hart ins Gericht.
mehr zu Hertha BSCAmateurtor der Woche: Wähle aus drei Treffern!
zum Voting-VideoDer Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".
zum VideoDer Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".
zum Video