19.05.2010, 14:18 Uhr
Corny Littmann ist als Präsident des FC St. Pauli überraschend zurückgetreten. "Zu diesem Schritt hat mir keiner geraten, geschweige denn hat mich einer dazu gedrängt. Ich habe diese Entscheidung ganz alleine getroffen", sagte der 57 Jahre alte Hamburger Theaterchef zehn Tage nach dem Aufstieg in die Bundesliga. Littmann sieht seine Mission beim Kiez-Klub erfüllt. Er will dem FC St. Pauli jedoch als Geschäftsführer der Service GmbH erhalten bleiben. Littmann hatte das Präsidenten-Amt im Dezember 2002 übernommen und war bis November 2011 gewählt.
Tags zuvor hatte Littmann noch alle Rücktrittsgerüchte zurückgewiesen und gesagt: "Ich trete nicht zurück. Ich bin rundum glücklich. Es gibt keine Überlegung, meine Amtszeit vorzeitig zu beenden."Der Rücktritt Littmanns kommt auch für Vereinsmitglieder überraschend. So sagte Geschäftsführer Michael Meeske noch am Vorabend: "Unsere Leute aus dem operativen Geschäft wissen von nichts". Auch Vize-Präsident Stefan Orth ging davon aus, "dass Corny auch weiterhin unser Präsident ist."
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Auf der Pressekonferenz nun verlas der 57-Jährige mit stockendem Atem eine lange Erklärung, Fragen waren nicht zugelassen. Kernpunkt der Aussagen: Littmann sieht seine Mission als Protagonist beim Hamburger Stadtteil-Klub als erfüllt an. "100 Jahre FC St. Pauli, die neue Haupttribüne fertig zur neuen Saison, wirtschaftlich mehr als gesundet und dann noch der Aufstieg in die 1. Bundesliga - mehr auf einmal geht nicht!", sagte Littmann und trat ab.
Für die versammelten Journalisten ließ Littmann eine Zwölf-Liter-Flasche Champagner in den Ballsaal der Stadion-Südtribüne schieben und sagte: "Ich bin ja bekannt dafür, gegen die Satzung zu verstoßen. Alkohol auf einer Pressekonferenz geht gar nicht. Heute schon."
Littmann gilt als einer der Architekten des neuen FC St. Pauli. Als er den Verein im Dezember 2002 zunächst kommissarisch übernahm, war der gebeutelte Klub schon auf Talfahrt in die Regionalliga. Unvergessen Littmanns Retter-Aktion, als mit großangelegtem T-Shirt-Verkauf und attraktiven Benefizspielen zugunsten des vor dem finanziellen Ruin stehenden Vereins ein Gesundungsprozess angeschoben wurde. Unter dem bekennenden Schwulen Littmann schaffte der "etwas andere Verein" mit dem Totenkopf-Image den Marsch von der Drittklassigkeit in die Bundesliga.
"Man muss dankbar sein, dass so ein Mensch den Verein siebeneinhalb Jahre als Präsident geführt und ihn wie Phönix aus der Asche geholt hat", sagte Sportchef Helmut Schulte. "Ich bin sehr, sehr traurig aber auch dankbar." Einige von Littmanns Wegbegleitern hatten Tränen in den Augen.
So ganz loslassen kann der Macher Littmann jedoch nicht. Als Geschäftsführer der Service GmbH will er dem Verein erhalten bleiben. "Ich verlasse zwar die Brücke, aber nicht das Schiff." Bis zur nächsten Wahl im November dieses Jahres teilen sich die Vizepräsidenten Stefan Orth, Marcus Schulz, Bernd-Georg Spies und Gernot Stenger die Führungsaufgaben.
Quelle: FUSSBALL.DE , dpa
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