01.12.2011, 12:29 Uhr | flvw.de
Die Talkrunde (von links) mit Hans-Joachim Watzke, Dagmar Freitag, Moderator Thorsten Wagner, Christoph Plass und Hermann Korfmacher (Foto: Dietmar Wäsche)
Das derzeit beherrschende und noch kontrovers geführte Diskussionsthema im gesamten Verbandsgebiet ist die Kreisstrukturreform. Auch beim ersten Kaminabend des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) kam das Thema zur Sprache.
Für FLVW-Präsident Hermann Korfmacher, zugleich Gastgeber, war es eine der notwendigen Reaktionen auf die demografische Entwicklung in unserer Gesellschaft. Und genau um diesen gesellschaftlichen Wandel ging es bei dem Prominenten-Talk in der Rotunde im SportCentrum Kamen-Kaiserau. Eingeladen dazu waren Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, Dagmar Freitag, Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses und Christoph Plass, Vorstand der Unity AG (Managementberatung).
Tenor in der Talkrunde, moderiert von Thorsten Wagner, Chefredakteur von Radio Lippe: Die Auswirkungen des demografischen Wandels stellen unsere Gesellschaft vor neue Aufgaben. Die nüchterne Erkenntnis bisher: Endgültige Lösungen, Antworten darauf fehlen noch. "Wir werden vor nackte Tatsachen gestellt", räumte Dagmar Freitag ein, "auch der Sport", und verwies auf die Bildungspolitik, wo Schule und Ganztag mittlerweile den Alltag beherrschen, jedoch mit den Vereinen kollidieren. "Schule bis 16, 17 Uhr, wer hat da anschließend noch Lust im Verein zu trainieren?", ihre Frage. Sie kennt dieses Problem. Achselzucken, eine Antwort weiß sie allerdings nicht. Die Politik könne ihrer Meinung nach da nur Rahmenbedingungen schaffen, wo dann die Vereine zugreifen müssen. Auf keinen Fall wolle man aber amerikanische Verhältnisse, wo der Sport in die Schule, in das College verlagert werde. Sport und Schule kämpfen um ihren angestammten Platz in der Gesellschaft. "Verlieren sie, wäre das der Verlust eines Kulturgutes. Wir stehen vor einer echten Situation und sind nicht darauf vorbereitet". Verabschieden müsse man sich ihrer Meinung nach angesichts leerer Kassen auch vom Bau weiterer Dreifachturnhallen. Vielmehr solle man Sporträume, auch draußen, für Sportinteressierende schaffen.
"Acki" Watzke erlebt Ganztag-Schule und Sport in seiner eigenen Familie. "Die Kinder kommen erst spät nach Hause, müssen noch Hausaufgaben machen", berichtete er, "sie leben von morgens bis abends nach einem Terminplaner. Da bleibt ihnen kaum noch Zeit zum Fußball." Seiner Meinung nach werden die Kinder in eine Überforderung geführt. Das Turbo-Abi lasse da schön grüßen. Der BVB-Geschäftsführer verweist auch auf das Beispiel Mario Götze. "Solange er in der Schule war, plagte er sich ständig mit Verletzungen herum. Nach seinem Schulabschluss ging es ihm wesentlich besser." Er selbst erinnert sich gerne an seine Jugendzeit: "Wenn die Schule mittags beendet war, dann ging es anschließend auf den Fußballplatz." Er gesteht sich aber ein, dass "das gestern war, heute sieht vieles anders aus." Auch so ein Beispiel, wie sich die Gesellschaft wandelt.
Mehr zum Thema gibt es beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen unterflvw.de
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