10.09.2010, 15:44 Uhr | FUSSBALL.DE
Franz Beckenbauer im ungewohnten HSV-Dress. (Foto: imago)
Auf den eigenen Geburtstag angesprochen reagiert Franz Beckenbauer in der ihm eigenen Art. "Na, 65 ist kein Alter", sagt er mit Blick auf den Ehrentag. Bestenfalls "halbrund" sei dieser Geburtstag, den er als TV-Experte im Stadion bei der Partie seines FC Bayern gegen Werder Bremen "mit 70.000 Zuschauern" feiern möchte. Die große eigene Party will er erst in einem Jahr folgen lassen, denn "mit 66 fängt ja das Leben erst an. Der 66., der wird groß gefeiert - wenn ich da noch leb."
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Fußball-, Werbe- und Medien-Kaiser, Weltmeister-Teamchef, WM-Macher - praktisch alles, was der am 11. September 1945 als Sohn eines Postbeamten in München-Giesing geborene Beckenbauer in seinem Leben anfasste, wurde zu Gold. "Beckenbauer ist der Einzige, der der PDS in Bayern ein Direktmandat verschaffen kann", witzelte der Kabarettist Ottfried Fischer einmal. Und der einzige, der im ZDF-Sportstudio in der Feierlaune nach dem Meistertitel 1994 den Ball von einem gefüllten Weißbierglas aus in der Torwand versenkte.
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Als Fußballer galt der Welt- und Europameister als einer der größten deutschen Kicker überhaupt. "Er strahlte aus: Versucht es erst gar nicht. Es ist Zeitverschwendung, gegen mich anzutreten", beschrieb es der englische Weltmeister Sir Bobby Charlton einst. Die Eleganz des Liberos aller Liberos lobte auch ein anderer ganz Großer. "Auf dem Platz hat ihn Intelligenz mehr ausgezeichnet als Kraft. Er war mehr ein brasilianischer als ein deutscher Fußballer", sagte Pele über den charismatischen Beckenbauer.
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Den Erfolgen als Spieler folgten fast nahtlos die Siege als Trainer. Neben dem Brasilianer Mario Zagallo ist er der einzige, der dem WM-Titel als Kicker den als Trainer anfügte. 1990 in Italien führte er das Team um Lothar Matthäus, Rudi Völler und Jürgen Klinsmann zum Sieg. Aber den vielleicht größten Erfolg landete er in seiner Karriere als Sportfunktionär: Beckenbauer holte die Fußball-WM 2006 nach Deutschland.
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Unzählige Ehrungen aus München, Bayern und ganz Deutschland sind ihm schon zuteilgeworden, eigentlich zeichnete den Ehrendoktor der bulgarischen Sportakademie fast schon die ganze Welt aus. Aber, und das ist angesichts der typischen Leichtigkeit Beckenbauers vielleicht etwas überraschend, es gibt auch Dinge, die selbst ihm ein bisschen unangenehm sind. Anlässlich seines 65. Geburtstags zeigt der Bezahlsender Sky, für den Beckenbauer als Experte arbeitet, am 11. September auf seinem Heimatkanal den Film "Libero" aus dem Jahr 1973 - mit ihm als Darsteller.
"Kann man das noch verbieten?", fragte Beckenbauer augenzwinkernd, als bei der Ankündigung der Trailer gezeigt wurde, um gleich wieder alle Bedenken mit Humor zu überspielen. "Ich kann mich erinnern, der Film wurde für den Oscar vorgeschlagen. Leider ist er in der Endausscheidung durchgefallen." Nur einmal habe er "Libero" danach noch angesehen, "und er ist auch wirklich nicht wert, ihn anzuschauen." Handlung und Spielorte seien spärlich, aber wenigstens seien "wunderschöne Fußballszenen dabei", betonte Beckenbauer, der sich seinerzeit auch als Sänger mit "Du bist das Glück" oder "1:0 für die Liebe" bemühte.
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Als Komödiant würde Beckenbauer dagegen sicherlich Hallen füllen. Wenn er in seiner 15 Jahre langen Amtszeit als Bayern-Präsident mit frisch-frecher Art wie ein Showmaster durch die Jahreshauptversammlungen führte, hatte er immer die Lacher auf seiner Seite. "Wenn der Kaiser spricht, legen sogar die Engel ihre Harfen beiseite", sagte einst Max Merkel. Die Glaubwürdigkeit des heutigen Ehrenpräsidenten ist eh bewundernswert. "Wenn er erklärt, dass der Ball eckig ist, dann glauben ihm das alle", sagte Otto Rehhagel.
"Ich habe noch nie eine große Rede gehalten. Ich habe immer nur gesagt, was mir gerade eingefallen ist", sagt der 103-malige Nationalspieler. Nicht immer waren das Heraussprudeln der Beckenbauer'schen Bemerkungen zur Freude des FC Bayern, der den Libero überhaupt nur wegen einer spontanen Aktion beschert bekam. Denn 1958 wechselte der 13-Jährige nur deshalb zu den Roten und nicht zum TSV 1860, weil ein Löwen-Spieler ihn zuvor geohrfeigt hatte. "Es war nicht die Hand Gottes, sondern die Watschn eines Sechzigers", meinte der Wahl-Kitzbüheler selbst über die für beide glückliche Fügung.
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Quelle: FUSSBALL.DE
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