24.05.2011, 13:13 Uhr
Wettkampf gegen die Zeit: Dietmar Demuth und dem SV Babelsberg droht der Zwangsabstieg. (Foto: imago)
Trainer Dietmar Demuth war völlig geschockt, einige Spieler sind noch ahnungslos: Dem SV Babelsberg droht wegen akuter Finanzprobleme der Entzug der Lizenz und damit verbunden der Zwangsabstieg aus der 3. Liga. "Die Nachricht kam am Montagabend sehr überraschend. Wir sind total ratlos, wie es jetzt weiter gehen soll", sagte Demuth. Vor allem fehlende Sponsorengelder könnten das endgültige Aus der Babelsberger bedeuten.
Der geplante Gesamtetat von 2,7 Millionen Euro sei bislang nur zur Hälfte gedeckt, weil bereits verhandelte Sponsorenverträge nicht unterzeichnet worden seien. "Einige Leute haben es geschafft, unsere Arbeit zu zerstören. Wir hatten ja schon immer Probleme, konnten es aber immer hinbiegen", sagte Demuth und fügte hinzu: "Im Moment sieht es aber sehr schlecht für uns aus. Ich habe große Bedenken, dass der Verein gerettet werden kann."
Der 55 Jahre alte Trainer habe sofort die Spieler über die prekäre Situation informieren wollen. "Leider sind nicht alle vor Ort, ein Teil ist schon im Urlaub. Alle haben ich noch nicht erreicht", sagte Demuth. Unter anderem teilte er seinen Profis mit, dass sie bei Angeboten von anderen Vereinen sofort die Freigabe zum Wechsel bekommen. Demuth hatte auch schon Verstärkungen im Auge, die in den nächsten Tage nach Potsdam anreisen sollten. Diesen Weg könnten sie sich sparen und gleich einen anderen Verein suchen.
"Das ist wirklich sehr bitter, weil es sportlich bei uns sehr gut lief und wir dort weitermachen wollten", sagte der Coach. Seine junge Mannschaft beendete die Saison überraschend auf Platz 13 und schaffte sicher den Klassenerhalt - mit dem kleinsten Etat der Liga. Außerdem erreichte die Elf um Kapitän Marian Unger nach dem Gewinn des Landespokals den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals. "Wir sind hier mit viel Liebe und Leidenschaft zu Werke gegangen, haben alles für den Verein geben. Und das soll nun alles mit einem Mal vorbei sein?", sagte Demuth.
Besonders viel Hoffnung auf eine Rettung gibt es nicht. Bis zum 1. Juni muss das fehlende Geld beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) nachgewiesen werden. Gelingt das nicht, droht der bittere Gang in die Regionalliga. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Das müssen die nächsten Tage zeigen", sagte Demuth, der genau wie alle Vereinsmitglieder in einer außerordentlichen Sitzung über das weitere Vorgehen informiert werden soll.
Die Potsdamer mussten bereits im April 2003 Insolvenz beantragen, nachdem sich der Verein in seiner einzigen Zweitligasaison finanziell übernahm und 2002 als Tabellenletzter direkt wieder abstieg. Ein vor dieser Insolvenz von der damaligen Vereinsführung aufgenommener Millionenkredit konnten in den letzten Jahren bis auf 870.000 Euro abgetragen werden.
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