14.11.2011, 10:28 Uhr | shfv-kiel.de
Beim Heider SV spielen immer mehr Mädchen – vor allem auch solche mit Migrationshintergrund - Fußball. Rüdiger Kock (links) und Friedel Seehausen trainieren mit Begeisterung die jungen Fußballerinnen im Rahmen des landesweiten Integrationsprojektes „Mädchen kicken cooler“. (Foto: SHFV)
"Mädchen kicken cooler" – neben Kiel, Flensburg und Neumünster ist das Integrationsprojekt des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) auch in Heide in Aktion. Beim "kleinen HSV“ – einem der traditionsreichsten Klubs im Land - wächst der Anteil fußballbegeisterter Mädchen seit zwei Jahren stetig.
Ob Vivien, Neriman, Michelle und Nessrin tatsächlich cooler als ihre männlichen Pendants dribbeln und Tore schießen, ist eigentlich nicht ausschlaggebend. Von größerer Bedeutung ist vielmehr die Tatsache, dass Fußball bei Mädchen immer beliebter wird. "Das gilt besonders für Mädchen mit Migrationshintergrund“, weiß SHFV-Projektleiter Dr. Tim Cassel.
Allerdings: Mädchen aus Einwandererfamilien sind – im Gegensatz zu Jungs - in unseren Sportvereinen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Häufig sind es kulturelle und geschlechtsspezifische Hemmschwellen, die den Schritt in den organisierten Fußball erschweren – oder sogar verhindern. Sowohl der Schleswig-Holsteinische Fußballverband als auch das Innenministerium und das Ministerium für Gleichstellung und Integration wollen dies ändern. "Fußball ist ein ideales Medium, um Menschen anderer Kulturkreise zu integrieren. Viele Migrantinnen, auch Frauen, spielen gerne Fußball. Ihnen wollen wir den Weg in den Spielbetrieb ebnen“, betont Cassel.
Welche Ziele verfolgt das Projekt "Mädchen kicken cooler“ und wie sollen diese umgesetzt werden? Über offene Angebote in den Vereinen und besonders auch an Schulen lassen sich Mädchen mit Migrationshintergrund für das runde Leder begeistern. Dazu zählen zum Beispiel außerunterrichtliche Spielgemeinschaften und Schnuppertrainingseinheiten. Zusätzlich vorgesehen sind regelmäßige Turniere. Im Kräftemessen mit Gleichaltrigen bieten sie eine gute Möglichkeit, das Erlernte in die sportliche Praxis umzusetzen.
"Wir wählen bewusst Spielformen, die einen unkomplizierten Zugang zum Fußball schaffen und zudem Spaß bereiten“, erklärt Fußballtrainer Friedel Seehausen. „In einer ihnen vertrauten Gruppe lässt sich Sport am schönsten erleben.“ Zu den Leitgedanken des Projekts gehört auch, dass 14- bis 17-Jährige in Kursen zu Fußballassistentinnen ausgebildet werden. Unter anderem werden die Schülerinnen dazu angeleitet, Trainingseinheiten und Turniere für jüngere Mädchen zu organisieren. Ziel ist es, dass sie eines Tages die erwachsenen Gruppenleiter unterstützen. Seehausen (60) verfügt über einschlägige Erfahrungen. Als Rektor der Heider St.Georg-Schule ist er täglich mit dem Thema Integration hautnah konfrontiert. Rund 40 Prozent der Schüler an seiner Bildungseinrichtung haben ausländische Wurzeln. Mehr als 20 Nationen sind hier vertreten. "Mit großem Eifer und Interesse spielen die Mädels Fußball und ziehen Gleichaltrige mit“, weiß Seehausen. In Rüdiger Kock und Toni Franz stehen weitere motivierte und engagierte Übungsleiter auf dem Platz.
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