21.12.2012, 12:02 Uhr | FUSSBALL.DE
Ayodele Madaiyese: Der Nachwuchsspieler des Hamburger SV soll abgeschoben werden. (Quelle: Marius Roeer)
Zunächst waren es die Mitschüler, dann die Lehrer. Dann ihre Freunde, dann deren Freunde: Mittlerweile engagieren sich über 18.400 Menschen für Ayodele Madaiyese. Denn dem 18-jährigen Nachwuchstalent des Hamburger SV droht die Abschiebung nach Nigeria. Und die Zahl derer, die im sozialen Netzwerk Facebook dagegen protestieren, wächst minütlich. Dennis Aogo, Profi des HSV, ist einer der prominentesten Unterstützer der Aktion.
Er ist "ein guter Junge, macht bald Abitur, ist total integriert", schreibt Aogo auf seiner Facebook-Seite. "Ich möchte ihm und seiner Familie helfen. Ich danke euch, wenn ihr euch mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzt, das bedeutet mir sehr viel!"
Madaiyese kam vor zweieinhalb Jahren zusammen mit seinem Bruder nach Hamburg, zuvor hatten sie bei ihrem Onkel in einem Vorort von Lagos, Nigeria, gelebt. Der Vater der beiden war bereits vor ihnen nach Deutschland gezogen, er besitzt auch einen deutschen Pass. Damit hätte er die beiden Jungs eigentlich auf legalem Weg zu sich holen können, doch einen Antrag auf Familienzusammenführung stellte er nicht. Nach einem Streit mit dem Vater lieferte der Onkel die beiden allerdings plötzlich in Hamburg ab.
Seitdem besucht Madaiyese die Nelson-Mandela-Gesamtschule im Stadtteil Wilhelmsburg. Er geht dort in die elfte Klasse, hat Deutsch gelernt, viele Freunde und will sein Abitur machen. Außerdem kickt er in der A-Jugend des HSV und gilt als hoffnungsvolles Nachwuchstalent. Bis vor ein paar Wochen war seine Welt noch im Gleichgewicht.
Doch dann erhielt er ein Schreiben der Ausländerbehörde. Darin hieß es, bis Mitte Januar hätte der Junge Zeit, Deutschland zu verlassen. Tut er das nicht, würde man ihn abschieben. Denn Madaiyese sei mittlerweile volljährig und nur als Minderjähriger geduldet worden, erklärte das Amt. "In Nigeria habe ich keinen Schulabschluss und niemanden, zu dem ich gehen kann. Was soll ich dort machen?" sagte er "Spiegel Online".
Das Schreiben der Behörde machte nicht nur "Ayo" fassungslos, sondern auch seine Mitschüler. Die beschlossen, etwas zu unternehmen. Zusammen mit Lehrern richteten sie die Facebook-Seite "Gegen die Abschiebung von Ayodele Madaiyese" ein, schickten sie an ihre Freunde weiter und brachten den Schneeball ins Rollen. Innerhalb weniger Tage fanden sich tausende Unterstützer, Tendenz steigend.
"Ich habe mich gefreut, dass sie sich so für mich einsetzen", sagt Madaiyese. "Aber ich bin einfach zu verzweifelt, um mich damit zu beschäftigen." Die Schüler haben einen Brief an die Härtefallkommission geschrieben, die die Abschiebung verhindern soll. In Ausnahmefällen kann dies auch entgegen gesetzlicher Vorgaben veranlasst werden. Doch damit nicht genug: Seine Mitschüler haben eine offizielle Petition gestartet, eine Demo organisiert und weitere prominente Fürsprecher gewonnen. So engagieren sich unter anderem die Schauspieler Peter Lohmeyer und Cosma Shiva Hagen sowie der Musiker Jan Delay für die Aktion.
Ayodele Madaiyese hofft, dass die große Unterstützung am Ende nicht umsonst gewesen sein wird. Wie die Chancen jedoch stehen, ist ungewiss. Ähnliche Aktionen gab es in der jüngeren Vergangenheit häufiger, nicht immer waren sie von Erfolg gekrönt.
Quelle: FUSSBALL.DE
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