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In Deutschland fehlen Schiedsrichterinnen!

06.10.2011, 16:47 Uhr | hfv.de

Carolin Rudolph beim Länderpokal der U17-Juniorinnen in Duisburg bei der Besprechung mit den Schiedsrichterinnen (Fotos: C. Byernetzki)

Carolin Rudolph beim Länderpokal der U17-Juniorinnen in Duisburg bei der Besprechung mit den Schiedsrichterinnen (Fotos: C. Byernetzki)

In den letzten Jahren ist die Zahl der Fußball spielenden Frauen und Mädchen immer größer geworden (mittlerweile über 1 Million). Die Anzahl der Schiedsrichterinnen ist jedoch verhältnismäßig klein (ca. 3.000). Legt man die Zahl von gemeldeten Mannschaften im Frauen- und Mädchenbereich des DFB von 13.420 zu Grunde und setzt voraus, dass pro gemeldete Mannschaft eine Schiedsrichterin bzw. ein Schiedsrichter gemeldet werden müssten, so ergibt sich ein Defizit von über 10.000 Schiedsrichterinnen.

Über diese Problematik unterhielt sich der Pressesprecher des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV), Carsten Byernetzki, mit Carolin Rudolph (Mitglied der DFB-Schiedsrichterkommission).

Wie kann man sich die große Diskrepanz zwischen der Anzahl gemeldeter Frauen- und Mädchenmannschaften und aktiver Schiedsrichterinnen erklären?

Rudolph: Ein Grund ist sicherlich, dass junge Mädchen erstmal lieber kicken. Gerade für die jungen Mädchen ist es relativ schwer, sich als Schiedsrichterin durchzusetzen. Zudem kommt die mangelnde Aufmerksamkeit in vielen Regionen für das Amt des Schiedsrichters. Es wird einfach zu wenig publik gemacht, dass Schiedsrichterinnen gesucht werden und welche Chancen sich daraus ergeben.

Was ist zu tun?

Rudolph: Erst einmal sind alle Landesverbände aufgefordert, zusammen mit dem jeweiligen Schiedsrichterbereich mehr Werbung für Schiedsrichterinnen zu machen. Einige Landesverbände arbeiten da schon mit guten Beispielen. Dann sind natürlich die Vereine und Abteilungen mit Frauen- und Mädchenfußball aufgefordert, nach geeigneten Kandidatinnen Ausschau zu halten. Wichtig ist die direkte Ansprache jeder Einzelnen. So sollten z.B. Spielerinnen, die verletzungsbedingt oder aus anderen Gründen nicht mehr spielen können, immer angesprochen werden, ob Sie nicht Interesse hätten einen SR-Anwärterkurs zu besuchen. So können sie dem Fußball verbunden bleiben. Potentielle Kandidatinnen sind auch zuschauende Mädchen- und Frauen, die Interesse am Fußball haben.

Wie bist Du selber zur Schiedsrichterei gekommen?

Rudolph: Mein Vater war Mannschaftsarzt und ich war mit ihm jedes Wochenende auf dem Fußballplatz. 1994 gab es eine große Kampagne des DFB, wo Schiedsrichter gesucht werden. Ich bin dann gefragt worden und habe erst gar nicht gedacht, dass ich das kann. Dann habe ich  aber schnell gemerkt, dass mir die Pfeiferei große Freude bereitet.

Mit welchen Argumenten kann man Mädchen und Frauen das "Pfeifen" schmackhaft machen?

Rudolph: Fußball ist ein so toller Sport, egal ob als Trainer, Spielerin oder Schiedsrichterin – Mädchen und Frauen sollten sich einfach mal als Schiedsrichterin ausprobieren. Außerdem lernt man unheimlich viele interessante und nette Menschen kennen. Man profitiert unheimlich in der Persönlichkeitsentwicklung und lernt, sich durchzusetzen.

Und man hat große Karrieremöglichkeiten?

Rudolph: Ja, den Mädchen und Frauen stehen alle Türen offen. Wenn sie mit dem nötigen  Ernst und Ehrgeiz an die Sache gehen, können die Schiedsrichterinnen relativ schnell, relativ viel erreichen. Auf ca. 40 Plätze in der Frauenbundesliga und 2. Frauenbundesliga kommen zur Zeit ca. 3.000 Bewerberinnen, bei den Männern ist das Verhältnis wesentlich anders – ca. 40 Plätze und 76.000 Bewerber.

Jetzt anmelden zum Anwärter-Lehrgang am 11.-13. November für Schiedsrichterinnen!

Der Hamburger Fußball-Verband möchte interessierte Mädchen und Frauen an das Schiedsrichteramt heranführen und plant einen gesonderten Lehrgang nur für Frauen und Mädchen am Wochenende vom 11. – 13. November 2011 im Clubheim des SC Sternschanze. Eine gesonderte Einladung erfolgt an alle Interessierten!

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