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Juist aus dem Kessel gefegt

04.05.2010, 21:22 Uhr

Von der Insel Juist berichtet Björn Lewe 

Die Spieler des TuS Norderney konnten auf Juist achtmal jubeln. (Foto: TuS Norderney)Die Spieler des TuS Norderney konnten auf Juist achtmal jubeln. (Foto: TuS Norderney)Fassungslos saß Trainer Andreas Langenberg auf der Tartanbahn des Juister Stadions Dünenkessel. Entsetzt darüber, was er die vergangenen 90 Minuten von seiner Mannschaft dargeboten bekommen hatte. Mit 1:8 (0:3) wurde der TSV Juist aus dem Dünenkessel gefegt. Und das ausgerechnet gegen den großen Rivalen von der Nachbarinsel Norderney. "Ich bin total enttäuscht von dem Spiel meiner Mannschaft und brauche jetzt erst mal ein, zwei Tage, bis ich das verdaut habe," sagte der Spielertrainer.

Und dabei war alles angerichtet für ein großes Juister Fußballfest. Das Stadion war mit  einer transportablen Tribüne, dutzenden Baststühlen und Parkbänken derbygerecht aufgemotzt worden, der Sponsor verteilte in einem extra Zelt Gratis-Erfrischungsgetränke und über eine Musikanlage dröhnte schon weit vor Spielbeginn das Beste aus den 80er, 90er und von heute. Volksfeststimmung auf der Insel.

VideoTSV Juist gegen TuS Norderney

Zahlen und DatenAlles zur 1. Kreisklasse, Staffel 1

Taktikbesprechung an der Strandpromenade

Auch Trainer Langenberg hatte vor dem Spiel das übliche Prozedere verändert. Bereits um 10 Uhr hatte sich die Mannschaft am Stadion getroffen, um bei einem gemeinsamen Spaziergang an der Strandpromenade die  letzten Einzelheiten zu besprechen. Danach wurde gemeinsam in einem hafennahen Restaurant gegessen. Zwei Stunden vor dem Spiel gab es noch mal ordentlich Kohlenhydrate. Auf keinen Fall sollte es eine Niederlage wie im Hinspiel (1:3) setzen. Nicht gegen den großen Rivalen von der Nachbarinsel.

Insel-Derby sorgt für Platzrekord

"Norderney? Bevor ich da hinziehe gehe ich lieber auf die einsame Vogelinsel Memmert", erklärte Juists Abwehrrecke Henning Endelmann die Rivalität zwischen den ostfriesischen Inselnachbarn. Weniger inselscheu zeigten sich hingegen die Fans aus Norderney, die zumindest zum Auswärtsspiel ihres Vereins kurzzeitig die Insel wechselten. Über 500 Fans hatten den acht Kilometer langen Seeweg mit einer Extrafähre auf sich genommen. Normalerweise spielen die Juister in der elften Liga vor 150 bis 200 Zuschauer. Zum Inselderby sollten es exakt 882 zahlende Zuschauer sein. Platzrekord.

Friesischherb geführte Partie

Pünktlich um 13 Uhr wurde die Partie vom Festlandschiedsrichter angepfiffen, der extra eingeflogen wurde. Und die Spieler des TuS Norderney, die auf Juist nur die "TuSsis" genannt werden, legten los wie die Feuerwehr. Bereits zur Pause führten die Gäste in einer friesischherb geführten Partie mit 3:0. Die TuS-Fans jubelten, das Spiel war praktisch entschieden.

Immerhin ein Ehrentreffer

Auch im zweiten Durchgang spielten die Norderneyer wie die Kesselflicker und fegten die Platzherren sang- und klanglos aus dem Stadion. Für die Juister ein ganz bitterer Nachmittag: Handelfmeter, Rote Karte, acht Gegentreffer und der Spott der Rivalen von der Nachbarinsel. Zumindest der Ehrentreffer gelang. "Heute kannst du dich hier unsterblich machen“, hatte der Juister Mittelfeldmotor Benjamin Künne noch vor dem Spiel gesagt. Das haben die Juister im ersten Derbyheimspiel sicherlich geschafft.

"Ein einmaliger Tag"

Michael Schamberger nahm die heftige Niederlage hingegen lockerer. Der Juister Auswechselspieler genoss einfach die besondere Atmosphäre des ersten Derbys auf Juist. Der 40 Jahre alte Rechtsanwalt wohnt in Düsseldorf und unterstützt die Juister normalerweise nur bei den Auswärtsspielen. Doch das wollte er sich nicht entgehen lassen. "Sonnenschein, 900 Fans, gute Stimmung: Trotz des Ergebnisses ist es ein einmaliger Tag“. Dem war nichts hinzuzufügen.

Das Spiel des Monats geht in die Sommerpause. Bewerbungen können danach wieder an team@fussball.de geschickt werden. Nenne Datum, Ort und Ansetzung und erzähle uns, warum gerade diese Partie medial begleitet werden soll. Das Video steht dann zeitnah auf FUSSBALL.DE zum Abruf bereit. Mitmachen können alle Vereine und Mannschaften von der Verbandsliga abwärts. Egal ob Jugend-, Frauen- oder Herrenbereich.

Quelle: FUSSBALL.DE

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