10.04.2009, 14:08 Uhr
Will mit Düsseldorf wieder jubeln: Bekim Kastrati (Foto: imago)Die 3. Liga geht in die heiße Phase und für viele Vereine geht es um alles. Aufstiegshoffnungen, Abstiegsängste und trainingsfreie Tage stehen auf der Tagesordnung des 31. Spieltages. Ob ein altes DDR-Duell in Erfurt, das Topspiel in Offenbach, der Kellerknaller in Burghausen: Große Fußballkunst trifft auf grasfressende Blutgrätscher, Tore sind garantiert. Und ein eventueller Gewinner des Spieltages sitzt entspannt zu Hause und kann sich das Treiben der Konkurrenz anschauen. Der 1. FC Union kann, bei passenden Ergebnissen am heutigen Samstag, morgen im Spiel gegen Schlusslicht Stuttgarter Kickers, einen Riesenschritt Richtung Zweite Liga machen.
Ergebnisse und Tabelle der3. Liga
Knaller in Offenbach
Der absolute Aufstiegskracher steigt am Bieberer Berg in Offenbach. Dort empfängt der OFC den Tabellen-Dritten aus Düsseldorf und muss unbedingt einen Dreier einfahren, will man noch ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden. "Das wird ein super Duell. Neben fußballerischer Klasse wird es auch darauf ankommen, wer den längeren Atem hat. Mit einem Sieg können wir die Geschichte im vorderen Tabellendrittel wieder spannend gestalten“, freut sich Kickers Trainer Hans-Jürgen Boysen. Personell kann Boysen aus den Vollen schöpfen: Neben Ugur Albayrak steht auch Suat Türker wieder zur Verfügung, um die momentane Schwächphase der Düsseldorfer, mit nur einem Sieg aus den letzten fünf Spielen auszunutzen. "Eine stabile Defensive wird wieder die Basis für einen Erfolg über Düsseldorf sein, in der Kreativabteilung müssen wir dagegen noch etwas zulegen", gibt Boysen die Marschrichtung vor. Um die Negativ-Serie zu stoppen, absolvierten die Düsseldorfer am Mittwoch sogar ein Geheim-Training. Besonders motiviert vor der Partie ist Fortunas Stephan Sieger, schließlich spielte er selbst vier Jahre im Dress der Hessen. Deshalb warnt er auch vor der besonderen Atmosphäre in der Offenbacher Kultstätte. "Die Atmosphäre dort ist etwas ganz Spezielles, die Stimmung super. Die Fans auf der Gegengeraden peitschen die Mannschaft nach vorne, versuchen auch den Schiri zu beeinflussen. Da müssen wir von Anfang an voll dagegen halten", fordert Sieger.
Dienstagsspiele Sieben Tore in Aalen
Paderborn will Revanche
Für den Tabellen-Zweiten aus Paderborn geht es im Spiel beim Wuppertaler SV darum, die Mini-Krise mit vier sieglosen Spielen in Folge zu beenden, und die Verfolger Düsseldorf und Unterhaching auf Distanz zu halten. "Es ist absolut notwendig, dass wir wieder einen Sieg landen", betont SCP-Trainer Pavel Dotchev, der noch um den Einsatz von Kapitän Markus Krösche bangen muss. Zudem wollen sich die Paderborner für die 1:0 Hinspielniederlage revanchieren. "Wir haben etwas gut zu machen. Die Niederlage im Hinspiel hat uns sehr weh getan", erinnert sich der Coach. Die Wuppertaler haben durch 12 Punkte aus den letzten sechs Spielen wieder etwas Abstand zwischen sich und die Abstiegsränge gebracht. Dennoch sollten man sich im Stadion am Zoo nicht allzu sicher fühlen. WSV-Coach Uwe Fuchs will nicht nur an die Leistungen der vergangenen Spiele anknüpfen, sondern auch das Ergebnis des Hinspiels möglichst wiederholen. Dafür kann Fuchs wieder auf Marco Neppe zurückgreifen, der seine Rotsperre abgesessen hat. Auch Victor Hugo Lorenzon kann nach überstandener Adduktorenverletzung wohl wieder mit im Kader stehen.
EntlassenPaderborn trennt sich von Christian Schreier
Robert Müller (re., Jena) im Kopfballduell mit dem Burghausener Marco Calamita (Foto: imago)Kellerkinder unter sich
Etliche Tabellenplätze tiefer und einige Kilometer weiter südlich, steigt das Kontrastprogramm. Wenn Wacker Burghausen Carl Zeiss Jena zum Tanz auf dem Vulkan empfängt, dürfen die Fans Abstiegskampf pur erwarten. Wacker wartet seit sieben Spielen auf einen Sieg, die letzten vier Spiele gingen mit insgesamt 0:8 Toren verloren. Dennoch ist der Optimismus im Lager der Oberbayern noch nicht ausgestorben. "Selbst bei einem Rückstand müssen wir weiterhin positiv denken. In der Vorrunde hatten wir einen ähnlichen Negativtrend, den wir aber stoppen konnten. Daran muss sich jetzt jeder erinnern. Die Wende kommt jetzt, weil wir alle daran glauben“, so SVW-Spieler Roland Bonimeier. Die Gäste aus Jena konnten nach dem Chaos der Trainer-Entlassung und der Degradierung des Sportdirektors Carsten Linke gegen Eintracht Braunschweig ihren ersten Sieg nach zehn sieglosen Spielen in Folge feiern. Der Aufwärtstrend soll jetzt auch bei Burghausen fortgesetzt werden. "Wir wissen jetzt wieder, wie es ist zu gewinnen. Dieses schöne Gefühl wollen wir auch am Samstagabend haben", formuliert es Jenas Silvio Schröter.
SonntagsspielNullnummer im Spitzenspiel
Kickers kicken für freie Tage
Die Kickers aus Emden hoffen nach Wochen der Enttäuschungen auf einen großen Befreiungsschlag gegen Jahn Regensburg. In der Hinrunde beinahe konstant auf einem Aufstiegsplatz stehend, rutschten die Norddeutschen in der Rückrunde durch nur drei Siege aus zehn Spielen immer weiter ab in der Tabelle. Zuletzt holte man aus nur einen Punkt aus fünf Spielen. Die Negativserie fand ihren Höhepunkt mit der Verlautbarung von Trainer Stefan Emmerling, zum Saisonende den Verein Richtung Ahlen zu verlassen. Auch wenn die Aufstiegshoffnungen nur noch sanft rund um das Embdena-Stadion gedeihen, will Emmerling die Hoffnung noch nicht aufgeben. "Wir können uns diese Chance mit einem Sieg gegen Jahn Regensburg am Samstag weiter offen halten", so der Coach, nimmt dafür aber explizit die Spieler in die Pflicht. "Jeder einzelne muss auf dem Platz mit Einsatzwillen und nicht mit einer großen Fresse vorne weg marschieren. Wir brauchen 14 Männer, die sich wirklich für den Erfolg der Mannschaft zerreißen", fordert der 43-jährige und kündigt gleich etwaige Konsequenzen für seine Mannschaft an. "Wenn das so weitergeht, wird es keine freien Tage mehr für die Jungs geben. Bei Siegen können sie gerne nach Hause fahren, aber wenn wir verlieren, wird hier durchgehend trainiert. Da kann sich jeder aussuchen, was ihm lieber ist.“. Die Regensburger brauchen dagegen die Punkte, um sich weiter von den Abstiegsplätzen zu verabschieden. Obwohl man seit vier Auswärtsspielen nicht gewinnen konnte, ist Trainer Markus Weinzierl vor der Reise nach Ostfriesland optimistisch. "Wir brauchen noch 3 Siege, vielleicht reichen aber auch 7 Punkte. Warum sollten wir in Emden nichts davon holen?", will der Coach nichts von einer aussichtslosen Reise wissen.
SamstagsspieleHaching punktet im Aufstiegskampf
Ost-Derby der Enttäuschten
Zum Duell der Enttäuschten kommt es beim Ost-Derby zwischen Rot-Weiß Erfurt und Erzgebirge Aue. Die Thüringer dürften bei neun Punkten Rückstand auf Platz drei nur noch theoretische Chancen auf den Aufstieg haben. Drei sieglose Spiele in Folge dürften auch die letzten Optimisten in Erfurt verstummt haben lassen. Trainer Karsten Baumann ist auch dementsprechend verstimmt. "Ich bin enttäuscht von der Punkteausbeute. Wir haben in den entscheidenden Spielen immer wieder Punkte gelassen", so Baumann, der aber nichts von nachlassender Einstellung im restlichen Saisonverlauf wissen will: "Platz 4 ist ja der direkt Platz zur Qualifikation für den DFB-Pokal und somit Anreiz genug. Jeder Spieler muss Profi genug sein, jedes Spiel gewinnen zu wollen.“ Vielleicht ist es ja ein gutes Omen für die Rot-Weißen, dass Erfurt vor 55 Jahren durch einen Sieg über Aue zum ersten Mal die DDR-Meisterschaft feiern konnte. Bei den Erzgebirglern hatte man sich dagegen die Saison auch ganz anders vorgestellt. Als Absteiger aus der 2. Liga wollte man zumindest ein kleines Wörtchen um den Aufstieg mitreden. Statt dessen ist man Dauergast in der unteren Tabellenhälfte und musste lange gegen das Abstiegsgespenst kämpfen. Nach drei Siegen in Folge, kann man in Aue dem Rest der Saison beruhigter entgegen sehen. FCE-Präsident Uwe Leonhardt gibt die Zielsetzung für die verbleibenden Spiele vor: "Wir werden nun in den verbleibenden 8 Punktspielen mit hoher Konsequenz versuchen, unser Saisonziel einstelliger Tabellenplatz zu erkämpfen."
Oliver Fink (Mitte, Haching) im Kopfballduell mit den Stuttgartern Joachim Schwabe (re.) und Dubravko Kolinger (Foto: imago)Stuttgart will powern - Haching hat Hunger
Schwäbisch gemütlich schauen die Kicker des VfB Stuttgart II nach elf Punkten aus den letzten fünf Partien aus dem gesicherten Mittelfeld der Liga auf den Rest der illustren Gesellschaft in Liga drei. Trainer Rainer Adrion kann auch im Spiel gegen die nach Union Berlin zweitbeste Rückrundenmannschaft aus Unterhaching aus den Vollen schöpfen. Dennoch ist der Respekt vor den Münchener Vorstädtern groß. "Die SpVgg hat sich durch gute Leistungen in den vergangenen Spielen weit nach oben gearbeitet und wird mit breiter Brust auftreten. Ich zähle die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl zu den ernsten Aufstiegskandidaten. Wir müssen eine disziplinierte Mannschaftsleistung zeigen und von der ersten Minute an powern, um unsere Serie auszubauen", zollt Adrion der SpVgg seinen Respekt. Die Hachinger sind trotz zuletzt vier Siegen aus fünf Spielen vorsichtig vor dem Trip ins Schwabenland. "Wir müssen uns zusammenreißen. Machen wir nur einen Schritt zu wenig und werden leichtfertig, dann sind wir nicht erfolgreich“, warnt Ralf Bucher. Der Dauerbrenner der Rot-Blauen, seit knapp 20 Jahren im Verein, trägt gegen Stuttgart zum 400. Mal das Trikot der Spielvereinigung in einem Pflichtspiel. Auch Trainer Ralf Hasenhüttl will nicht zu selbstsicher auftreten. "Wir dürfen in Stuttgart nicht vergessen, worauf es ankommt“, sagt er. "Der Hunger zu punkten und Leistung abzurufen muss immer wieder da sein. Diesen Anspruch muss ich als Trainer hochhalten und einfordern.“
"Kleine" Bremer freuen sich aufs große Dresden
Einen Rückschlag nach drei Siegen in Folge mussten die Dynamos aus Dresden hinnehmen. Ausgerechnet gegen die lange sieglosen Aalener setzte es eine 3:4 Niederlage. Deshalb heißt das Ziel gegen Werder Bremen II auch Wiedergutmachung, auch um nicht wieder in den Abstiegsstrudel gezogen zu werden. Trainer Ruud Kaiser rechnet denn auch vor: "45 Punkte müssen reichen, dafür brauchen wir noch drei Siege". Dabei sollen die Bremer aber auf keinen Fall unterschätzt werden. "Das ist eine sehr gute Mannschaft. Beim Tabellenführer hätten sie gewinnen können und gezeigt wie stark sie sind", warnt der Dynamo-Trainer vor zuviel Selbstsicherheit. Werder-Coach Thomas Wolter freut sich auf die Reise nach Sachsen. Schließlich konnten seine Jungs von vier Spielen im Rudolf-Harbig-Stadion drei gewinnen. "Es stimmt, wir haben dort gute Erfahrungen gemacht. Das schöne Stadion motiviert die Jungs sehr, dort ist immer richtig was los", gibt der Trainer eine gewisse Vorfreude zu. Zudem hat sich seine schon als Absteiger geltende Mannschaft durch ordentliche Leistungen wieder an die Nichtabstiegsplätze heran gespielt "Wir fahren nicht nach Dresden, um die Stadt zu genießen, sondern, um dort was mitzunehmen", sagt Wolter. "Wir wollen unseren Weg fortsetzen und kleine Rückschläge wie das 1:1 gegen Wuppertal überwinden."
Braunschweig will Wiedergutmachung
Bei der Eintracht aus Braunschweig will man den Weg der letzten Wochen nicht mehr fortsetzen. In den letzten acht Partien setzte es sechs Niederlagen. "Wir haben gegen Aalen etwas gut zu machen. Es ist ein Spiel, was wir gewinnen wollen und müssen", sagte Trainer Torsten Lieberknecht. "Wenn wir Tore schießen, dann wird es auch klappen. Notfalls müssen wir diese am Samstag erzwingen. Denn alles andere hat in den vergangenen Spielen gepasst. Die Entwicklung, die Spielweise und die Einstellung meines Teams haben gestimmt. Die Jungs kämpfen füreinander und sind nach solchen Niederlagen wie in Jena bitter enttäuscht. Das ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass es keine leblose Mannschaft ist. Manchmal fehlt dann aber auch ein Quentchen Glück", macht der Trainer sich und seinen Mannen Mut vor dem Spiel gegen den VfR Aalen. Dort wittert man im Kampf gegen den Abstieg wieder etwas Morgenluft, konnten die Remis-Experten (13 Unentschieden in 29 Partien), durch den 4:3 Sieg gegen Dresden erstmals seit langer Zeit von den Abstiegsplätzen verabschieden. Obwohl stark ersatzgeschwächt, dominiert das Prinzip Hoffnung bei der Mannschaft von Petrik Sander. "Unsere personelle Situation ist schwierig, aber Jammern bringt uns nicht weiter. Jeder muss auf seiner Position alles in die Waagschale werfen. Wir können uns nicht ausruhen, denn auch die Konkurrenz im Abstiegskampf hat am letzten Spieltag ihre Hausaufgaben gemacht", fordert der Coach vollen Einsatz von seiner Mannschaft.
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