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Magath kämpft um seinen Mythos

18.10.2012, 23:30 Uhr | FUSSBALL.DE

Trainer Felix Magath muss bangen. (Quelle: imago)

Trainer Felix Magath muss bangen. (Quelle: imago)

Von Jonny Giovanni

In Wolfsburg gehen die Uhren ein bisschen anders als in Köln, Hamburg oder Stuttgart. Das ist, um nicht gleich wieder auf dem Retortenklischee herumzureiten, durchaus positiv gemeint. Zum Beispiel ist beim VfL eine Fandemonstration auch ohne Drohungen und hässliche Gesten möglich. Vorige Woche protestierten ein paar Dutzend Anhänger friedlich am Trainingsplatz. Danach gingen sie wieder nach Hause – nicht ohne zuvor ein Gesprächsangebot von Felix Magath abgelehnt zu haben.

Das war als Signal allemal stärker als laut Krawall zu schlagen: Offenbar sind die Anhänger der Magathschen Erklärungen schon so überdrüssig, dass sie auf weitere Ausführungen dankend verzichteten. Was wiederum zeigt, wie tief Magaths Ansehen teilweise schon gesunken ist. Dabei ist der Mann, falls Wolfsburg so etwas besitzt, der Fußball-Heilige dieser Stadt. Wer einen zuvor so bedeutungslosen Klub zum Bundesliga-Titel führt, dem gegenüber müsste eigentlich Zuhörpflicht auf Lebenszeit bestehen. Zur Erinnerung: Der wesentlich renommiertere Werksklub Bayer Leverkusen wartet immer noch auf eine Meisterschaft. Und Schalke 04 seit 54 Jahren.

Nichts funktioniert mehr

Dorthin ging Magath damals direkt nach der Meisterschaft – als Ikone. Seit er knapp zwei Jahre später wieder kam, wollen sich die guten Vibes allerdings partout nicht mehr einstellen. Vielleicht hätte er den Verein, wo er unbehelligt von Folklore schalten und walten konnte, nie verlassen sollen. Jedenfalls scheint alles, was in seiner ersten Wolfsburger Amtszeit klappte, nicht mehr zu funktionieren. Seine Transfers schlagen nicht ein. Sein Trial-and-Error-Prinzip bei den Aufstellungen führt nicht zu einer stabilen Stammelf. Und statt besser wird alles immer nur noch schlechter. Gegen Freiburg am Samstag geht es bereits um sehr viel: Für den VfL und Magath.

Wolfsburg hat bisher ein Spiel gewonnen, gleich das erste, durch ein 1:0 in der Nachspielzeit beim Co-Krisen-Klub Stuttgart. Seitdem gab es zwei Remis und vier Niederlagen. Vor allem hat der VfL in sieben Spielen gerade mal zwei Tore geschossen, so wenige wie Greuther Fürth, so wenige, wie in der Bundesliga-Geschichte zu diesem Zeitpunkt nur Bochum und Leverkusen mal hatten – jeweils vor rund 30 Jahren. Die Rede ist hier wohl gemerkt von einer Mannschaft mit so anerkannten Klassefußballern wie Diego, Naldo und Olic oder Hollands letztjährigem Torschützenkönig, Bas Dost.

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Charisteas und Karimi als Wendepunkte

Für Magath geht es vor diesem Hintergrund in den nächsten Wochen um das, was er in all den Jahren und gegen viele anfänglichen Mühen aufgebaut hat. Um seinen Ruf als Erfolgstrainer und Transfermagier. Um seinen Mythos, um seine Legende. In seinem großen Jahrzehnt von den "Jungen Wilden" bei Stuttgart 2001 bis zur Vize-Meisterschaft auf Schalke 2010 war der ehemalige HSV-Spielmacher eine Art König Midas der Bundesliga: Was er auch anpackte, es wurde zu Gold.

Womöglich ist ihm das alles ein bisschen zu Kopf gestiegen. Womöglich begann er zu sehr an den eigenen Mythos zu glauben. Als Wendepunkt lassen sich vielleicht am besten die letzten Januartage des Jahres 2011 benennen. Da holte Magath die anderswo längst ausrangierten Angelos Charisteas und Ali Karimi nach Schalke. Es war der Moment, als auch viele Wohlmeinende ernsthaft an ihm zu zweifeln begannen.

Transferfieber beginnt erst 2007

Schaut man sich die gesamte Trainerlaufbahn von Felix Magath an, dann sieht man, dass er lange gar nicht mal überdurchschnittlich viel Fluktuation in seinen Teams hatte. Das begann erst, als er 2007 in Wolfsburg auch den Managerposten erhielt. Magath entrümpelte den vorgefundenen Kader, der beinahe abgestiegen wäre, und kaufte praktisch eine neue Mannschaft. Grafite, Dzeko, Schäfer, Gentner, Benaglio, Josué. Die Erfolge ließen nicht lang auf sich warten. Tabellenplatz fünf und Qualifikation für den Uefa-Cup im ersten Jahr, die sensationelle Meisterschaft im zweiten. Alles schien so leicht. Da kann man schon mal auf den Gedanken kommen, so etwas sei reproduzierbar.

Aber Magath reproduzierte sein Modell nicht – er übertrieb es. 2007 und 2008 hatte sein Umbau in großem Stil, aber doch auch mit Übersicht stattgefunden. Die ging ihm dann vor allem in seinem zweiten Schalker Jahr abhanden. In gut anderthalb Jahren für die Gelsenkirchener überwachte er jeweils über 30 Zu- und Abgänge. Nur sechs Spieler, die er vorgefunden hatte, waren auch noch da, als er ging. Manchmal wirkte Magath, der ja einen verschmitzten Humor hat, als ob er sich selbst karikieren wolle, etwa als er nach dem Karimi-Transfer sagte: "Ich weiß auch nicht, in welcher Verfassung er ist".

Kein Umdenken

Als er trotz sportlichen Erfolgs wegen mangelnden Feelings zwischen ihm und der Anhängerschaft auf Schalke entlassen wurde, hielt er nicht etwa inne und überdachte seine Strategie. Als er ein zweites Mal in Wolfsburg anheuerte, trieb er sie im Gegenteil noch auf die Spitze. 26 Spieler verpflichtete er in drei Transferperioden, viele sind schon wieder weg, andere landeten erst in der Mannschaft, dann auf der Tribüne, irgendwann wieder in der Mannschaft. Wer noch all ihre Namen und Ablösen zusammen bekommt, könnte sich beim Fernsehen melden – für einen Auftritt in „Wetten, dass?“.

Es scheint, als habe Magath jedes Maß verloren und sich in seine einstige Erfolgspolitik verrannt. Aber eines muss man ihm zugute halten: Langweilig wird es mit ihm nicht. Und dafür kann ihm die einstige graue Maus Wolfsburg nach wie vor dankbar sein.

Quelle: FUSSBALL.DE

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