03.12.2009, 17:11 Uhr
Argentiniens Superstar Lionel Messi. (Foto: imago)Aufatmen in Argentinien. Die Albiceleste hat sich wieder einmal für die Endrunde qualifiziert und schon träumen die Fans wieder vom dritten WM-Titel. Natürlich zählt die Mannschaft - wie immer - zum weiteren Favoritenkreis.
Nach dem Aus in der Vorrunde in Japan und Südkorea und der unglücklichen Niederlage im Elfmeterschießen gegen Deutschland im WM-Viertelfinale 2006 hat die Mannschaft etwas gut zu machen. Aber auch die jüngere Vergangenheit sah nicht so rosig aus.
Das war eine echte Zitterpartie für die Gauchos. Erst im letzten Spiel des Qualifikationsmarathons in der Südamerikagruppe hatte das Team von Diego Maradona den Sturz auf den Relegationsplatz verhindert. Mit einem 1:0 in Montevideo gegen den direkten Konkurrenten Uruguay zog die Mannschaft noch den Kopf aus der Schlinge und sicherte den vierten Platz, der gerade noch zur direkten Qualifikation berechtigt. Satte sechs Niederlagen kassierte Argentinien im Verlauf der Gruppenphase, darunter die bittere 1:3-Pleite im Heimspiel gegen den Erzrivalen Brasilien und das hochpeinliche 1:6 in der Höhe von La Paz gegen Außenseiter Bolivien.
Argentiniens Trainer Diego Maradona. (Foto: imago)Von Diego Maradona ist man ja einiges gewöhnt im Verlauf dieser einmaligen, wechselvollen Karriere. Aber mit seinen vulgären Schimpfkanonaden nach der geschafften Qualifikation betrat selbst das Enfant terrible Neuland. Er beschimpfte seine Kritiker vor laufenden Kameras aufs Übelste. Der Ausbruch macht deutlich, unter welch großem Druck die Fußball-Legende stand und weiter steht. Fast hatte man den Eindruck, als wolle der mit Pelé wohl beste Fußballer aller Zeiten sein ramponiertes Image mit dem Job als Nationaltrainer vollends zerstören. Als Maradona 2008 Nationaltrainer Argentiniens wurde, war die Fachwelt jedenfalls überrascht - um nicht zu sagen geschockt.
Denn der Weltmeister von 1986 hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei nennenswerte Erfahrung, die ihn für den Job qualifiziert hätte. Seine beiden Ausflüge ins Trainerfach bei Deportivo Textil Mandiyu (1994) und Racing Club Avellaneda (1995) kann man getrost als misslungene Tests bezeichnen. Der Fußballverband und Maradona selbst hatten einiges zu verlieren, für beider Reputation war die Qualifikation schlicht ein Muss. Nachdem das geschafft ist, hoffen nun die Fans, dass der persönliche Freund von Fidel Castro die Ruhe findet, das Mannschaftskollektiv zur stärken und Charisma, Erfahrung und Fußballwissen für sein Team nutzbar zu machen. Für die lästige Detailarbeit hat ihm der Verband Carlos Bilardo zur Seite gestellt, seinen früheren Weltmeistertrainer.
Ronaldo hin, Rooney her, der beste Fußballer der Welt heißt Lionel Messi. Fußballfans in aller Welt vergöttern den Star vom FC Barcelona, der über Cristiano Ronaldos Technik verfügt, aber auch Demut kennt, der Wayne Rooneys Durchsetzungskraft hat, aber besser erzogen ist. Messi ist der komplette Fußballer. Der König der Dribbler ist mit dem Ball am Fuß kaum zu stoppen. Er kann das Spiel lenken, öffnen und entscheiden. Der begnadete Techniker spielt eigennützig, wenn nötig, und uneigennützig, wenn möglich. Selbst Kopfballtore hat er im Repertoire, obwohl La Pulga, der Floh, nur 1,69 Meter groß ist. Mit gerade einmal 22 Jahren hat er schon alle relevanten Titel des Vereinsfußballs gewonnen. Die ganze Welt beneidet Barca um diesen Fußballzauberer, der unter 250 Millionen Euro offiziell nicht zu haben ist. In der Nationalelf allerdings hat er noch etwas zu beweisen, hier bleibt er häufig hinter seinem Können zurück. Selbst Maradona, der in Messi seinen legitimen Nachfolger sieht, kritisierte jüngst seinen besten Spieler.
Allein von den Namen her schickt Argentinien eine der weltbesten Mannschaften zum Turnier nach Südafrika. Einige Stars allerdings sind in die Jahre gekommen: Javier Zanetti (36 Jahre, Inter Mailand), Juan Sebastian Veron (34, Estudiantes), Gabriel Heinze (31, Marseille) oder Torwart Abbondanzieri (37, Boca Juniors). Andere, wie Münchens Martin Demichelis, suchen ihre frühere Form. Auch Superstar Lionel Messi hat im Nationaltrikot nicht immer überzeugt. Eine Mannschaft mit diesen Spielern sollte aber in jedem Fall in der Lage sein, bis ins Viertelfinale vorzudringen. Alles andere wäre schlicht eine Schande.
Argentinien im Überblick:
| |
Spitzname | Albiceleste (Die Himmelblauen) |
Trainer | Diego Maradona |
Kapitän | Javier Mascherano |
Größter Erfolg | Weltmeister 1978, 1986 |
FIFA-Weltranglistenplatz | 8 |
Bisherige WM-Teilnahmen | 14 |
Quelle: t-online.de
Fans sollen über weiteres Vorgehen entscheiden.
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