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Zwei Pässe |06.07.2018|09:45

5. Liga: Lerandy ist bei WM für Frankreich

Zwei Herzen schlagen bei der WM in seiner Brust: Ex-Profi Marc Lerandy.[Foto: Imago (2) / Collage: FUSSBALL.DE]

Sechs Franzosen in einem Team: Für einen deutschen Amateurklub ist das sicherlich rekordverdächtig, auch wenn der ziemlich nahe an der Grenze zum Nachbarland beheimatet ist. Beim SV Oberachern allerdings liegen nicht nur "Schwarz-Rot-Gold" und die Trikolore ganz dicht beieinander, sondern kicken Spieler aus noch sechs anderen Nationen miteinander in der Oberliga-Mannschaft: Kroaten, Türken, Italiener, ein Spanier, ein Deutsch-Ungar und ein Marokkaner.

Klar, dass da auch der Trainer eine bunte Vita hat: Marc Lerandy, in Schwanau-Allmannsweier im Schwarzwald geboren und als Aktiver unter anderem für den SC Freiburg und den 1. FC Saarbrücken am Ball, besitzt zwei Pässe. Seine Mutter ist Deutsche, deren Nachnamen Zehnle er auch bis zu seinem 25. Lebensjahr trug, ehe Marc Lerandy lieber wie sein aus der früheren französischen Übersee-Kolonie Martinique stammender Vater heißen wollte.

Im Interview mit FUSSBALL.DE erklärt der 36-jährige Ex-Profi, wie Frankreich erst das Viertelfinale am Freitag gegen Uruguay und dann die WM gewinnen kann und wie es nach dem DFB-Aus in Russland um die deutsch-französische Freundschaft beim SV Oberachern bestellt ist.

FUSSBALL.DE: Marc Lerandy, wer ist in Ihrem Team jetzt in der Überzahl, noch die Deutschen oder schon die Franzosen beziehungsweise Sympathisanten von „Les Bleus“?

"So lange Deutschland noch dabei war, habe ich natürlich zum DFB-Team gehalten"

Marc Lerandy: Da die Deutschen schon ausgeschieden sind, überwiegen natürlich die Farben der Mannschaften, die noch im Turnier sind, also im Falle unserer Spieler Frankreich und Kroatien. Der eine oder andere kommt gerne im Nationaltrikot seines Heimatlandes zum Training, auf dem Platz aber haben wir dann alle eine einheitliche Kluft vom SV Oberachern an. Am Freitag machen wir uns auf dem Vereinsgelände auf jeden Fall einen schönen Fußballtag. Wer kann, kommt schon um 16 Uhr zum Spiel Frankreich gegen Uruguay. Danach trainieren wir und gucken dann abends im Vereinsheim gemeinsam Brasilien gegen Belgien.

Wie kommt es, dass der SV Oberachern solch eine französische Hochburg ist? Hat es nur mit der Grenznähe zu tun oder sind Sie als französisch-sprechender Trainer das Zugpferd für Spieler aus dem Nachbarland?

Lerandy: Das hat weniger mit mir zu tun, denn mein Französisch ist okay, aber sicher nicht perfekt. Ich habe zwar durch meinen Vater französische Wurzeln, bin aber als Kind nicht zweisprachig aufgewachsen und habe Französisch, wie so viele andere auch, erst in der Schule gelernt. Auch schon bevor ich Trainer beim SV Oberachern wurde haben hier im Verein immer einige Franzosen gespielt. Das ist eindeutig auf die unmittelbare Grenznähe zurückzuführen, die Spieler sind in zehn bis 15 Minuten in Kehl, wo es rüber nach Frankreich geht. Allerdings lege ich Wert darauf, dass bei uns Deutsch gesprochen wird, damit haben die Franzosen und auch Kroaten im Team auch keine Probleme.

Was macht aus Ihrer Sicht den Unterschied zwischen dem deutschen und dem französischen Fußball aus?

Lerandy: Wenn ich das Thema mal auf uns in der Oberliga herunterbrechen darf, dann ist es schon so, dass die Deutschen nach wie vor physisch und läuferisch stärker sind und die Franzosen noch mehr den technisch feineren Fußball bevorzugen. Daher achte ich als Trainer besonders darauf, dass es bei uns mit den Franzosen nicht Überhand nimmt (lacht) .

Für wen schlägt denn Ihr Herz bei der WM?

Lerandy: So lange Deutschland noch dabei war, habe ich natürlich zum DFB-Team gehalten. Seit der Weltmeister raus ist, bin ich schon auch für Frankreich, schließlich fließt in meinen Adern deutsches und französisches Blut. Außerdem spielen in der „Equipe Tricolore“ ja auch einige Profis, die, wie mein Vater, ihre Wurzeln in den früheren Kolonien haben. Daher ist eine gewisse Verbundenheit da.

Was erwarten Sie persönlich von „Les Bleus“ im Viertelfinale gegen die unbequemen „Urus“?

Lerandy: Das wird eine sehr schwere Aufgabe für Frankreich, das in der Partie ja gemeinhin als Favorit gehandelt wird. Ich muss zugeben, dass mich Uruguay fasziniert. Die Truppe hat sich den Einzug ins Viertelfinale mit ihrer leidenschaftlichen Art und körperlich schonungslosen Spielweise einfach verdient. Das verdient Respekt, gerade von mir als früherem Abwehrspieler (lacht) . Also: Wenn Frankreich gewinnt, geht es mir ans Herz, aber falls Uruguay weiterkommen sollte, freue ich mich für den Fußball.

Erst mit dem spektakulären 4:3 im Achtelfinale gegen Argentinien scheint Frankreich so richtig im Turnier angekommen zu sein, besonders durch den unglaublichen Kylian Mbappé! Wird er auch gegen Uruguay den Unterschied ausmachen?

Lerandy: Das kann gut sein! Gegen Argentinien hat er eine erste richtige Duftmarke gesetzt, das war sehenswert, der Sprint vor dem Elfmeter, der zum 1:0 geführt hat und bei den eigenen Treffern die Abgezocktheit vor dem Tor. Der Junge ist erst 19, du meine Güte! Wenn man bedenkt, dass er vielleicht erst bei 70, 80 Prozent seines Potenzials angekommen ist, dann darf man von ihm in Zukunft sicher noch eine Menge erwarten.

Sie haben es angesprochen: Sie waren früher selbst Abwehrspieler. Achten Sie bei der WM besonders darauf, wie sich die Defensivspieler anstellen und was Ihre Spieler beim SV Oberachern von Stars wie Raphael Varane oder Samuel Umtiti lernen können?

Lerandy: Ja und nein! Natürlich schaue ich mir genau an, wie sie sich bewegen und wie sie sich taktisch verhalten. Aber noch mehr achte ich eigentlich darauf, was die Stürmer machen und wie man sich in der Defensive dagegen wappnen kann. Da liefert die WM super Anschauungsunterricht für meine Arbeit als Trainer in einem Amateurklub, ganz klar!

Einen Sieg über Uruguay vorausgesetzt, wartet im Halbfinale der Gewinner der Partie zwischen Brasilien und Belgien auf Frankreich. Das hört sich nach einem vorweg genommenen Endspiel an, oder?

Lerandy: Auf jeden Fall! Ich glaube auch, wenn sich Frankreich gegen Uruguay durchsetzt, dann kommen sie auch ins Finale und können Weltmeister werden. Die Franzosen haben den besten Kader, mit herausragenden Stars wie Griezmann, Mbappé und Pogba, sind aber vor allem in der Breite am besten von allen Mannschaften aufgestellt. Und dazu haben sie in Didier Deschamps einen Trainer, der schon einmal Weltmeister geworden ist und daher weiß, wie es geht.

Und wenn „Les Bleus“ den Goldpokal holen, wird in Oberachern richtig gefeiert?

Lerandy: Davon können Sie ausgehen! Im Stadtgarten gibt es ein großes Public Viewing, da war jetzt schon immer eine Menge los. Da sich Deutschland leider so früh von der WM verabschiedet hat, sind hier, direkt an der Grenze, jetzt alle für Frankreich.

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