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Ex-Profi |14.08.2017|12:00

Algan: Erfolgstrainer und Spanisch-Lehrer

Im Mittelpunkt bei Altona 93: Aufstiegstrainer Berkan Algan. [Foto: noveski.com]

Der Hamburger Regionalliga Nord-Aufsteiger Altona 93 ist aktuell in aller Munde. Schließlich sorgte der Traditionsverein mit einem fulminanten 3:3 im Testspiel gegen Premier League-Klub West Ham United und mit dem 2:1-Auswärtserfolg beim DFB-Pokal-Teilnehmer Lüneburger SK für Furore. Auch beim jüngsten 1:2 gegen den VfB Oldenburg war Altona lange auf der Siegerstraße. Trainer des Liganeulings ist seit 2015 Ex-Profi Berkan Algan. Der 40 Jahre alte Deutsch-Türke, der früher unter anderem für den FC St. Pauli, den Hamburger SV, Bursaspor in der Türkei und den FC Haka in Finnland am Ball war, führte die Hanseaten nach acht Jahren Abstinenz zurück in die vierte Liga und will sich dort mit dem Klub etablieren.

Im aktuellen FUSSBALL.DE -Interview spricht Berkan Algan über den Saisonstart, das Highlight gegen West Ham United, Probleme wegen der vielfarbigen Trikots von Altona und seine selbstständige Arbeit als Inhaber einer Sportsbar.

FUSSBALL.DE: Erst das spektakuläre Remis im Test gegen den englischen Erstligisten West Ham United, dann der Sieg bei Spitzenreiter Lüneburger SK und zuletzt die starke Leistung gegen den VfB Oldenburg: So langsam scheint Ihr Team in Fahrt zu kommen, Herr Algan!

Berkan Algan: So würde ich das nicht sagen. Das hört sich ja so an, als ob wir in den kommenden Wochen die Regionalliga aufmischen würden. Sicher freuen wir uns über die guten Leistungen. Allerdings wissen wir, dass es für uns um nichts anderes als um den Klassenverbleib geht. Wir wollen so schnell wie möglich die 40-Punkte-Marke knacken.

"Ich habe zunächst sechs Semester Jura studiert. Ich habe aber gemerkt, dass ich mir nicht wirklich vorstellen kann, in diesem Bereich zu arbeiten. Sich zum Teil für Leute einzusetzen, die Unrecht getan haben, hätte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können"

Das Duell mit West Ham United war aber trotzdem ein Highlight, oder?

Algan: Auf jeden Fall. Die Partie war nicht nur für den Verein, sondern für den gesamten Stadtteil etwas Besonderes. Ein etablierter Premier League-Klub zu Gast in Altona: das passiert nicht alle Tage.

Sowohl beim 1:2 gegen den TSV Havelse zum Saisonauftakt als auch zuletzt gegen den VfB Oldenburg hatte Ihre Mannschaft gut mitgehalten und führte zwischenzeitlich. Wie zufrieden Sie sind Sie mit dem Start in die erste Regionalligaspielzeit seit 2008/2009?

Algan: Meiner Meinung nach waren wir gegen den TSV Havelse phasenweise sogar die bessere Mannschaft. Wir haben uns sehr gut präsentiert und den Fans ein unterhaltsames Spiel geboten. Ein Remis wäre verdient gewesen. Wir haben die Niederlage aber gut verarbeitet. Nach den Siegen in Lüneburg und im Verbandspokal beim Bezirksligisten SC Hansa 11 (4:1, Anm. d. Red.) sind wir mit viel Selbstvertrauen in das Spiel gegen den VfB Oldenburg gegangen. Und auch gegen Oldenburg haben wir stark aufgespielt und bis Mitte der zweiten Halbzeit verdient geführt. Dann bekommen wir innerhalb kurzer Zeit zwei Gegentore und verspielen den Sieg. Es war eine sehr unnötige Niederlage. Wir blicken aber schnell wieder nach vorne. Uns stehen jetzt in Rehden, Lübeck und Flensburg drei schwere Auswärtsspiele bevor.

Gegen Havelse war kurios, dass der TSV mit Trainingsleibchen spielen musste, weil die Altona-Trikots vielfarbig sind (Schwarz-Weiß-Rot). Glauben Sie, dass das noch öfter vorkommen wird ?

Algan: Ich hoffe nicht. Aber besser so, als wenn der Schiedsrichter wegen der Ähnlichkeit der Farben Fehlentscheidungen trifft. Fakt ist: Wir haben nicht vor, zuhause mit anderen Trikots zu spielen. Das sind unsere traditionellen Farben, zu denen wir stehen. Wir laufen seit 125 Jahren in diesen Farben auf und es gab nie Probleme.

Es ist für Sie als Trainer das erste Jahr in der Regionalliga. Wie groß ist der Unterschied zur Oberliga Hamburg?

Algan: Riesig. Die Spielgeschwindigkeit in der vierten Liga ist beispielsweise eine ganz andere. Auch die individuelle Klasse einzelner Spieler ist enorm hoch. Wir wussten aber, was auf uns zukommt, und waren darauf eingestellt. Wir versuchen, mit unseren nicht professionellen Bedingungen in der Liga Fuß zu fassen. Damit das möglich ist, mobilisieren viele Leute im Verein noch mehr Kräfte als zuvor. Die gemeinsame Arbeit macht sehr viel Spaß.

Welche Ziele verfolgen Sie als Trainer?

Algan: Genau wie zu meiner Zeit als aktiver Fußballer will ich so hoch wie möglich kommen. Als Spieler hat mich leider eine schwere Schulterverletzung aus der Bahn geworfen und eine erfolgreichere Karriere verhindert. Aber auch das hat mich nicht umgehauen. Im Gegenteil! Weil ich meine Profikarriere nicht fortsetzen konnte, habe ich angefangen zu studieren und mich mit einer eigenen Sportsbar in Altona selbstständig gemacht. Das hätte ich beides mit Sicherheit nicht getan, wenn ich bis zu meinem 35. Lebensjahr professionell Fußball gespielt hätte.

Was haben Sie studiert?

Algan: Ich habe zunächst sechs Semester Jura studiert. Nach meinem ersten längeren Praktikum habe ich aber gemerkt, dass ich mir nicht wirklich vorstellen kann, in diesem Bereich zu arbeiten. Sich zum Teil für Leute einzusetzen, die Unrecht getan haben, hätte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können. Danach habe ich angefangen, Sport und Spanisch auf Lehramt für Oberstufenschüler zu studieren. Darin bin ich aufgegangen. Es hätte mir gut gefallen, in der Schule jungen Menschen etwas beizubringen und sie bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Aber leider konnte ich das Studium nicht abschließen. Kurz vor dem Staatsexamen musste ich es abbrechen. Die Sportsbar, die ich jetzt seit 14 Jahren leite, und der Fußball hatten zu viel Zeit in Anspruch genommen. Umsonst war mein Studium aber auf keinen Fall. Ich beherrsche jetzt die Sprache und gebe gelegentlich Nachhilfestunden in Spanisch. Und wer weiß? Vielleicht schließe ich mein Studium ja irgendwann doch noch ab. Ich mag es nicht, Dinge im Leben nicht zu Ende zu bringen.

Wie können wir uns Ihre Sportsbar vorstellen?

Algan: Es ist keine klassische Sportsbar, in der ich einfach nur regelmäßig Fußballspiele zeige und Getränke ausschenke. Meine Sportsbar ist vielmehr ein Treffpunkt für ehemalige Fußballer. Auch frühere Mitspieler von mir darf ich immer mal wieder bei mir begrüßen. Außerdem sind Familien mit Kindern gerne gesehen. Ich führe also keine Kneipe, sondern eher ein Restaurant in lockerer Atmosphäre.

Sie sagen, Sie wollen so hoch wie möglich kommen. Wo wollen Sie dann mit Altona 93 hin?

Algan: Kurzfristig geht es darum, den Verein in der Regionalliga zu etablieren. Langfristig verfolge ich den Traum, den Verein in die 3. Liga zu führen. Aber das ist Zukunftsmusik.

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