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Amateur-Alltag |12.01.2019|12:00

Amateur-Ernährung: "Benzin für das Spiel"

Trotz der guten Vorsätze im neuen Jahr muss das „Low-Carb-Chicken-Couscous“ schon bald wieder der „Manta-Platte“ weichen.[Foto: imago/Ulrich Roth]

Fußball-Weisheit #78 „Das ist mein Benzin für das Spiel.“ (Ansgar Brinkmann zu seinem Arminia-Trainer Möhlmann, als er beim Auswärtsspiel in Bochum eine Stunde vor Anpfiff in der Kabine genüsslich eine Schale Pommes-Schranke verschlang. Möhlmann ging – wenig überraschend – beinahe an die Decke. Brinkmann bereitete beim folgenden 4:1-Sieg zwei Tore vor.)

Da klimpert’s kräftig im Phrasenschwein. Ein Glück, dass der „weiße Brasilianer“ Brinkmann so viel fußballerisches Talent in die Wiege gelegt bekam. Als Ernährungscoach hätte er seine Brötchen wohl kaum verdienen können. Man mag argumentieren, dass die starke Leistung ihm Recht gegeben hätte, aber frittierte Kartoffeln in einem Ketchup-Mayo-Gemisch zu ersaufen und die Beilage der berühmten „Manta-Platte“ (vervollständigt durch eine Low-Carb-Currywurst) als „Sportler-Benzin“ zu bezeichnen, widerspricht wohl ziemlich allem, was Ernährungswissenschaftlern in ihrem Studium so gelehrt wird. Die Frage nach der richtigen Ernährung stellt sich derzeit ohnehin ganz Deutschland. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat gerade den großen „Ernährungsbericht 2019“ vorgestellt, in dem die Essgewohnheiten der Deutschen aufgezeigt werden. Die meisten von ihnen wollen sich zwar gesund ernähren, aber der Geschmack stehe natürlich an erster Stelle. Unsere Ministerin gibt nun das Ziel aus: Zucker, Salze und Fette sollen in den Produkten reduziert werden, die auf unseren Esstischen landen.

Profi-Kicker wissen in der Regel, worauf sie kulinarisch zu achten haben. (Keine Sorge, es soll hier nicht um Gold-Steaks gehen.) Um fit zu bleiben, bekommen sie vom Verein nur sportlerfreundliche Nahrung serviert. Und wenn dir deine Karriere am Herzen liegt, biegst du auf dem Heimweg nach dem Training auch nicht täglich bei „Ingos Schnitzeltreff“ ab. Profi mit Gewichtsproblemen gibt es zwar nicht erst seit dem kürzlich bei Carl-Zeiss Jena entlassenen Kevin Pannewitz, der mit über 100 Kilo aus dem Urlaub zurückkehrte, aber bleiben doch die Ausnahme. Im Amateurbereich sieht die Lage leider ganz anders aus. Hier werden die Spieler im Vereinsheim nicht von Sterneköchen versorgt. Auf dem Dorfsportplatz werden maximal Bratwürste gewendet, Pommes frittiert und Mettbrötchen kopfüber in den Zwiebeleimer gepresst – eine „Tankstelle à la Brinkmann“, wenn man so will.

„My body is a temple“

„Bier ist isotonisch“

Doch gerade zum Jahreswechsel, an dem die guten Vorsätze Hochkonjunktur haben, nehmen sich auch viele Kreisligaspieler vor, kulinarisch bewusster durchs Leben zu gehen. Motiviert durch den Kauf einer „Men's Health“ (Aufmacher-Artikel: „Fatburner – Mehr Muskeln und weniger Fett in nur 8 Wochen“) sagen sie den Pfunden den Kampf an. Das Coverbild mit dem brutal aufgepumpten und noch brutaler gephotoshoppten Hugh Jackman liefert die optische Zielsetzung direkt mit. In Zahlen heißt das: Mindestens 10 Kilo Fett sollen in den nächsten zwei Monaten runter. Dass die Spieler nach besagter Zeit ganze 15 Kilo von diesem Ziel trennen, hängt neben dem nach drei Tagen eingestellten Training auch mit der Ernährung zusammen. Am ersten Abend wurde noch hochmotiviert das „Low-Carb-Chicken-Couscous“-Rezept nachgekocht (inklusive Instagram-Foto „#foodporn #mybodyisatemple“), danach wurde aber wieder – mit anfangs noch schlechtem Gewissen – auf die 20er Chicken McNuggets mit vierfach Barbecue-Soße umgestiegen (inklusive Instagram-Foto „#kleinevorspeise lol“).

In der Kreisliga wird halt noch gegessen, was auf den Tisch kommt. Hier werden nicht die Kalorien von den Verpackungen notiert und per Dreisatz zusammengerechnet. Hier gibt es kein Gold-Steak, sondern goldene Regeln: „Drei Bier sind auch ein Schnitzel.“ Friss das, du abgemagerter Erbsenzähler! Dennoch: Auch Amateur-Kicker verfügen durchaus über ein Grundwissen, was verschiedene Lebensmittel mit ihrem Körper so anstellen. Der große Klassiker der Laien-Sportküche: Nudeln. Die gehen eigentlich immer, von morgens bis abends. Kohlenhydrate sollen ja irgendwie Kraft geben, hat mal jemand herausgefunden. Entscheidend für ihre Beliebtheit ist ihre einfache Zubereitung: Wasser in den Topf, heiß machen, Nudeln rein, umrühren, Nudeln raus, Fertigsoße aus dem Tetra-Pak drauf, fertig. Wer sich als ganz großer Gourmet und „Chef de Cuisine“ beweisen will, schmeißt noch eine großzügige Ladung grob (!) geraspelten Parmesan (für Kenner natürlich der „Grana Padano“ (gibt es günstig bei „Netto“, aber pssst...)) quer über den Teller. Et voilà! Langzeitstudenten wissen darüber hinaus, dass man auch mit einem Glas „Pesto à la Genovese“ punkten kann. Was ein Thomas Müller in der Werbung inhaliert, kann für einen Sportler so schlecht nicht sein.

Getränkedosen als massive Einnahmequelle

Kleine Snacks können unmittelbar vor dem Spiel können natürlich auch als wertvolle Energieträger dienen. Die „Protein-Bars“, die sich der Nachbars-Ochse immer nach dem Besuch der Muckibude querschiebt, sollen den Oberschenkelumfang während des Spiels angeblich um drei bis fünf Zentimeter anwachsen lassen. Forscher beschäftigen sich derzeit intensiv mit der Frage, wie viel Zugewinn an Schusshärte das für den konsumierenden Spieler bedeutet. Traubenzucker hilft ebenfalls, um den Körper in Wallung zu halten. Es ist dennoch nicht zu empfehlen, sich „Dextro Energen“ wie Smarties einzuwerfen oder – wie es ein Kollege tatsächlich mal wegen der angeblichen schnelleren Aufnahme des Körpers gemacht hat – sich die Stückchen zerhackt durch die Nase zu ziehen (auf keinen Fall nachmachen, soll tierisch brennen!). Zum Aufputschen kann man schon eher zu koffeinhaltigen Getränken greifen. Doch auch da bleiben Fehler nicht aus: Ein Liter Kaffee kann, unmittelbar vor dem Spiel runtergekippt, während des Spiels im Magen- und Verdauungstrakt ganz schön rumoren. Andere schwören auf Energy-Drinks. In jedem Team gibt es den einen Suchti, der allein mit seinem Dosenpfand Ende des Monats seine Kaltmiete bezahlen könnte. Aufgrund ihres hohen Zucker- und Säuregehalts sind die Drinks aber auch eher ungeeignet.

Nach dem Spiel berufen sich Amateur-Kicker auf eine weitere goldene Regel: „Bier ist isotonisch.“ An dieser Stelle will ich auch keine Bedenken schüren, die ich durch mühsam gegoogelte Hintergrundinformationen zum Thema Alkohol recherchiert habe. Wer dem Kreisliga-Spieler sein After-Match-Bier madig reden will, verliert seine Leser vermutlich schneller als ihm lieb ist. Und ihr habt ja Recht: Die Bayern lassen sich auch jedes Jahr mit einer Maß Bier auf dem Oktoberfest ablichten. So schlecht kann ein kühles Blondes dann auch nicht sein.

Wer seine Vorsätze nach knapp zwei Wochen des neuen Jahres noch nicht begraben hat, sollte sich nicht demotivieren lassen: Avocado-Quinoa-Müsli und vegane Kicherkürbissuppe sind dem Körper sicher zuträglicher als der Müll, den sich viele von uns sonst so regelmäßig reindrücken. Aber man sollte sich auch keine Illusionen machen: Einem Kreisliga-Kicker wird wohl kein wissenschaftlicher Befund, und sei er noch so eindrücklich, den Appetit auf eine grundsolide „Manta-Platte“ nehmen. Am Ende gilt immer: „Du kannst Ansgar aus dem Schnitzeltreff holen, aber den Schnitzeltreff nicht aus ihm.“ Guten Hunger allerseits!


Joel Grandke, Buchautor und aktiver Amateurkicker aus Hamburg, spürt in seiner wöchentlich auf FUSSBALL.DE erscheinenden Kolumne der Faszination Amateurfußball nach. Stets mit einem Augenzwinkern.

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