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DFB im Dialog |25.11.2020|08:30

Anti-Rassismus: "Es geht um Menschen & Werte"

Günter Distelrath: "Rassistische Anfeindungen sind unerträglich und inakzeptabel. Hier muss sich der Fußball immer wieder klar dagegenstellen."[Foto: Thomas Böcker/DFB]

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Diesen Mittwoch findet die DFB-Jahreskonferenz der Gesellschaftlichen Verantwortung statt. Rassismus im Fußball - insbesondere struktureller Rassismus - wird ein Kernthema sein. Rund 200 Mitarbeiter*innen aus den Landesverbänden und Expert*innen aus den DFB-Gremien nehmen an der digital durchgeführten Konferenz teil. Günter Distelrath verantwortet im DFB-Präsidium die Bereiche Integration, Vielfalt und Anti-Diskriminierung.

Der 71-jährige gebürtige Salzgitteraner hat darauf hingewirkt, dass eine Podiumsdiskussion mit Cacau, Jimmy Hartwig und Schiedsrichterin Riem Hussein sowie ein Inputreferat über strukturelle Ausgrenzung der Bildungswissenschaftlerin Jennifer Danquah sich um ein Thema drehen werden, das den Spitzenfußball wie auch den Amateurfußball immer wieder einholt.

FUSSBALL.DE: Herr Distelrath, im Frühjahr kam es gegen Herthas Jordan Torunarigha und in der 3. Liga gegen den Würzburger Leroy Kwado zu rassistischen Anfeindungen. Zuletzt wurde der damals noch 15-jährige Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund auf beschämende Weise angepöbelt. Immer wieder passiert etwas. Auf den Rängen, auch auf den Amateurplätzen. Was läuft schief?

Günter Distelrath: Solche Anfeindungen sind unerträglich und inakzeptabel. Hier muss sich der Fußball immer wieder klar dagegenstellen. Und das macht er auch. Gleichzeitig verzeichnen wir in den vergangenen vier Spielzeiten vergleichsweise wenige diskriminierende Vorfälle im Amateurfußball. Der Wert lag bei rund 0,20 Prozent. Doch wenn wir über Rassismus im Fußball reden, über Anfeindungen gegen junge Spieler, können und dürfen wir uns nicht damit zufriedengeben, dass so etwas recht selten passiert. Es geht eben nicht um Zahlen und Statistiken, sondern um Menschen und Werte. Mich stimmt positiv, dass immer mehr gegen Rassismus aufstehen. Ich denke an den Stadionbesucher, der als die Schweigeminute für die Opfer des Anschlags in Halle unterbrochen wurde, den Störer sehr klar zurechtwies.

"Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass gerade bei Themen wie kultureller Vielfalt oder Anti-Diskriminierung der Fußball eine ungeheuer starke Stimme hat, die in alle Winkel unserer Gesellschaft vordringt"

Das war im Oktober 2019 beim Länderspiel gegen Argentinien in Dortmund.

Distelrath: Genau. Oder ich denke an die Anfeindung gegen Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers, als andere Fans den rassistischen Störer ins Abseits gestellt haben. Das sind so zwei Beispiele, die mich zumindest ein bisschen optimistisch stimmen. Wir müssen aufstehen, aber nicht nur, um die Tore zu bejubeln. Mir hat auch die Reaktion des FSV Mainz 05 sehr gefallen, als jemand seine Mitgliedschaft aufgekündigt hatte, weil sich in der Startformation neun Spieler mit dunkler Hautfarbe befanden. Der Verein antwortete, dass man sich über den Austritt freue, da der Fan ja eindeutig nicht über die Wertebasis von Mainz 05 verfüge. Von dieser Haltung brauchen wir mehr.

Es geschieht viel Positives, aber ein gewisser Prozentsatz von Menschen in Deutschland vertritt öffentlich rassistische Positionen. Verhöhnt schwarze Spieler mit Affenlauten. Schwafelt von Umvolkung und minderwertigen Kulturen. Wie enttäuschend ist es gerade für die erste Nachkriegsgeneration, dass Rassismus in Deutschland zumindest in manchen Gruppen wieder so offen und dreist zu Tage tritt?

Distelrath: Ganz klar, für meine Generation war dieses "Nie wieder" absolut prägend. Das war und ist der Leitsatz, vielleicht mehr noch als der später Geborenen. Dieses dunkelste Kapitel deutscher Geschichte darf sich nie mehr wiederholen. Dabei müssen wir uns vergegenwärtigen, dass Rassismus nicht alleine eine Ausprägung bei den extremen Rändern ist, sondern inzwischen leider auch der Mitte der Gesellschaft entspringt. 

Wie hat der DFB auf die Fälle zum Jahresbeginn reagiert?

Distelrath:  Der erste Schritt ist immer das Gespräch. Im Frühjahr haben wir Vertreterinnen und Vertreter aus der jüdischen und aus der muslimischen Gemeinde, wie auch aus den Flüchtlingsorganisationen zu einem 'Experten-Hearing Rassismus' in die DFB-Zentrale nach Frankfurt eingeladen. Fritz Keller und ich nahmen daran teil. Ich erinnere mich, wie damals Gerald Asamoah und Jimmy Hartwig über ihre Erfahrungen mit Rassismus berichteten. Sie haben mehr Einsatz von uns gefordert. Das alles ist ja nicht neu. In den siebziger Jahren gab es Diskussionen, als Erwin Kostedde Nationalspieler wurde. Damals war es für viele Fußballanhänger unvorstellbar, dass ein schwarzer Spieler im DFB-Dress spielt. Solche Diskussionen gibt es gottseidank schon lange nicht mehr. Bei Serge Gnabry redet man über sein großes Können oder diskutiert darüber, wo er am besten eingesetzt wird – aber doch nicht mehr über seine Hautfarbe.

Also doch eine positive Entwicklung?

Distelrath:  Ich meine schon. Wenn ich sehe, was wir erreicht haben und wo wir heute als Gesellschaft stehen, ermutigt mich das eher.

Sie haben Rassismus zu einem der Kernthemen der Jahreskonferenz Gesellschaftliche Verantwortung gemacht. Was erwarten Sie sich?

Distelrath:  Wir veranstalten diesen Jahresabschluss seit 2015, in diesem Jahr leider nur virtuell. Ich verspreche mir einen Austausch unter den Landesverbänden. Wir können immer voneinander lernen. Bei uns hier in Niedersachsen haben wir das Projekt 'Sport mit Courage' mit dem Landessportbund vereinbart und damit unsere Arbeit gegen Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus nochmal erweitert und intensiviert. 

Cacau und Jimmy Hartwig setzen sich im Auftrag des DFB für Integration, Fair Play und gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Beide besuchen für den DFB seit einigen Jahren Vereine und Veranstaltungen.

Distelrath:  Durch Covid-19 sind unsere Anstrengungen zwar nicht verschwunden, aber doch in den Hintergrund geraten. 2019 konnten wir unter Cacaus Schirmherrschaft noch das DFB-Integrationskonzept in einem partizipativen Prozess mit fünf Events im Land überarbeiten. Wir wollen dies im Frühjahr 2021 mit einem regionalen Dialogansatz in die Umsetzung bringen, da ich meine, dass in den einzelnen Landesverbänden unterschiedliche Problemlagen zu beachten sind. Damit hätten wir gerne schon 2020 angefangen.  

Wann beginnt das neue Leadership-Programm des DFB?

Distelrath:  Im Oktober haben wir die Vorbereitungen für ein Leadership-Programm für Menschen mit einer familiären Einwanderungsgeschichte gestartet. Dieses Leadership-Programm ist eine der zentralen Maßnahmen des neuen DFB-Integrationskonzeptes. Wir wollen pro Landesverband einer Person, die eine familiäre Einwanderungsgeschichte mitbringt, bereits jetzt ehrenamtlich im Verein tätig ist und sich künftig beim Landesverband einbringen möchte, die Möglichkeit zur persönlichen und professionellen Weiterbildung geben. Um diese Position einzunehmen, also um künftig in der Gremienarbeit in einem Landesverband mitarbeiten zu können, braucht es eine Förderung. Die wollen wir mit dem Leadership-Programm ermöglichen. Gleichzeitig hat die DFB-Stiftung Egidius Braun unter Leitung meines Präsidiumskollegen Dirk Janotta ein Programm gestartet für Menschen mit Fluchterfahrung. Hier wollen wir die Teilnehmer befähigen, neben oder statt ihrer Aufgabe auf dem Platz ehrenamtlich eine Vorstandsposition oder in einem Vereinsgremium zu übernehmen. Das ergänzt sich also sehr gut.

Der Fußball auf dem Platz ist sehr vielfältig aufgestellt. Jedes vierte DFB-Mitglied hat einen Migrationshintergrund. In den Büros und Konferenzsälen der Verbände schaut es noch anders aus. Wie zuversichtlich sind Sie, dass sich daran etwas ändern lässt?

Distelrath:  Grundsätzlich schon sehr zuversichtlich. Wir müssen jetzt mit den richtigen Maßnahmen loslegen. Wir müssen stärker rüberbringen, dass es Spaß macht, sich beim Ehrenamt einzubringen. Bislang sind Menschen mit einem Migrationshintergrund tatsächlich deutlich unterrepräsentiert. Seit drei Jahren leite ich als Präsident den Niedersächsischen Fußballverband und ich beobachte, dass wir, wenn wir eine Stelle ausschreiben, kaum Bewerbungen von Menschen mit einem Migrationshintergrund erhalten. Hier scheint eine Kluft zu bestehen. Vielleicht bestehen Vorbehalte, vielleicht braucht es andere Kanäle, jedenfalls ist eine Zurückhaltung erkennbar. 

Würde eine Quote helfen?

Distelrath:  Ich halte das für den falschen Weg. Wir müssen den Spaß an der Aufgabe mehr in den Mittelpunkt stellen. Dafür haben wir jetzt die Weichen gestellt.

Seit Herbst 2019 gehören Sie dem DFB-Präsidium an. Wie fällt die Bilanz des ersten Jahres aus?

Distelrath:  Meine Präsidiumsarbeit bei den Themen Integration, Vielfalt und Anti-Diskriminierung ist doch ganz erheblich durch die Pandemie ausgebremst worden. Wir wollten schon so viel mehr umgesetzt haben. Wir wollten das neue Integrationskonzept in den Landesverbänden ausrollen, Multiplikatoren-Veranstaltungen machen. Leider hat uns das Virus ausgebremst. Dafür haben wir in den Landesverbänden Anlaufstellen für Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle eingerichtet . Wir haben Online-Schulungen über Rassismus und Antisemitismus durchgeführt. Wir haben den 3-Stufen-Plan etabliert, das war ein Meilenstein beim Umgang mit rassistischen Angriffen in den Stadien. Wir haben die Initiative #meineStimmegegenHass bei Länderspielen vorgestellt. Wir haben einen jungen, frechen Vielfaltsspot produziert , der millionenfach gesehen wurde. In der Kommission Gesellschaftliche Verantwortung haben wir Veränderungen herbeigeführt. Statt AGs haben wir Expertengruppen gebildet und können dadurch zielgerichteter arbeiten. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass gerade bei Themen wie kultureller Vielfalt oder Anti-Diskriminierung der Fußball eine ungeheuer starke Stimme hat, die in alle Winkel unserer Gesellschaft vordringt. Aus dieser Stärke erwächst Verantwortung.

Nur wird diese Stärke des Fußballs leider gerade durch das Virus und die Lockdowns geschwächt.

Distelrath:  Wir vermissen die Fans in den Stadien, die Stimmung im bis auf die letzte Sitzschale gefüllten Stadion. Aber es hilft nicht. Die Zeit jetzt müssen wir einfach nutzen. Fürs Nachdenken und fürs miteinander reden.

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