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Hamburgs Oberligist Altona 93 |01.07.2015|15:35

Arvid Schenk: "The Big German Boy" kehrt heim

Jetzt neu bei Altona 93 in der Oberliga Hamburg: Arvid Schenk. [Foto: Imago]

Er erlebte eines der wohl aufregendsten Debüts im europäischen Profifußball. Jetzt aber ist Torhüter Arvid Schenk (25) zurück in Deutschland und steht ab der neuen Saison beim Traditionsverein Altona 93 in der Oberliga Hamburg zwischen den Pfosten. Schenk trägt nicht nur einen berühmten Namen, sondern stammt auch aus einer äußerst erfolgreichen Sportler-Familie. Großvater Eberhard Schenk war DDR-Meister im Hürdenlauf, Vater Christian gewann bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul für die damalige DDR sogar die Goldmedaille im Zehnkampf.

Sohn Arvid, geboren in Rostock, entschied sich aber schnell für den Fußball. Er durchlief die Jugendabteilung des FC Hansa, bei dem er 2008 den Sprung in die U 23 schaffte. Insgesamt acht Regionalliga-Spiele absolvierte er für die „Kogge“, bevor er 2009 zur zweiten Mannschaft des FC St. Pauli wechselte (55 Einsätze bis 2012). Danach wurde der VfL Wolfsburg auf ihn aufmerksam und lotste ihn in die Autostadt.

Die Karriere des 1,96 Meter großen Schlussmannes geriet bei den „Wölfen“ aber nach einer Verletzungsserie ins Stocken. Nach nur vier Einsätzen in zwei Jahren wurde sein Vertrag nicht verlängert. Als im Oktober 2014 dann das Angebot des schottischen Erstligisten FC Dundee auf dem Tisch lag, musste Arvid nicht lange überlegen und wagte den Schritt auf die Insel. Dort bestritt er zwar nur ein Ligaspiel, dafür aber ein denkwürdiges Derby.

Im aktuellen FUSSBALL.DE -Interview spricht Arvid Schenk mit dem Journalisten Peter Haidinger über seine Ziele mit Altona 93, die Ausbildung zum Kommunikations- und Marketingkaufmann, seinen schweren Verkehrsunfall, die Ernährungsumstellung und seinen Auftritt beim 2:6 im engsten Derby der Welt.

"Vielleicht hätte ich einen der sechs Treffer halten können. Wir lagen bereits nach 31 Sekunden zurück. Ich hatte den totalen Tunnelblick, wollte der Mannschaft Sicherheit geben"

FUSSBALL.DE: Sie sind kürzlich wieder in Hamburg angekommen. Wie fühlt sich das an, Herr Schenk?
Arvid Schenk: Während meiner Zeit beim FC St. Pauli habe ich auch eine emotionale Verbindung zur Stadt aufgebaut. Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein.

FUSSBALL.DE: Wie ist der Kontakt zu Altona 93 zustande gekommen?
Ich stand schon mehrere Wochen mit Altonas Manager André Jütting in Kontakt. Er kannte mich seit meiner Zeit bei Hansa Rostock und hat sich sehr um mich bemüht.

FUSSBALL.DE: Wie lauten Ihre Ziele mit Altona 93?
Um ganz ehrlich zu sein, habe ich noch keinen großen Überblick über die Leistungsstärke in der Oberliga Hamburg. Aber Altona 93 ist einer der größten Vereine der Liga. Ich bin hier angetreten, um den maximalen Erfolg zu haben.

FUSSBALL.DE: Altona 93 hat Ihnen beim Wechsel auch eine Ausbildung in Aussicht gestellt. Welchen Beruf werden Sie ergreifen?
Ich werde ab dem 1. August eine dreijährige Ausbildung zum Kommunikations- und Marketingkaufmann absolvieren. Nachdem der Schritt in den Profifußball aus verschiedensten Gründen nicht ganz geklappt hat, möchte ich nun zweigleisig fahren. Dabei werde ich den Fokus auf meine Ausbildung legen und trotzdem weiter ambitioniert Fußball spielen. Altona 93 hat für mich dieses Paket geschnürt und mir diese Möglichkeit gegeben, in einem vernünftigen Umfeld zu arbeiten.

FUSSBALL.DE: Wie sind Sie aktuell untergebracht?
Momentan lebe ich noch im Hotel in der Nähe vom Hamburger Rothenbaum. Noch ist die Suche nach einer passenden Wohnung für mich nicht abgeschlossen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es in den nächsten Tagen klappen wird.

FUSSBALL.DE: Warum ist aus der erhofften Profikarriere nichts geworden?
Es lag bestimmt nicht daran, dass ich Mist gebaut habe. Beim FC St. Pauli hatte ich unter Holger Stanislawski und später unter André Schubert sogar schon den Sprung in den Lizenzkader geschafft. Aber dann hat mein Körper gestreikt. Im Rückspiegel betrachtet, bin ich nicht gerade vom Glück verfolgt worden.

FUSSBALL.DE: Wie meinen Sie das?
Im Winter 2010 hatte ich einen heftigen Autounfall. Auf gefrorener Straße verlor ein entgegenkommendes Auto die Kontrolle und fuhr voll in mich rein. Ich wurde durch die Vorderscheibe meines Fahrzeugs geschleudert. Ich hatte mehrere Muskelabrisse und konnte meine linke Körperhälfte nicht mehr voll bewegen. Wie durch ein Wunder ist aber nichts Schlimmeres passiert. Seitdem ist der 27. Dezember wie ein zweiter Geburtstag für mich.

FUSSBALL.DE: Wie ging es dann weiter?
Ein Dreivierteljahr habe ich in der Reha an meinem Comeback gearbeitet. Dort lernte ich den Eishockey-Profi Christopher Fischer von Adler Mannheim kennen. Christopher, mit dem ich jetzt eng befreundet bin, riet mir damals, meine Ernährung umzustellen. Davon versprach ich mir einen schnelleren Heilungsprozess. Seitdem bin ich Veganer und kann nur positiv darüber berichten.

FUSSBALL.DE: Wie wirkte sich das körperlich bei Ihnen aus?
Trotz meines Unfalls habe ich es geschafft, weiter professionell Fußball zu spielen. Nach einem kurzen Abstecher zum VfL Wolfsburg II, bei dem ich unter Trainer Valerien Ismael aber wegen eines Patellasehnensyndroms kaum spielen konnte, lag das Angebot des schottischen Erstligisten FC Dundee auf dem Tisch. Bei meiner Vorstellung in Schottland hatte ich einen Körperfettanteil von vier Prozent. Durchschnittlich liegt der Body-Mass-Index bei Fußballern bei zwölf bis 18 Prozent. Deshalb bekam ich auf der Insel den Spitznamen "The Big German Boy".

FUSSBALL.DE: Warum wurde der damalige Aufsteiger FC Dundee auf Sie aufmerksam?
Angreifer Luka Tankulic, mit dem ich schon in Wolfsburg zusammengespielt hatte und der dann nach Dundee gewechselt war, stellte den Kontakt her. Freitags erhielt ich den Anruf und am Sonntag hatte ich bereits unterschrieben.

FUSSBALL.DE: Und dann kamen Sie ausgerechnet am 1. Januar im Derby bei Dundee United zu ihrem ersten Einsatz!
Die beiden Torhüter Kyle Letheren und Scott Bain, die beide deutlich besser sind als ich, waren verletzt. Ich hatte gut trainiert und stand auf einmal am Neujahrstag mitten im Fokus. Trotz der 2:6-Niederlage ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich wollte schon immer im Mutterland des Fußballs spielen. Das war das I-Tüpfelchen in meiner Karriere.

FUSSBALL.DE: Sind Sie sehr traurig, dass es Ihr einziger Einsatz auf der Insel blieb?
Nein! Ich hatte beim FC Dundee ohnehin nur einen Vertrag über fünf Monate unterschrieben. Stammtorhüter Scott Bain war nach dem Derby wieder fit und rückte zwischen die Pfosten. Als sich dann auch noch Kyle Letheren gesund zurückmeldete, war ich wieder Nummer drei.

FUSSBALL.DE: Anschließend wurde über das „schlechteste Debüt aller Zeiten“ berichtet!
Das ist totaler Quatsch. Vielleicht hätte ich einen der sechs Treffer halten können. Wir lagen bereits nach 31 Sekunden zurück. Ich hatte den totalen Tunnelblick, wollte der Mannschaft Sicherheit geben. Aber an diesem Tag hat die Mannschaft einfach nicht funktioniert. Mein Wechsel zurück nach Deutschland hatte nichts mit meiner Leistung zu tun, sondern nur damit, dass sich Dundee auf Dauer keinen dritten Torhüter leisten konnte. Der Verein wollte sogar mit mir verlängern, aber das finanziell schlechtere Angebot konnte ich nicht annehmen.

FUSSBALL.DE: Was ist von Ihrem einzigen Auftritt im schottischen Profifußball hängengeblieben?
Beide Vereine liegen nur 150 Meter auseinander. Wir haben uns in unseren Kabinen umgezogen und sind zum Auswärtsspiel gelaufen. Im Guinness-Buch der Rekorde gilt das Stadtduell in Dundee als das räumlich engste Derby der Welt. Bei Spielen zwischen dem HSV und St. Pauli herrscht in den Stadien und nach den Spielen eine angespannte, ja fast bösartige Rivalität. Das ist in Schottland anders. Zwar geht es auf dem Platz giftig zur Sache, aber nach dem Spiel sitzt man freundschaftlich zusammen.

FUSSBALL.DE: Wie schätzen Sie das Leistungsvermögen in der schottischen Liga ein?
Das Niveau ist mit der Bundesliga nicht vergleichbar. Nach Celtic Glasgow ist das Gefälle sehr groß. Gespielt wird mit sehr viel Herz und Leidenschaft. Die Zweikampfführung ist härter und die Schiedsrichter legen die Regel großzügiger aus.

FUSSBALL.DE: Was steht als nächstes Highlight auf Ihrer Agenda?
Wenn alles gut läuft, werden im nächsten Sommer bei uns die Hochzeitsglocken läuten. Meine Verlobte Alina und ich wollen uns dann in Hamburg das Ja-Wort geben.

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