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Kurzzeit-Mission|04.06.2018|12:00

Auch Böhme kann Steinhagen nicht retten

Böhme: "Ich habe eine überragende Mentalität vorgefunden, leider ist sie am Ende nicht belohnt worden."[Foto: privat]

Steinhagen in Ostwestfalen, ein kleiner Ot mit 20.000 Einwohnern. Der bekannteste Bürger ist der Steinhäger - sorry, das ist ein Schnaps. Nicht viel los hier am Südhang des Teutoburger Waldes, wenn nicht der Fußball wäre. Jörg Böhme, Vizeweltmeister von 2002, hat es vor zwei Jahrzehnten hierher verschlagen. Am vorigen Sonntag wäre der gebürtige Höhenmölsener aus Sachsen-Anhalt im Cronsbachstadion fast als Retter gefeiert worden. Nach seiner Profikarriere mit 222 Bundesligaeinsätzen für Arminia Bielefeld, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04, 1860 München und Eintracht Frankfurt sowie anschließenden Trainerstationen in Bielefeld (Co-Trainer der U 19), Herford, Cottbus und Schalke (U 23) übernahm er im März den örtlichen Landesligisten SpVg Steinhagen.

Warum der zehnmalige deutsche Nationalspieler in der siebten Liga aushalf und welche Ambitionen er für die sportliche Zukunft hat, verrät der 44-Jährige im Interview mit FUSSBALL.DE .

FUSSBALL.DE: Jörg Böhme, eine Woche ist es her, seit Sie mit der SpVg Steinhagen das Happy End in der Landesliga nur um Haaresbreite verpasst haben. Was überwiegt nun bei Ihnen: Die Enttäuschung darüber, dass Sie Ihre Kurzzeit-Mission in der Heimat nicht erfolgreich beenden konnten, oder die Genugtuung darüber, dass Sie mit 16 Punkten in elf Spielen eine sehr respektable Bilanz vorweisen können?

Jörg Böhme: Beides natürlich! Es ist besonders für die Jungs, aber auch mein Trainerteam und mich sehr bitter, dass wir unser Ziel Klassenerhalt so knapp verpasst haben. Als ich die Mannschaft Ende März übernommen habe, war die Ausgangslage wirklich nicht rosig, aber ich habe die Aufgabe sehr gerne übernommen und bei der Truppe eine überragende Mentalität vorgefunden. Leider ist diese am Ende nicht belohnt worden.

"Ich bin älter und damit auch ein bisschen ruhiger geworden, meine Spielerzeit ist ja auch schon ein paar Jahre her."

FUSSBALL.DE: Wie kam Ihr Engagement bei der SpVg Steinhagen überhaupt zustande?

Böhme: Mein ehemaliger Bielefelder Mitspieler und guter Freund Detlev Dammeier hat den Kontakt zum Verein hergestellt. Ich habe mir das zunächst gut durch den Kopf gehen lassen, weil ich eigentlich andere Ziele hatte und natürlich noch habe. Außerdem hatte ich ein paar Monate vorher einem anderen Kumpel, der mich zum Ligakonkurrenten Eidinghausen holen wollte, abgesagt. Der hat mich dann schön schräg angeguckt, als wir gegen die gespielt haben. (lacht) Ausschlaggebend war, dass ich aus Steinhagen komme, dem Verein in einer misslichen Lage gerne helfen wollten und gesagt habe: Die Sportvereinigung gehört in die Landesliga!

FUSSBALL.DE: Woran hat es Ihrer Meinung nach am "Wunder vom Cronsbach" gefehlt?

Böhme: Was vorher falsch gelaufen ist, darüber möchte ich nicht urteilen, denn da war ich ja nicht dabei. Fakt ist aber: Wenn wir in der gesamten Saison nur annähernd so gepunktet hätten wie in den letzten elf Partien, dann wäre ein guter Mittelfeldplatz dabei herausgesprungen. Und dennoch hätte es reichen können, wenn uns nicht einige aus meiner Sicht äußerst fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen noch Punkte gekostet hätten.

FUSSBALL.DE: Als Spieler galten Sie als "enfant terrible", Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer hat Sie hingegen fast liebevoll "verrückter Hund" genannt. Wie sind Sie denn als Trainer, immer noch so unberechenbar?

Böhme: Es ist doch klar, dass ich mich in den letzten Jahren gewandelt habe. Ich bin älter und damit auch ein bisschen ruhiger geworden, meine Spielerzeit ist ja auch schon ein paar Jahre her. Als Trainer, zumal auf hohem Niveau, musst du so viele verschiedene Eigenschaften mitbringen, um erfolgreich mit einem Team zusammenarbeiten zu können, da hilft dir deine frühere Art als Profi nicht viel weiter.

FUSSBALL.DE: Von welchem Trainer haben Sie denn am meisten gelernt?

Böhme: Von den niederländischen, Huub Stevens auf Schalke und Dick Advocaat in Gladbach. Sie haben es verstanden, ein Team zu führen, nicht nur den Fokus auf die erste Elf zu legen, sondern alle in der Mannschaft und im Verein mitzunehmen. Im Laufe der Jahre als Profi und hinterher natürlich auch als Coach lernst du dann überall weiter dazu, in der Trainingslehre, in der Spieltaktik und, am wichtigsten, in der Menschenführung.

FUSSBALL.DE: Das Fußball-Lehrer-Diplom haben Sie unter anderem zusammen mit Stefan Effenberg, Christian Wörns, Mehmet Scholl, Jörg Heinrich und Markus Anfang absolviert. Eine Menge Prominenz, aber wie bei den drei Erstgenannten keine Garantie für einen Topjob im Fußball. Heute sind in der Bundesliga viele "Nobodys" am Start. Wo wird man Sie denn in Zukunft sehen?

Böhme: Das ist noch offen. Ich mache jetzt erst mal mit meiner Frau und unseren beiden kleinen Kindern Urlaub. Dass ich in Steinhagen nur übergangsweise einspringen würde, war von vornherein klar, denn der neue Trainer für die neue Saison stand ja schon fest. Ich bin flexibel und nicht auf ein Engagement hier in Ostwestfalen beschränkt, sondern kann im deutschsprachigen Raum eigentlich überall arbeiten. Dass der nächste Verein höher als in der Landesliga spielen sollte, versteht sich von selbst, denn dafür habe ich ja nicht den Fußball-Lehrer gemacht.

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