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5 Foulelfmeter |26.06.2019|21:20

BFV-Auswahl verliert verrücktes Finale

Knapp unterlegen: Die bayerische Auswahl unterliegt gegen Polen.[Foto: BFV]

Der Traum vom Titel ist geplatzt, die Jagd nach der europäischen Amateurfußball-Krone auf der allerletzten Etappe einer ebenso langen wie beinahe märchenhaften Reise nicht von Erfolg gekrönt geblieben: Die Auswahl des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat das Endspiel um den UEFA Regions' Cup verloren. Das Team von Trainer Engin Yanova unterlag in einem verrückten Finale der Europameisterschaft der Amateure Polen mit 2:3 (1:1). Kurios: Vor 1224 Zuschauern in Burghausen fielen alle fünf Treffer per Foulelfmeter.

Ugur Türk (TSV 1860 München) brachte Deutschland nach 35 Minuten in Führung, die Niederschlesier drehten die Partie durch die Tore von Mateusz Jaros (41.), Kornel Traczyk (47.) und Jacub Bohdanowicz (80.). In der Schlussphase verkürzte Arif Ekin (90.), der sich mit seinem dritten Turniertor die Torjäger-Krone sicherte. Bei der nunmehr elften Auflage des bedeutendsten Amateurfußball-Turniers der Europäischen Fußball-Union UEFA bleibt dem BFV dennoch ein Eintrag in die Geschichtsbücher. Als erstes deutsches Team überhaupt schafften es die Kicker aus dem Freistaat ins Endspiel. Dort wiederholten die Polen mit dem Sieg ihr Kunststück von 2007: Auch damals besiegten sie in Bulgarien den Turniergastgeber und stemmten die 22 Kilogramm schwere Trophäe in den Himmel.

"Kopf hoch, Jungs!"

"Glückwunsch an das polnische Team, das sich heute sicherlich auch glücklich durchgesetzt hat", sagte BFV-Präsident Rainer Koch: "Niederlagen sind immer bitter, diese ganz besonders, denn das Team von Engin Yanova hat bei dieser Endrunde Großes geleistet und war nahe dran an der großen Sensation, erstmals den Regions Cup nach Deutschland zu holen. Kopf hoch, Jungs!" Der deutsche Delegationsleiter und BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher leistete unmittelbar nach Schlusspfiff in Burghausen Aufbauarbeit und rückte die großartige Leistung der BFV-Auswahl in den Vordergrund: "Wir haben unseren großen Traum vom Finaleinzug wahr werden lassen. Klar überwiegt jetzt die Enttäuschung. Aber mit ein paar Tagen Abstand werden alle realisieren, was hier Großartiges geleistet worden ist. Unser Dank gilt der Mannschaft um Engin Yanova, aber auch dem Team hinter dem Team."

"Niederlagen sind immer bitter, diese ganz besonders, denn das Team von Engin Yanova hat bei dieser Endrunde Großes geleistet und war nahe dran an der großen Sensation."

Verbandstrainer Engin Yanova hatte gegenüber dem Türkei-Spiel drei Änderungen in der Startformation vorgenommen. Sebastian Gebhart (TSV 1860 München), Sebastian Marx (ATSV Erlangen) und Franz Fischer (FC Garmisch-Partenkirchen) rückten für Niclas Staudt (FC Würzburger Kickers), Arif Ekin (TSV 1860 München) und Philipp Nagengast (SpVgg Jahn Forchheim) in die erste Elf.

Ruhe bewahren, das eigene Spiel aufziehen, auf die Chance warten, dann zuschlagen: Die deutsche Mannschaft setzte die von Verbandstrainer Engin Yanova ausgegebene Marschroute vom Anpfiff weg perfekt um, ließ den Ball durch die eigenen Reihen laufen, wartete geduldig auf die Lücke und tauchte bereits nach sechs Minuten erstmals gefährlich im polnischen Strafraum auf, als Franz Fischer in der sechsten Minute um ein Haar von einem zu kurz geratenen Rückpass auf Polens Schlussmann Jaroslaw Krawczyk profitiert hätte. In der 35. Minute dann die Führung. Sebastian Fries wurde nach einem Eckball im Strafraum von Marcin Burylo von den Beinen geholt. Ugur Türk setzte den fälligen Strafstoß cool rechts unten in die Ecke.

Torwart Dachs zur Stelle

Nur wenige Minuten später die identische Situation - nur auf der anderen Seite. Sebastian Gebhart kam gegen Kornel Traczyk zu spät - erneut Elfmeter. Erst im Nachschuss brachte Mateusz Jaros den Ball im Tor unter, weil Deutschlands Schlussmann Dominic Dachs zunächst parierte, den Ball aber nur nach vorne abprallen lassen konnte und gegen den Nachschuss aus kurzer Distanz am Ende aber machtlos war. Kurz darauf das nächste dicke Ding der Polen: Distanzschuss Grzegorz Borowy - aber Dachs war zur Stelle und faustete den Ball über die Latte. Auf der Gegenseite kam Gebhart zum Abschluss, aber sein Schuss von der Strafraumgrenze blieb in der gegnerischen Abwehr hängen.

Nach dem Seitenwechsel dann der Schock unmittelbar nach Wiederanpfiff: Foulspiel David Bauer an Mateusz Jaros, Elfmeter Nummer drei. Diesmal trat Kornel Traczyk an - und verwandelte sicher. Die deutsche Mannschaft ließ sich durch den Rückschlag aber nicht beeindrucken und wäre in der 49. Minute um ein Haar zum Ausgleich gekommen, als Masaaki Takahara aus der Distanz abzog, aber nur den Pfosten traf. In der 65. Minute kam Franz Fischer im polnischen Strafraum zum Abschluss, aber Keeper Jaroslaw Krawczyk konnte zur Ecke klären. Zwei Minuten später setzte Takahara den Ball aus kurzer Distanz über die Latte. Dann der Rückschlag: Nach einem wiederholten Foulspiel sah Kapitän Michael Kraus - wie schon im Spiel gegen Frankreich - nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte (69.).

Glück dann in der 72 Minute, als Traczyk nach einem Zuckerpass alleine auf Dachs zulief und im Zweikampf mit dem deutschen Keeper zu Fall kam - diesmal aber entschied der rumänische Schiedsrichter Sebastian Coltescu: kein Strafstoß. In der 79. Minute dann die Vorentscheidung - abermals per Strafstoß: Foul von Bauer an Kornel Traczyk, Elfmeter Jacub Bohdanowicz. 3:1 für Polen. Und es sollte nicht der letzte Strafstoß bleiben: In der 90. Minute verkürzte der eingewechselte Arif Ekin nach Foul von Pawel Slonecki an David Bauer auf 2:3 - und sicherte sich mit seinem dritten Turniertreffer die Torjäger-Trophäe. Zumindst ein kleines Trostpflaster.

Achterbahnfahrt der Gefühle

In der Gruppenphase hatte die Mannschaft von BFV-Chefcoach Engin Yanova mit dem 1:0-Sieg gegen Frankreich einen Start nach Maß hingelegt und dank eines 1:1-Unentschiedens gegen die Slowakei den Finaleinzug am letzten Spieltag in der eigenen Hand. Das "Finale ums Finale" geriet dann zur Zitterpartie: Die Türkei drückte, hatte die besseren Möglichkeiten. Aber die Null stand - und in der zweiten Minute der Nachspielzeit war Youngster Henri Koudossou (SV Pullach) zur Stelle und verwandelte mit dem Siegtreffer das Stadion am Hammerbach in Landshut zum Tollhaus.

Für Polen wäre um ein Haar bereits am zweiten Spieltag der Gruppenphase Endstation gewesen. Die Spanier gingen früh durch einen Kopfball von Juan Antonio Del Alamo Cruces in Führung und standen bereits mit einem Bein im Endspiel. Doch in der fünften Minute der Nachspielzeit traf Pawel Slonecki zum Ausgleich und vertagte die Entscheidung. Im abschließenden Vorrundenspiel reichte den Polen am Ende sogar nur ein 2:2-Unentschieden gegen Tschechien, weil die Spanier im Parallelspiel Russland mit 1:2 unterlagen.

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