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Serie "Familienbande" |06.02.2016|08:00

Die Sahins: Echte Liebe für Meinerzhagen

Engagieren sich im Amateurfußball: Ufuk (links) und Nuri Sahin. [Foto: Meinrtzhagener Zeitung, Getty Images / Collage: FUSSBALL.DE]

Wenn Nuri Sahin nicht gerade für Borussia Dortmund in der Bundesliga aufläuft, kümmert er sich um seinen Heimatverein RSV Meinerzhagen. Sahin ist Unterstützer und Förderer des Bezirksligisten. Schließlich ist sein Bruder Ufuk hier noch immer Spieler und Trainer. Neuer Teil unserer Serie Familienbande.

Dortmund wird nicht nur als Tor zum Sauerland bezeichnet, sondern von Fans des BVB-Rivalen Schalke gerne auch „Lüdenscheid-Nord” genannt. Von Dortmund aus gesehen gleich hinter Lüdenscheid liegt Meinerzhagen, die Heimatstadt von Nuri Sahin. In dem 20.000-Kilometer-Städtchen im Volmetal schließt sich der Kreis für den schon durch halb Europa gereisten BVB-Nationalspieler.

"Mein Bruder ist eigentlich der talentiertere Fußballer. Der große Traum Profi zu werden, war aber dann meiner"

Sein Großvater schleppt ihn mit vier Jahren erstmals zum Training bei den Bambini des RSV Meinerzhagen, wo bereits der zwei Jahre ältere Bruder Ufuk kickt. Spätestens ab der D-Jugend ist klar, dass in Nuri hier ein Ausnahmetalent heranwächst, obwohl der noch heute gegenüber FUSSBALL.DE behauptet: „Mein Bruder ist eigentlich der talentiertere Fußballer, bis zur B-Jugend hat er ja auch Bundesliga gespielt. Der große Traum Profi zu werden, war aber dann meiner.”

Die Sahins wohnen in einem Plattenbau in der Mozartstraße. Nach der Schule treffen sich die Jungs auf dem nahe gelegenen Bolzplatz zum Kicken. Schon ab der F-Jugend nimmt ein Onkel die begabten Brüder Ufuk und Nuri mit zum Probetraining bei Borussia Dortmund. Da der BVB aber in den 90er Jahren für so junge Spieler noch keinen Fahrdienst ins 60 Kilometer entfernte Meinerzhagen anbietet, bleiben die Sahins vorerst beim RSV.

Leistungssprung in der B-Jugend

Vor allem Nuri macht auf sich aufmerksam, er ist meist derjenige, der ein Spiel allein entscheidet. 2001 erhält er als Zwölfjähriger einen Jugendfördervertrag beim BVB. Seine fast wichtigste Ansprechperson wird von da an Mathilde Behrens, die den Schüler des Evangelischen Gymnasiums viermal die Woche am Nachmittag zum Training aus Meinerzhagen abholt und ihn abends um 21 Uhr wieder bei den Eltern abliefert.

Die Sahin-Brüder werden im Sommer 2001 zum ersten Mal voneinander getrennt. „Bis dahin haben wir jeden Tag überall zusammen gekickt, auf der Straße, auf der Wiese und auf dem Bolzplatz“, erinnert sich Ufuk. Im Verein aber spielen sie aufgrund des Altersunterschieds von zwei Jahren nur in einer Saison gemeinsam beim RSV. „Das war unsere Aufstiegssaison, als ich von der D- in die C-Jugend hochgezogen worden bin“, weiß Nuri und schwärmt: „Das war eine wunderbare Zeit.“

Nach der Mittleren Reife verlässt Nuri Sahin die Schule und das elterliche Zuhause, wohnt im Jugendhaus von Borussia in einem Fünf-Quadratmeter-Zimmer. Der Traum vom Profifußball ist für ihn nun ganz nahe, zumal seine Leistungen in der B-Jugend explodieren. Statt Ufuk, dem Torjäger, wird dem klugen Strategen Nuri die große Karriere prophezeit. „Nuri ist fünfmal die Woche zum Training gependelt. Ich wollte damals nicht gleich so viel aufgeben oder ändern. Mir war zum Beispiel mein Freundeskreis wichtiger“, erinnert sich Ufuk.

Spätestens als Nuri 2005 die türkische U 17-Nationalelf zum Nachwuchs-EM-Titel in Belgien führt und zum besten Spieler des Turniers gewählt wird, stapeln sich an der Strobelallee Anfragen nahezu aller großen europäischen Klubs. Arsenal-Coach Arsene Wenger bezeichnet Nuri Sahin sogar als "weltweit größtes Talent unter 18 Jahren”.

Was danach geschieht, ist weitestgehend bekannt. Nuri Sahin bleibt beim BVB, wird mit 16 Jahren und 335 Tagen jüngster Bundesligaspieler aller Zeiten. Feyenoord Rotterdam, die „Königlichen“ von Real Madrid und der FC Liverpool sind für den heute 27-Jährigen wertvolle Stationen zwischen meisterlichen Jahren in Dortmund – und natürlich seinem RSV Meinerzhagen.

Förderer, aber kein Mäzen

Denn im Sommer 2015 steigt er wieder bei seinem Heimatklub ein. Sein Kumpel Mutlu Demir trainiert den Bezirksligisten. Seit eineinhalb Jahrzehnten spielt Nuri Sahin zwar nicht mehr an der Oststraße, doch mit dem Herzen war er ja nie weg. „Es macht mir einfach unglaublich viel Spaß und bedeutet mir viel, weil ich hier so viel erlebt habe”, sagt der BVB-Profi. „In der Hinrunde konnte ich aufgrund meiner Verletzung viel Zeit in Meinerzhagen verbringen, viele beim Training und bei Spielen zuschauen. Da konnte ich mich mit meinem Bruder und Freunden, mit denen ich groß geworden bin, gut austauschen.”

Sahin will den Verein dorthin zurückzuführen, „wo er hingehört", wie er sagt. Kurz- bis mittelfristig sei das die Landesliga, auf lange Sicht vielleicht sogar die Verbandsliga. Aber: „Letzte Saison ging es noch gegen den Abstieg, also backen wir erst einmal kleine Brötchen. Wir wollen uns oben festsetzen und mittelfristig eine gute Struktur im Senioren- und Nachwuchsbereich schaffen.“

Der Vorstand des 1921 gegründeten Vereins ist natürlich vom Engagement des berühmten Sohns der Stadt begeistert. „Es bringt uns Sicherheit und Perspektiven, die wir vorher leider nicht hatten", sagte RSV-Präsident Detlef Kubitz in der Westfalenpost .

Auch wenn Sahin betont, „auf keinen Fall der neue Mäzen des RSV" zu sein, leistet er auch finanzielle Unterstützung. „Was Besseres konnte uns nicht passieren, als dass Nuri hier einsteigt. Mit ihm zusammenzuarbeiten, hebt uns auf ein ganz anderes Level, von seiner Profierfahrung kann man unheimlich viel lernen", sagt Trainer Demir. Der Klub setzt schließlich nach wie vor auf Spieler aus der eigenen Umgebung. „Die meisten Jungs kommen aus Meinerzhagen und sind schon lange im Verein", nickt Demir.

Zum Beispiel Tolga und Elvan, zwei Cousins der Sahin-Brüder, sowie Enes, der in der A-Jugend des RSV spielt. Ufuk Sahin, mit Mutlu Demir gleichberechtigter Coach der ersten Mannschaft, kickt noch, so oft er kann, selbst mit. Bis Nuri Sahin aber noch einmal die Schuhe für den RSV Meinerzhagen schnürt, dürfte es noch einige Zeit dauern.