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Themenwoche Hallenfußball |19.12.2014|14:30

Futsal: Vorteile statt Vorurteile

Paul Schomann verfügt als Trainer im Nachwuchsbereich über große Erfahrung. [Foto: Getty Images]

Mit der spanischen Nationalmannschaft und dem FC Barcelona hat er alles gewonnen, was es im internationalen Fußball zu gewinnen gibt. Seine ersten Ballkontakte hatte Andrés Iniesta allerdings auf dem Futsal-Court: "Ich habe auf dem Kleinfeld angefangen. Hieraus ist alles erwachsen." Wie viele andere Stars aus Spanien und Südamerika liegen die Ursprünge seiner außergewöhnlichen Ballkontrolle und Spielübersicht im Futsal.

Auch der DFB hat diese enorme Bedeutung für die Talentförderung erkannt und fördert Futsal an Schulen durch Fortbildungsprogramme und Materialspenden. Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht der DFB-Juniorentrainer Paul Schomann über den Sinn von Futsal im Schulsport, die Vorteile gegenüber dem traditionellen Hallenfußball und die Bedeutung von Futsal für die fußballerische Entwicklung.

FUSSBALL.DE: Herr Schomann, im Winter zieht es wieder viele Fußballer in die Halle und der Spaß steht im Mittelpunkt. Welche Rolle spielt Futsal für die fußballerische Entwicklung?
Paul Schomann: Futsal ist die ideale Variante des Fußballspielens in der Halle. Es ermöglicht eine nahtlose Fortführung der fußballerischen Ausbildung, wenn es im Winter kälter wird. Die Elemente des Fußballs finden im Futsal eine größere Berücksichtigung als es beim traditionellen Hallenfußball der Fall ist.

Wie meinen Sie das?
Schomann: Der Futsal-Ball ist für die Beschaffenheit des Hallenbodens optimiert. Das Sprungverhalten ist mit dem eines Fußballs auf einem Rasenplatz fast gleichzusetzen ( Infografik: Ballsprungverhalten ). Übrigens ist die weit verbreitete Meinung, dass der Futsal-Ball schwerer ist als ein Fußball, falsch. In Wirklichkeit ist er kleiner (Größe 4) und leichter. Mittlerweile gibt es sogar den Futsal Light Ball, sodass dies auch für den Kinder- und Jugendbereich gilt.

"Viele Fußballer denken, Futsal sei eine andere Sportart. Das stimmt so nicht"

Sie begrüßen also, dass immer mehr Hallenturniere nach den Futsal-Regeln ausgetragen werden?
Schomann: Genau. Denn sie ähneln den Regeln draußen. Nach den offiziellen Futsal-Regeln wird mit Seiten- und Toraus gespielt. Das machen wir im Freien doch auch. Eine Bande verleitet zu einer schlampigen Technik. Wenn ein Spieler weiß, dass der Ball ohnehin nicht ins Aus gehen kann, lässt die Konzentration nach. Wir wollen die Spieler jedoch gerade dazu erziehen, präzise Pässe zu spielen.

Kritiker des Futsals würden wohl einwenden, dass die Tore zu klein sind. Schomann: Wichtig ist, dass in der Halle viele Tore fallen. Auch auf die kleineren Futsal-Tore werden jede Menge Tore erzielt. Das zeigen die Spiele der vergangenen Jahre. Wenn sie auf einem 20 Meter breiten Feld spielen, ergibt eine Anpassung der Torgröße durchaus Sinn. Und die Spieler werden zu einem präziseren Abschluss aufgefordert.

Welche Vorteile sehen Sie noch?
Schomann: Durch den verkleinerten Raum wird die Handlungsschnelligkeit gefördert. Die Spieler sind ständig am Spiel beteiligt und haben viele Ballkontakte. Der Zeit- und Gegnerdruck ist ein Stück höher als draußen, was hohe Anforderungen an das taktische Verhalten stellt. Zudem stellt man durch den für die Halle sprungoptimierten Fußball eine geringere Verletzungsgefahr fest.

Ist Futsal für das Heranführen an den Fußball besonders gut geeignet?
Schomann: Je nachdem, wo die Kinder spielen. Man muss sich den örtlichen Rahmenbedingungen anpassen. Wenn die Kinder allerdings in der Halle spielen, ist es sinnvoll, nach den Futsal-Regeln zu spielen. Viele Fußballer denken, Futsal sei eine andere Sportart. Das stimmt so nicht. Es geht lediglich darum, den Fußball an die Gegebenheiten anzupassen. Dann ist das Spiel genauso wie draußen und für jede Altersstufe geeignet.

Beruht die Futsal-Förderung des DFB auf diesem Aspekt?
Schomann: Die DFB-Stützpunktturniere in der Halle werden bereits nach den offiziellen Futsal-Regeln ausgetragen. Ich habe einige Spiele gesehen. Man merkt sofort, dass das Spiel anspruchsvoller wird, technisch sauberer und mit mehr Ruhe am Ball. Dem DFB geht es um die Qualität des Fußballs. Deshalb unterstützt er auch Schulen mit Futsal-Bällen und Fortbildungsprogrammen für Lehrer.

Welche kurz- und mittelfristigen Effekte erwarten Sie sich durch die Umstellung auf Futsal?
Schomann: Wir möchten die Nachwuchsausbildung noch eine Idee besser machen, insbesondere da, wo die Vereine im Winter in die Halle ausweichen müssen. Im Erwachsenenbereich sollen sich in den Verbänden Ligen etablieren, um eine Leistungsstruktur aufzubauen, an deren Ende in naher Zukunft eine Deutsche Nationalmannschaft entstehen soll.