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Kultfigur |29.12.2017|11:05

Hallengott Gringel: Neue Wege im Assauer-Klub

Ehrenamtler aus Überzeugung: Thorsten Gringel. [Foto: privat]

Thorsten Gringel kommt unverhofft zum Ehrenamt. Aber helfen, das kann er. Rudi Assauers Heimatklub SpVgg Herten macht er fit für die Zukunft. Unter anderem mit dem „Mitternachtscup“, dem bei Zuschauern und Teams beliebten Hallenturnier. Gringel ist unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche.

Als der FC Schalke 04 im Juli 2007 zum 100-jährigen Jubiläum der SpVgg Herten an der Kampfbahn Katzenbusch mit Stars wie Manuel Neuer und Mesut Özil antritt, hat Thorsten Gringel kaum Augen für die späteren Weltmeister. Der heute 37-Jährige ist viel zu beschäftigt, muss sich darum kümmern, dass alles glatt läuft bei diesem Highlight für den kleinen Verein aus dem nördlichen Ruhrgebiet.

Seit 2006 gehört er dem Vorstandsteam des Fusionsklubs an. Vorher hat er selber bei der DJK Herten, bei der SG Langenbochum, beim TSV Marl-Hüls und schließlich bei der SpVgg Herten gekickt – wie fast ein halbes Jahrhundert vor ihm ein gewisser Rudi Assauer. Der langjährige Manager des FC Schalke rettet mit dem Benefizspiel vor zehn Jahren seinen Heimatverein aus finanziellen Schwierigkeiten, noch heute ist seine Zwillingsschwester Karin Ehrenpräsidentin des Hertener Fördervereins. „Rudi Assauer kam ja immer etwas bollerig rüber, aber er hatte immer ein großes Herz“, erinnert sich Thorsten Gringel an einen Fußballtalk in der Brauerei Boente in Recklinghausen, den Kultreporter Werner Hansch moderiert und bei dem auch die BVB-Legende Sigi Held zu Gast ist.

Thorsten Gringel kommt zu der Zeit etwas unverhofft zum Ehrenamt. Seine Spielerlaufbahn geht schon mit 27 aufs Ende zu, aber er will der Spielvereinigung weiter zur Verfügung stehen. „Einer hat gefragt: Kannst du mal helfen? So ging es dann los“, berichtet der Bankkaufmann. „Zunächst war ich Pressesprecher und eigentlich für die Veranstaltungen zuständig. Aber in einem kleinen Verein musst du natürlich auch mal am Grill stehen oder Bier zapfen.“

"Im Februar 2006 war unser letztes normales Hallenturnier. Da kam ich samstagnachmittags von einem Seminar in die Halle und es saßen gefühlt 20 Leute auf der Tribüne. Das musste sich ändern"

Turnier zwischen Weihnachten und Silvester

Er konnte helfen, und wie! Denn Thorsten Gringel weiß, dass ein Spiel gegen den großen FC Schalke zwar eine tolle Sache ist, aber nicht nachhaltig. Er hat eine bessere Idee, wie er Herten wieder zurück auf die Landkarte des hiesigen Amateurfußballs kriegt: nämlich ein Hallenturnier. In einer Zeit, in der vom so genannten „Budenzauber“ nicht wirklich mehr irgendeinen Zauber auf die Spieler oder das Publikum ausstrahlt, erfindet Thorsten Gringel den „Mitternachtscup“: ein Erfolg, der bis heute anhält.

„Im Februar 2006 war unser letztes normales Hallenturnier. Da kam ich samstagnachmittags von einem Seminar in die Halle und es saßen gefühlt 20 Leute auf der Tribüne. Das musste sich ändern“, erzählt Thorsten Gringel. „Außerdem habe ich es ja als Spieler selbst erlebt, wie man zum Beispiel bei den Stadtmeisterschaften zwölf Stunden in der Halle ist und in der Zeit vielleicht 60 Minuten effektiv Fußball spielt. Das ist für keinen Beteiligten befriedigend.“

Er spricht mit örtlichen Sponsoren und versucht, die besten Vereine in der Umgebung für ein neues Format zu gewinnen: ein Turnier zwischen Weihnachten und Silvester, wenn alle wieder Bock auf Fußball haben, und zwar am Abend mit dem Finale um Punkt Mitternacht. „Anfangs habe ich auch ein wenig getrickst“, verrät er lachend. „Ich habe die Herner angerufen und ihnen gesagt, dass die Erkenschwicker schon zugesagt hätten. Das stimmte so nicht ganz...“

Egal, beim ersten „Kick-mit-Schmidt-Mitternachtscup“ am 28. Dezember findet sich in der Halle der Rosa-Parks-Gesamtschule ein illustres Teilnehmerfeld mit zwölf überkreislichen Mannschaften zusammen – darunter Ober- und Verbandsligisten wie Westfalia Herne, SpVg Erkenschwick, SC Hassel und 1. FC Recklinghausen. Anstoß zum ersten Spiel ist um 18 Uhr, das Endspiel tatsächlich um null Uhr.

Ehrenamt lohnt sich

Der „Mitternachtscup“ wird im Laufe der folgenden Jahre zum Selbstläufer, meistens ist die Halle mit 1.000 Zuschauern restlos ausverkauft. Überraschungssieger wie der Landesligist SF Stuckenbusch oder der Einzug des Gastgebers SpVgg Herten im Jahr 2015 sorgen zusätzlich für Stimmung. Am Rande der Bande läuft im Laufe des späteren Abends schon langsam die Players-Party an, wenn in der Mensa der Schule der DJ die Spieler, Funktionäre und Zuschauer zum Feiern animiert. Thorsten Gringel und seine Vorstandskollegen der SpVgg Herten haben vorher, in der ohnehin schon stressigen Weihnachtszeit, mit den Vorbereitungen alle Hände voll zu tun. Der Aufwand lohnt sich. „Mit dem Mitternachtscup können wir etwa zwei Drittel unseres gesamten Vereinsetats decken“, bemerkt Thorsten Gringel. Nur einmal muss das Turnier im Laufe der Jahre ausfallen, 2010 fällt zu viel Schnee.

Nicht nur als Event, sondern auch rein sportlich zählt der „Mitternachtscup“ zu den bestbesetzten Hallenturnieren in der Region. In diesem Jahr fehlen zwar der Rekordteilnehmer SC Hassel, der wie der TSV Marl-Hüls bekanntlich seine Mannschaft aus der Oberliga Westfalen zurückgezogen hat, doch prominente Teams wie der Metzelder-Klub TuS Haltern und natürlich Titelverteidiger Westfalia Herne sorgen an diesem 29. Dezember weiterhin für eine hochkarätige Besetzung.

Wenn dann am frühen Morgen gegen 0.30 Uhr der Sieger des nunmehr „12. Mitternachtscups“ gekürt wird, wird Thorsten Gringel, der Erfinder des Turniers, wieder feststellen: Ehrenamt lohnt sich – und wer eine gute Idee hat, wird dafür meist auch belohnt.

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