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Aufsteiger |18.06.2018|08:30

Herkenrath: Sechs Aufstiege in sieben Jahren

Nicht der letzte namhafte Gegner für den TV Herkenrath (hier gegen Fortuna Köln im Mittelrheinpokal): Nun warten Aachen, Essen oder Oberhausen auf den Aufsteiger.[Foto: imago]

Sechs Aufstiege in sieben Jahren: Der TV Herkenrath 09 ist der Durchstarter der vergangenen Jahre. Innerhalb von nur sieben Spielzeiten ist der kleine Verein aus einem Stadtteil von Bergisch Gladbach in der Nähe von Köln von der zehntklassigen Kreisliga C bis in die Regionalliga West aufgestiegen. Hießen die Gegner vor dem Durchmarsch noch SV Thier, SV Refrath II oder Inter 96 Bergisch Gladbach, bekommt es der frischgebackene Meister der Mittelrheinliga künftig mit ehemaligen Bundesligisten wie Alemannia Aachen, Rot-Weiss Essen oder Rot-Weiß Oberhausen zu tun.

„Das ist für uns eine ganz große Nummer. Jedes Spiel wird ein Wahnsinnserlebnis“, sagt Herkenraths Abteilungsleiter Wolfgang Preiss (67), der seit acht Jahren ehrenamtlich für den TVH tätig ist und somit den Durchmarsch von Beginn an miterlebt hat, im Gespräch mit FUSSBALL.DE . „Wie wir in so kurzer Zeit den Sprung in die Regionalliga geschafft haben, ist selbst mir nicht so recht begreiflich“, gibt Preiss ehrlich zu.

Sebastian Schauer stellt „Lumpi“ Lambertz in den Schatten

Als Spieler fast von Beginn an dabei ist Sebastian Schauer. Der 30-jährige Tscheche war 2011 vom VfL Leverkusen in den rund 3800 Einwohner großen Ortsteil der Geburtsstadt von Model Heidi Klum, Weltmeister Mats Hummels oder Ex-Nationalspieler Tim Wiese gewechselt. Von der Kreisliga B an ist Schauer durchgehend dabei. Damit hat der zentrale Mittelfeldspieler fünf der insgesamt sechs Aufstiege mitgemacht. In der abgelaufenen Saison kam er in 17 Partien zum Einsatz.

„Wie wir in so kurzer Zeit den Sprung in die Regionalliga geschafft haben, ist selbst mir nicht so recht begreiflich“

Auf eine ähnliche Aufstiegsserie kann im Profifußball nur Andreas „Lumpi“ Lambertz (ab sofort wieder bei Fortuna Düsseldorf am Ball)  zurückblicken. Der 33-Jährige stieg einst mit Fortuna Düsseldorf als erster und bislang einziger deutscher Profi überhaupt von der Viertklassigkeit bis in die Bundesliga auf. Mit den fünf Aufstiegen von Schauer mit dem TV Herkenrath 09 kann aber selbst Lambertz nicht mithalten.

„Solche Charaktere wie Sebastian machen den Fußball aus. Er identifiziert sich mit dem Verein und ist allein mit seiner Ausstrahlung ein wichtiger Bestandteil des Teams, um junge Spieler zu integrieren“, so Wolfgang Preiss, der früher selbstständig einen Möbel- und Inneneinrichtungsladen geführt hatte.

Regionalligaaufstieg erst im zweiten Anlauf

Schon in der vorherigen Saison wäre dem TV Herkenrath 09 als damaliger Oberliganeuling fast der Sprung in die Regionalliga West geglückt. Erst am letzten Spieltag hatten die Bergisch Gladbacher den sechsten Aufstieg hintereinander hauchdünn verpasst. Am Ende musste der TVH wegen einer 0:1-Niederlage gegen den FC Inde Hahn dem FC Wegberg-Beeck um drei Zähler den Vortritt lassen.

Ex-Bundesligaprofi Alexander Voigt (79 Einsätze für den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach), der die Mannschaft bis dahin trainiert hatte, verließ im vergangenen Sommer den Verein und schloss sich dem niederländischen Zweitligisten Fortuna Sittard als Co-Trainer an. Nachfolger des 40-Jährigen wurde André Kreuer, der zuvor zwei Jahre als Spieler in Herkenrath aktiv war. Schon Mitte November trennten sich die Wege aber wieder.

„Es hat zwischen André und den Spielern leider nicht gepasst. Zu Teilen der Mannschaft hat die Autorität nicht gestimmt. Das ist die Gefahr, wenn ein bisheriger Spieler dann Trainer wird“, so Preiss. Co-Trainer Reinhold Höck sprang bis zur Winterpause ein, rückte dann nach der Verpflichtung des Niederländers Chris Burhenne wieder ins zweite Glied.

Der 50-jährige Burhenne war zuvor in seiner Heimat Jugendtrainer und Nachwuchskoordinator bei Fortuna Sittard. Sportlich stand bei seinem Einstieg (16 Spieltage vor dem Saisonende) der zweite Tabellenplatz zu Buche. Der Rückstand auf den damaligen Spitzenreiter FC Hennef 05 betrug acht Punkte. Im neuen Jahr holte der TV Herkenrath allerdings 38 von 48 möglichen Zählern und damit elf Punkte mehr als der ehemalige Regionalligist, der sich am Ende mit der Vizemeisterschaft begnügen musste.

Erst Party im „Ballhaus“ - Dann ab nach Malle

„Chris ist für uns wie ein Lottogewinn“, sagt Abteilungsleiter Wolfgang Preiss und gerät ins Schwärmen: „Er hat einen sehr guten Zugang zur Mannschaft, ist einerseits Kumpel, weiß aber auch genau, wann er die Zügel anziehen muss. Man merkt Chris seine Erfahrung als Trainer an. Außerdem hat er die Videoanalyse bei uns eingeführt, was die Mannschaft gut annimmt. Und auch Spieler aus unserem Jugendbereich bekommen immer wieder die Chance, in das Training der ersten Mannschaft hineinzuschnuppern.“

Am Anfang der Rückrunde gab es dann laut Abteilungsleiter Preiss den Moment, „an dem wir gemerkt haben, dass für uns nach oben noch etwas möglich ist. Wir kamen Hennef kontinuierlich näher. Der Mannschaft war dann deutlich anzusehen, dass sie den Aufstieg unbedingt schaffen will.“

Nach dem 4:2-Auswärtserfolg am 30. und letzten Spieltag beim VfL Vichttal, dem 20. Sieg im 30. Saisonspiel, war die Sensation endgültig perfekt. Der TV Herkenrath 09 darf in der nächsten Saison in der 4. Liga starten. Danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Im „Ballhaus“ stieg die ausgelassene Aufstiegsparty. Es folgte ein Ausflug nach Mallorca.

Umzug zum Stadtrivalen SV Bergisch Gladbach 09

Für die Vereinsverantwortlichen hat dagegen schon die Arbeit begonnen. Denn der schnelle Weg nach oben sorgt auch für einige Hindernisse, die der Verein aus dem Weg räumen muss. So geht der TV Herkenrath das „Abenteuer“ Regionalliga West in der Belkaw-Arena des bisherigen Ligakonkurrenten und Stadtrivalen SV Bergisch Gladbach 09 an.

Für die Spielstätte mit einer Zuschauerkapazität von 10.500 Plätzen, in der zuletzt in der Saison 2012/2013 vom eigentlichen Hausherren Regionalligafußball gespielt wurde, muss der TVH rund sieben Kilometer umziehen. Grund: Der Herkenrather Sportplatz Braunsberg erfüllt nicht die Bedingungen für die 4. Liga.

„Selbst wenn wir dort Platz für neue Tribünen hätten, wäre die Umsetzung wohl schwierig bis unmöglich. An den Sportplatz grenzt ein Wohngebiet. Schon eine halbe Stunde nach Spielschluss wurden wir am Tag unserer Meisterfeier von Anwohnern angesprochen, dass wir doch bitte die Musik leiser machen sollen“, verrät Abteilungsleiter Wolfgang Preiss. „Da ist der Umzug schon die richtige Lösung.“

2:7 gegen 1. FC Köln gibt ersten Vorgeschmack

Mit dem Aufstieg in die Regionalliga kommt aber auch sonst ein erheblicher Mehraufwand auf den TV Herkenrath zu. „Vor der ganzen Arbeit geht mir schon etwas die Muffe. Wir benötigen einerseits zusätzliches Personal - wie etwa einen Sicherheitsbeauftragten, einen Fanshop-Mitarbeiter oder einen Steuerfachangestellten. Hinzu kommen die Freiwilligen am Spieltag selbst. Egal ob Ordner, die Leute aus den Kassenhäuschen oder für das Catering: Das will auch erst einmal gestemmt werden“, so Preiss. „Einen ersten Vorgeschmack haben wir im zurückliegenden Sommer bekommen. Zum 2:7 im Testspiel gegen den Bundesligisten 1. FC Köln kamen rund 2100 Zuschauer in die Belkaw-Arena.“

Auch deshalb überwiegt beim Abteilungsleiter die Vorfreude. „Das wird für alle Beteiligten eine ganz neue Erfahrung, an die wir uns ewig noch erinnern werden“, ist sich Wolfgang Preiss sicher - unabhängig davon, ob der Mannschaft der Klassenverbleib gelingt.

„Dass es für die Aufsteiger in der Regionalliga immer sehr schwer wird, hat bereits die vergangene Saison gezeigt, als bis auf den wirtschaftlich ausgezeichnet aufgestellten KFC Uerdingen 05 , der gleich den Durchmarsch in die 3. Liga geschafft hat, alle Neulinge wieder aus der West-Staffel abgestiegen sind. Dass wir chancenlos sein werden, kann ich mir aber definitiv nicht vorstellen.“

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