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Oberliga |19.03.2016|20:00

Irrer Hype in Karbach: Team spielt Dorf leer

Ohne Frage: Teamgeist wird beim FC Karbach aus dem Hunsrück groß geschrieben. [Foto: Arens]

Wenn der FC Karbach oben auf dem heimischen Quintinsberg spielt, herrscht unten im Dorf gähnende Leere. „Die Straßen sind dann wie leer gefegt. Die Euphorie kennt bei uns momentan keine Grenzen“, berichtet der Vorsitzende Daniel Bernd. Ganze 620 Einwohner zählt der aktuell mit Abstand kleinste Oberliga-Rheinland-Pfalz-Saar-Ort Karbach, rund 500 Zuschauer kommen durchschnittlich zu den Heimspielen. Nur Regionalliga-Absteiger TuS Koblenz konnte im bisherigen Saisonverlauf mehr Fans begrüßen.

Bernd ist ein Architekt der Erfolgsstory des FCK vom Vorderhunsrück. 2005 fing sie an. Die erste Mannschaft krebste seinerzeit in den unteren Tabellen-Regionen der Kreisliga B Hunsrück/Mosel herum. Seinem Freund Torsten Schmidt konnte er den Wechsel vom damaligen Oberligisten FV 07 Engers in die Niederungen des Amateurfußballs schmackhaft machen, um sportlich endlich wieder erfolgreichere Zeiten zu erleben. „Wir haben damals einen Zehn-Punkte-Plan entworfen, der personelle und strukturelle Verbesserungen beinhaltete“, erinnert sich Schmidt. In vier Jahren sollte es so in die Bezirksliga gehen.

"Im Jahr 2020 wird der FC Karbach 100. Dieses Jubiläum würden wir gerne als Oberligist feiern"

Anfangs ging es schneller als erwartet. Die Mischung aus Akteuren, die man aus umliegenden Vereinen auf den Quintinsberg lotste und Spielern mit höherklassiger Erfahrung stimmte auf Anhieb; schon 2007 war man in der Bezirksliga angelangt, ein Jahr später waren der Durchmarsch in die Rheinlandliga und somit der dritte Aufstieg binnen drei Jahren perfekt.

Der Ehrgeiz von Coach Schmidt kommt nicht von ungefähr, spielte er doch in jungen Jahren zu DDR-Zeiten auf hohem Niveau. Der heute 46-Jährige wurde in den Nachwuchsabteilungen vom FC Carl Zeiss Jena und dem damaligen Wismut Aue ausgebildet, war dann als Senior in seiner Heimatstadt Gera in der zweithöchsten Spielklasse aktiv, der DDR-Liga. Als sein Vater Ende der achtziger Jahre noch vor dem Mauerfall Richtung Westen floh, war die Fußball-Karriere von Sohn Torsten von höherer Warte aus flugs beendet.

Mit viel Akribie und Power gingen Schmidt und Co. ab 2008 auch die Rheinlandliga an. „Am Anfang war es ein purer Kampf gegen den Abstieg. Dann konnten wir uns langsam aber sicher noch vorne orientieren“, lässt Vorsitzender Bernd die sieben Jahre in der sechsthöchsten Liga noch einmal Revue passieren. Spieler wie Florian Bauer, David Eberhardt und Philipp Flaßhaar begleiten den Karbacher Weg schon seit vielen Jahren. Zudem ist der Verein eine beliebte Zweigstelle der nur rund 20 Minuten via Autobahn 61 entfernten TuS Koblenz.

Spieler-Co-Trainer Thomas Klasen (zwischen 2003 und 2005 noch für die Trierer Eintracht in der Zweiten Bundesliga aktiv), Enrico Köppen, Johannes Göderz oder auch ein Nenad Lazarevic sammelten bereits höherklassige Erfahrung im Koblenzer Dress, fühlen sich in der familiären Atmosphäre des Dorfklubs in Karbach wohl. Das besondere Ambiente lockte auch einst Klubchef Bernd an. Früher gehörte er dem TSV in seinem nur wenige Kilometer entfernten Wohnort Emmelshausen an. „Hier habe ich mich aber nicht mehr wohl gefühlt und geärgert. In Karbach hat es mir von Anfang an gefallen“, lässt Bernd durchblicken.

Vom „Wunder Karbach“ spricht er nicht so gerne, schließlich würde sich das „so nach Zufall anhören“. Im vorderen Hunsrück wird mit Plan und klaren Zielen gearbeitet. Würden die auch in die Regionalliga führen? Schließlich hat man gleich als Aufsteiger die Oberliga-Spitzengruppe erobert. Der vierten Liga erteilt Bernd eine Absage, nicht zuletzt aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen, die man trotz aller Anstrengungen nicht erfüllen könne.

„Im Jahr 2020 wird der FC Karbach 100. Dieses Jubiläum würden wir gerne als Oberligist feiern“, stellt der FCK-Vorsitzende klar. Mit Trainer Schmidt kann es ruhig noch (mindestens) so lange weiter gehen. Einen Vertrag hat der Coach übrigens nicht. „Wir wissen auch so, dass es passt. Und wenn das nicht mehr der Fall ist, klären wir das in einem Gespräch unter Freunden.“