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Inklusion |19.06.2017|08:45

Kniend im Tor: David lebt seinen Traum

Mit Hilfe eines Spezialtores und natürlich seiner Mannschaftskameraden hütet David den Kasten von Teutonia Überruhr. [Foto: Fotos André Münz; Collage FUSSBALL.DE]

David ist Torwart, kann aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung aber nicht stehen. Für Teutonia Überruhr hütet der Neunjährige deshalb kniend sein Tor. Seit Oktober 2016 nimmt er mit seiner Mannschaft am Spielbetrieb der Handicapliga des Fußballverbandes Niederrhein teil. Immer mit dabei: sein Zwillingsbruder Marco, der im Gegensatz zu David keine Tore verhindert, sondern Tore schießt. Eine Erfolgsgeschichte gelebter Inklusion.

"Ich bin stolz wie Oskar, wenn ich die beiden heute gemeinsam auf dem Spielfeld sehe"

Bis zu seinem achten Lebensjahr musste sich David damit begnügen, nur hobbymäßig Fußball zu spielen. Aufgrund einer angeborenen Bewegungs- und Haltungsstörung, der sogenannten Zerebralparese (CP), kann er nicht laufen und seine Hände nicht richtig bewegen. Mit der Gründung der Handicap-Mannschaft bei Teutonia Überruhr ging dann im Jahr 2015 für ihn ein Traum in Erfüllung. Endlich konnte er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Marco in einer Mannschaft spielen. Marco spielte zuvor bereits in einem anderen Verein, kam dort aufgrund seiner Körperstatur aber nicht richtig mit. Noch heute bekommt er regelmäßig Wachstumshormone. „Mit Teutonia Überruhr haben wir dann einen echten Glücksgriff gemacht. Ich bin stolz wie Oskar, wenn ich die beiden heute gemeinsam auf dem Spielfeld sehe“, sagt Vater Patrick, der David und Marco damals mit seiner Fußballbegeisterung angesteckt hat.

Dass David mit seiner körperlichen Beeinträchtigung bei Teutonia Überruhr die Rolle des Torwarts übernehmen kann, hat er seinem kleinen, mobilen Tor zu verdanken. Es ist 1,50 Meter breit und 1,20 Meter hoch und ist damit kleiner als die Tore, mit denen die Gegner spielen. Für die anderen Teams in der Handicapliga ist das kein Problem. „Sie sehen ja auch das Handicap von David und von daher ist das für alle in Ordnung. Mit einem großen Tor wäre es auch unfair“, erklärt Axel Müller, Inklusionsbeauftragter des Fußballverbands Niederrhein, im Gespräch mit FUSSBALL.DE .

Idol Manuel Neuer

Beim Fußball blüht der Neunjährige auf. „Der Junge kommt und strahlt. Ob wir gewinnen oder verlieren“, sagt Kai Gatzke, sein Trainer. Trainiert wird einmal in der Woche, gespielt wird einmal im Monat in Turnierform. Eine Tabelle gibt es in der Handicapliga nicht. „Die Kinder sollen das tun, woran sie Spaß haben. Nämlich Fußball spielen. Da geht es nicht darum, wer gewinnt oder verliert.“ Den Ehrgeiz zu gewinnen, hat David trotzdem. „Er hat einen unwahrscheinlichen Biss und ist ein Kämpfer in allen Belangen“, sagt Gatzke.

Mit einem Altersschnitt zwischen acht und neun Jahren stellt Teutonia Überruhr mit Abstand die jüngste Mannschaft der Liga. David spielt mit seinem Team unter anderem gegen Spieler, die von der Altersklasse schon in der C-Jugend wären. Doch damit kommen die Jungs gut zurecht. Der Inklusionsbeauftragte Axel Müller findet: „Das Team wird von Turnier zu Turnier immer besser. Es hat sich mittlerweile auf die Gegner eingestellt.“

In der Handicapliga eifert David seinem Idol Manuel Neuer nach. „Für jemanden, der das noch nie gesehen hat, ist das unheimlich schwer vorstellbar, wenn er da wirklich wie ein Käfer auf dem Rücken liegt und eigentlich nur die Hände hat, um sich wieder aufzurappeln“, erzählt Trainer Gatzke. Schwer vorstellbar war für David vor ein paar Jahren auch noch, dass er jemals zusammen mit seinem Bruder in einer Mannschaft spielen kann. Heute ist das Realität – und Papa Patrick ist stolz auf seine beiden Söhne.

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