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Kultschreihals |20.10.2017|09:30

Kultschreihals Kalle: "Singe auch auf'm Klo!"

Hat seine Dauerkarte von den Ultras des KFC Uerdingen geschenkt bekommen: Kalle Krahn (links). [Foto: Uerdingerblock]

Er ist seit 61 Jahren Anhänger des KFC Uerdingen, begleitete seinen Verein von der Landesliga bis in den Europapokal und erlebte unvergessliche Begegnungen gegen den FC Barcelona und Atlético Madrid. Karl-Heinz "Kalle" Krahn ist bei Spielen des KFC Uerdingen seit eh und je der Lauteste. Der 69-jährige Schreihals ist unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche.

Samstag, 14 Uhr. Der KFC Uerdingen spielt zuhause in der Grotenburg. Kalle Krahn hat seinen Stammplatz eingenommen. Wie bei jedem Heimspiel: Block L, Reihe 1, Platz 7. An der Kleidung erkennt man Kalles Liebe zum KFC noch nicht. Im Stadion ist er lieber völlig neutral unterwegs. Zumindest solange, bis er seinen Mund öffnet. „ Hey KFC, schalalalalalalala “, schallt es durch die Uerdinger Grotenburg.

Kalles Stimme ist laut, impulsiv und im Stadion nicht zu überhören. Direkt hinter den Stehplatzrängen der KFC-Ultras brüllt er seine Mannschaft Woche für Woche nach vorne. Anders als die Ultras singt er nicht in Gemeinschaft, sondern alleine. Für ihn ist das selbstverständlich. „Ich tue das gerne“, sagt er. „KFC gewinnt, KFC gewinnt, bis sie deutscher Meister sind!“ Zu den Ultras vor ihm pflegt er ein sehr gutes Verhältnis. „Von denen habe ich meine Dauerkarte geschenkt bekommen“, erzählt er. „Ich sponsere die auch, indem ich denen immer etwas Geld gebe.“

In der Vergangenheit ist er in Uerdingen mit seiner besonderen Unterstützung auch schon mal angeeckt. Vereinzelte Zuschauer hatten sich über ihn beschwert. „Ich war zu laut“, erzählt er und lacht. „Ich bin dann auf die andere Seite gegangen.“ Denn leiser zu sein, kam für ihn nie in Frage.

"Wir gewinnen wie Steffi Graf. 6:0, 6:0, 6:0!"

Für den KFC gibt Kalle sein letztes Hemd. Ganz egal wo. „Ich singe im Stadion auch auf dem Klo!“, gesteht er. „ Welt-klasse-fußball! Welt-klasse-fußball! Welt-klasse-fußball spielt nur die Grotenburg! “ Bei Spielen im Winter führt seine lautstarke Unterstützung schon mal dazu, dass er mit einer angekratzten Stimme nach Hause kommt. Doch bis zur nächsten Partie haben sich seine Stimmbänder dann wieder erholt.

Neben lautstarken Gesängen hat Kalle auch zahlreiche Fußball-Weisheiten auf Lager. „Ich habe immer mein Blöckchen mit und jedes Mal, wenn ich etwas sehe oder etwas höre, schreibe ich mir das auf. Zum Beispiel: Ein Sieg heißt, man hat sich gut vorbereitet. Ein hoher Sieg heißt, man hat sich noch besser vorbereitet. Eine Niederlage heißt, man muss sich besser vorbereiten.“

Sein Block ist dem Fußball und dem Tennis gewidmet. Denn auch beim Krefelder Tennis ist der Edelfan bekannt. Auswirkungen hat das auch auf seine KFC-Fangesänge. „ Lust auf KFC-Tore: 1,2,3,4,5,6. Wir gewinnen wie Steffi Graf, wir gewinnen wie Steffi Graf, wir gewinnen wie Steffi Graf, wir gewinnen wie Steffi Graf. 6:0, 6:0, 6:0!

1956 war Kalle Krahn zum ersten Mal bei einem Spiel des KFC-Vorgängervereins Bayer Uerdingen im Stadion. Seit 1971 ist er regelmäßig dabei. In guten wie in schlechten Zeiten. „Wenn ich nicht da gewesen wäre, dann gäbe es den Verein gar nicht mehr“, erzählt er. „Ich habe denen immer Mut gemacht. Einmal mussten wir 1:0 gewinnen und dann haben wir in der 88. Minute das Tor geschossen. Boah, da war ich richtig happy. Sonst wären wir ganz weg gewesen.“ Wann genau das Spiel war, weiß die Kultfigur nicht mehr. Dafür hat Kalle schon zu viele Spiele vom KFC gesehen. „Ich war schon überall. Bayern München, Kaiserslautern, Hamburg, Bremen, Hannover.“

An das Spiel 1988 in Hannover kann er sich noch besonders gut erinnern. „Wir standen im Stau und sind erst zur zweiten Halbzeit angekommen“, erzählt er. „Ich hatte vor dem Spiel getippt, dass wir 5:0 gewinnen. Und wie ist es ausgegangen? 5:0.“ Ebenso unvergessen bleiben für ihn die Europapokalabende in der Saison 1985/1986. Damals begleitete er sein Team bis nach Barcelona. Das schönste Spiel mit dem KFC, damals noch Bayer 05 Uerdingen, erlebte er nach eigenen Aussagen gegen Atlético Madrid. „Das Spiel haben wir zwar verloren, aber die Fans hatten so schöne Fahnen dabei. Die waren aus Seide. Da war ich richtig erstaunt.“

Nachdem der KFC zuletzt zwei Jahre in der Oberliga spielte, geht es seit dem diesjährigen Aufstieg in die Regionalliga West wieder bergauf. Aktuell spielt das Team in der Liga ganz oben mit. Ganz zur Freude von Kalle. „Es wird immer besser“, schwärmt er. In seinem Block hat er dazu das passende Gedicht: „ Die Grotenburg ist wunderschön, ich möchte sie gern wiedersehen. Die Grotenburg wird Sieger sein, ja dann ist sie auch nicht allein. Die Grotenburg ist sagenhaft, der nächste Aufstieg wird geschafft. “ Träumen soll erlaubt sein, auch für Kalle. Auch wenn die Liga für ihn nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Seine Gesundheit steht für ihn an erster Stelle. Dass diese nicht selbstverständlich ist, musste er vor 22 Jahren leidvoll feststellen. Bei einem Unfall verlor er einen Fuß. Seitdem trägt er eine Prothese. „Ich kann nicht mehr so viel laufen und schaue deshalb nicht mehr so oft beim Training zu.“

Da die erste Mannschaft nicht mehr in der Grotenburg, sondern in Krefeld-Oppum trainiert, hat er aktuell keinen persönlichen Kontakt zu den Spielern. Oppum ist für Kalle zu weit weg. Der 69-Jährige besitzt kein Auto und muss entweder zu Fuß gehen oder den Bus nehmen. Statt des Trainings der ersten Mannschaft verfolgt er daher öfters die Übungseinheiten der C-Jugend. „Die Jungs sind begeistert, wenn ich da singe. Auch die B- und die A-Jugend wollen mich gern dabei haben.“

Doch am Wochenende kann er sich nicht in mehrere Stücke teilen. Wenn die Jugendmannschaften zeitgleich mit der ersten Mannschaft spielen, gibt es für Kalle nur eine Wahl: die erste Mannschaft. Egal ob auswärts oder zuhause:„Ich darf nicht fehlen“, sagt er. „ Wenn wir Europas Nummer eins sein wollen, dann müssen wir alle Spiele gewinnen. “ So zumindest steht es in seinem Block. In Zukunft sollen dort noch weitere Einträge folgen. Sowohl beim Tennis als auch beim Fußball. Denn egal, wo Kalle sich aufhält, seinen Block hat er immer dabei. Ebenso wie seine lautstarke Stimme. Eine Stimme, die ihn zu einem echten Krefelder Original macht.

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