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Amateurvereine im DFB-Pokal-Runde|11.08.2014|07:20

Geislingen & Co: Die größten Pokalsensationen

Auf Schultern getragen: SC-Geislingen-Coach Baumann. [Foto: imago]

Die Tarnung war geradezu perfekt. Auf den Trikots des Viertligisten ASV Bergedorf stand "Klein-Kleckersdorf", und beinahe hätte der Werbegag einer Brauerei seine Wirkung getan. Drei Sekunden fehlten nur zur großen Sensation der ersten DFB-Pokalrunde 1982/1983, dann rettete ein Tor von Dieter Hoeneß die Münchner Bayern in die Verlängerung. Erst jetzt schwanden den Amateuren die Kräfte, die Stars um Kalle Rummenigge und Paul Breitner siegten noch 5:1.
Nicht immer kommen Bundesligisten im DFB-Pokal so glimpflich davon. Seit der Reform des Wettbewerbs 1974, als erstmals 128 Mannschaften zugelassen wurden und die Amateure in der Überzahl waren, warfen sie allein in der ersten Runde 52-mal Erstligisten raus. Eine Woche vor dem Auftakt des Pokalsaison 2014/2015 erinnern wir an die größten Sensationen zum Start.

Geislingen, 31. August 1984: Der HSV blamierte sich unter Trainer Ernst Happel beim Drittligisten. Zehn Jahre nach dem Trauma von Eppingen (1:2 in der 2. Hauptrunde 1974/1975) gingen die Hamburger erneut in der schwäbischen Provinz unter. Dabei hatte Happel extra noch ein Trainingslager arrangiert, um den Ernst des Spiels zu verdeutlichen. Aber am Ende stand es 2:0 für den SCG und Spielmacher Felix Magath klagte: "Die eigentliche Katastrophe ist, dass wir überhaupt keine Siegchance hatten."

Weinheim, 4. August 1990: Der große FC Bayern trat mit fünf Weltmeistern einen Monat nach dem WM-Triumph von Rom beim badischen Oberligisten FV Weinheim an und wurde gedemütigt wie selten zuvor. Er fand kein Rezept gegen den FVW, ein gewisser Thomas Schwechheimer erzielte schon vor der Pause per Elfmeter das Tor des Tages zum 1:0-Sensationssieg. Der Feinblechner war hinterher heiß begehrt, sein Trainer musste ihn mit Engelszungen überreden, damit er ins Sportstudio ging. Das Einzige, was die Bayern mitnahmen, war ein Bildband von Weinheim und Umgebung.

Vestenbergsgreuth, 14. August 1994: Wieder erwischte es die Bayern, nun auch noch vor der Haustür. Mit ihrem neuen Trainer Giovanni Trapattoni gastierte der damals amtierende Meister im Nürnberger Frankenstadion beim fränkischen Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth, der aus einem 360-Einwohner-Dorf kam. Elf Nobodies bezwangen in für sie ungewohnter Atmosphäre vor 24.200 Zuschauern elf Superstars – von Kahn bis Matthäus. Besonders peinlich für die Bayern: Das Spiel wurde live im ZDF übertragen, als hätten die Mainzelmännchen die Sensation schon kommen sehen. Das einzige Tor erzielte ein gewisser Roland Stein nach 43 Minuten. An den großen Tag erinnert noch immer der "1:0-Tee", den der Vereinschef der heutigen Spielvereinigung Greuther Fürth, Helmut Hack, eigens erfand. Er wird im Fan-Shop der Fürther, die 1996 mit TSV Vestenbergsgreuth fusionierten, noch immer vertrieben.

"Die eigentliche Katastrophe ist, dass wir überhaupt keine Siegchance hatten"

Sandhausen, 27. August 1995: Wieder eine Sensation in Baden-Württemberg, die sogar einen bis heute gültigen Rekord zu Tage brachte. Nie in der DFB-Pokalgeschichte gab es mehr Tore im Elfmeterschießen, einige Spieler traten sogar zweimal an. Es wurde nötig, weil es zwischen dem Regionalligisten und dem VfB Stuttgart auch nach 120 Minuten (2:2) noch keinen Sieger gab. Eine kleine Blamage für den VfB, der mit seinem "magischen Dreieck" (Balakov-Bobic-Elber) angetreten war. Es kam noch schlimmer: Am Ende hieß es 15:14 für den SV Sandhausen, denn Stuttgarts Hendrik Herzog hatte nach 25 Treffern (!) als einziger verschossen.

Beckum, 27. August 1995: Am selben Tag verabschiedete sich der 1. FC Köln nach einem torlosem Spiel beim Oberligisten Spvgg. Beckum (Westfalen) ebenfalls nach Elfmeterschießen (3:4) aus dem Pokal. Vor 7000 Zuschauern wird Torwart Jürgen Welp zum Helden des Tages, er hält den letzten Strafstoß von Bruno Labbadia. Köln entlässt noch am Abend Trainer Morten Olsen.

Stuttgart, 26. August 2000: Nur 1700 Zuschauer sahen im Daimler-Stadion den höchsten Sieg eines Drittligisten gegen einen Bundesligisten. Die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart demontierte Eintracht Frankfurt unter Trainer Felix Magath mit sage und schreibe 6:1. Den VfB coachte Rainer Adrion. Nach dem Platzverweis für Markus Lösch (50.) brach die Eintracht völlig ein. So kam auch der ehemalige Eintracht-Profi Ioannis Amanatidis zu zwei Toren.

Alle Stars dabei

Ulm, 26. August 2001: Erstmals schlägt ein Fünftligist einen Bundesligisten. Der SSV Ulm 1846, im Jahr 1999/2000 noch erstklassig, war aus wirtschaftlichen Gründen bis in die Verbandsliga abgestürzt. Doch der einzige aus der Bundesliga verbliebene Profi, Dragan Trkulja, erzielte per Elfmeter das 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg, der von Klaus Augenthaler trainiert wurde.

Pirmasens, 9. September 2006: Mit allen Stars war der SV Werder Bremen an den Sportpark Husterhöhe, der Heimat des Regionalliga-Aufsteigers FK Pirmasens, gekommen. Aber die Mannschaft um Diego und WM-Torschützenkönig Miroslav Klose rettete sich erst durch ein spätes Tor von Ivan Klasnic in die Verlängerung (1:1). Im Elfmeterschießen gab es keine Rettung mehr, gleich drei Bremer verschossen und die Westpfälzer feierten die ganze Nacht lang. Ihr Erfolgsgeheimnis: Trainer Robert Jung hatte den Ersatztorwart aufgestellt, der damit geworben hatte, noch kein Elfmeterschießen verloren zu haben. Rainer Schwarz hielt zwei Bälle – und Wort.

Leipzig, 29. Juli 2011: Drei Klassen lagen zwischen den Kontrahenten, der Klub aus der Großstadt Sachsens war der krasse Außenseiter. RasenBallsport Leipzig, damals Regionalligist - also vierte Liga -, zeigte aber gegen den Meister von 2009 keinerlei Scheu. Zur Freude der 31.200 Zuschauer im WM-Stadion erzielte Daniel Frahn zwei schnelle Tore, doch der VfL schlug zurück. Srdjan Lakic und Hasan Salihamdizic stellten nach 28 Minuten Gleichstand her, nun würde doch alles seinen erwarteten Gang nehmen – dachte man. Doch die Magath-Auswahl machte die Rechnung ohne Frahn, der wiederum das größte Spiel seiner Karriere machte: in der 45. Minute köpfte er sein drittes Tor und so ging es mit 3:2 in die Kabinen. Felix Magath wechselte Tuncay für Josue ein und später gegen Helmes wieder aus, nach 62 Minuten hatte er alle Joker gezogen. Sichtbares Zeichen von Unzufriedenheit. Und RB? Brach einfach nicht ein, das Team von Trainer Peter Pacult, heute in Dresden, verteidigte den knappen Vorsprung bis zum Abpfiff.. Dann feierten sie. Frahn sagte frech auf die Frage, ob man Trikots getauscht habe: "Ich glaube nicht, dass sich Simon Kjaer mein Trikot übers Bett hängen will." Manager Wolfgang Loos erklärte den Helden des Tages vorsorglich für unverkäuflich, weshalb er heute in der 2. Bundesliga immer noch auf Torejagd geht für die Bullen. Felix Magath holte damals die Peitsche raus: "So können wir nicht in die Bundesliga starten, es wird sich einiges ändern."

Schon 3:0 zur Pause

Berlin, 18. August 2012: Sechs Bundesligisten scheiterten in der 1. Runde der Saison 2012/13, aber keiner blamierte sich mehr als die Hoffenheimer. 0:4 bei einem Regionalligisten, das stellte alles in den Schatten. "Wir haben Geschichte geschrieben", jubelte BAK-Trainer Jens Härtel nach der Hitzeschlacht. Es war in der Tat der höchste Sieg eines Viertligisten gegen einen Bundesligisten in 77 Jahren DFB-Pokal – und das vor nur 1468 zahlenden Besuchern. Schon zur Pause lag die Sensation in der Luft, da stand es 3:0! Den desolaten Hoffenheimern, die vor der Saison von der Europa League träumten, versetzte das Pokalerlebnis einen Schock. Es war der Anfang einer verkorksten Saison, Torwart Tim Wiese leistete sich ungewöhnliche Patzer, er verschuldete das 0:4 von Metin Cakmak, danach war alles aus. Cakmak durfte abends ins Sportstudio des ZDF und wunderte sich über die Schnellebigkeit des Geschäfts: "Eben noch auf dem Platz, dann im Flugzeug und jetzt bin ich hier." Der Pokal hat eben seine eigenen Gesetze. Eines lautet: Kein Wettbewerb macht dich schneller berühmt.

Darmstadt, 4. August 2013: In der vergangenen Saison warfen drei Drittligisten Bundesliga-Klubs heraus. In die Riege der größten Sensationen schafften sie es nicht ganz, immerhin trugen auch die Sieger schon große Namen. Alle hatten sie Bundesligaerfahrung, auch sind Drittligisten längst keine Amateure mehr. Der 1. FC Saarbrücken schlug Werder Bremen nach Verlängerung mit 3:1, Arminia Bielefeld schlug Aufsteiger Eintracht Braunschweig 2:1 und Darmstadt 98 kam durch Elfmeterschießen gegen Borussia Mönchengladbach weiter. In Erinnerung blieb der nachlässig gelupfte letzte Gladbacher Elfmeter von Branimir Hrgota. Der Schwede visierte nicht nur die Tormitte an, er traf zudem die Latte. Borussia war ausgeschieden und Sportdirektor Max Eberl schimpfte: "Wenn der Kunstschuss aus elf Metern reingeht, klopfen sich alle auf die Schulter. Wenn nicht, ist man als Schütze der Depp. So einfach ist die Regel", sagte er und belehrte Hrgota umgehend: "Die Wahrscheinlichkeit zu treffen ist bei einem Schuss in die Ecke größer als bei einem Kunstschuss." Ein Gesetz, das nicht nur im Pokal gilt.