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Ex-Profi |01.01.2018|08:41

Nsaliwa: Einst mit Rivaldo, jetzt 10. Liga

2007 traf Tamandani Nsaliwa (links) im UEFA-Cup mit AEK Athen auf den AC Florenz. [Foto: Getty Images]

Mit dem brasilianischen Weltfußballer Rivaldo spielte er zusammen in der Champions League, jetzt trainiert er bei einem pfälzischen Zehntligisten die Juniorinnen: Tamandani Nsaliwa vom SV Bruttig Fankel hat wirkliche eine außergewöhnliche Laufbahn hinter sich. Der in Malawi geborene Mittelfeldspieler ist wohl der Inbegriff eines Weltenbummlers, schaffte es aus der Fußballakademie in Edmonton über die 2. Bundesliga bis auf die große Bühne des Europapokals. Nun ist er in Deutschland sesshaft geworden und lässt seine Karriere in der C-Klasse Hunsrück ausklingen. Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht der 35-Jährige über seine Zeit als kanadischer Nationalspieler, die Erfahrung Amateurfußball und sein zweites Standbein als Hip-Hop-Musiker.

FUSSBALL.DE: Herr Nsaliwa, Sie waren während Ihrer Zeit als Profi in sieben verschiedenen Ländern aktiv - unter anderem in Griechenland, Norwegen und Spanien. Wo fühlten Sie sich persönlich am wohlsten?

Tamandani Nsaliwa: Den größten Erfolg hatte ich wohl in Griechenland. Da war ich Teil einer richtig guten Mannschaft. In Spanien zu spielen, war aber auch definitiv eine tolle Erfahrung. Die Fußballkultur dort ist einfach etwas ganz Besonderes.

Zwischen 2000 und 2006 haben Sie es mit Nürnberg, Saarbrücken und Regensburg immerhin auch auf 104 Einsätze in der 2. Bundesliga gebracht. Wie würden Sie ihre Zeit dort einschätzen?

"Wenn man nicht als Diva auftritt, nur weil man etwas höher gespielt hat, gibt es keine Probleme"

Der Fußball in Deutschland war um die 2000er herum noch etwas anders als heute. Als junger Spieler bekam man damals nicht so viel Einsatzzeit. Die Trainer setzten eher auf die Routiniers, ältere Profis bekamen den Vorzug. Auch der Fußball selbst war nicht allzu ansehnlich, mehr Arbeit als Kunst. Ich hatte mir das alles etwas anders vorgestellt, das Spielen hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Aber es war eine gute Lernphase, die mich darauf vorbereitet hat, ins Ausland zu gehen. Wenn ich zurückblicke, war es insgesamt also doch ein gutes Kapitel.

Sie haben unter Trainern wie Rudi Bommer, Klaus Augenthaler oder Ewald Lienen gespielt. Wer hat Sie fußballerisch am meisten geprägt?

Definitiv Lorenzo Ferrer, mein Trainer bei AEK Athen. Er hatte zuvor schon einmal den FC Barcelona gecoacht und es war eine Ehre für ihn zu spielen. Spanischer Fußball ist sehr perfektionistisch und mit viel Arbeit verbunden. Aber auch Ewald Lienen, der mich 2007 nach Griechenland holte, war ein wichtiger Einfluss. Er hat mich groß gemacht und unter ihm sind mir die größten Fortschritte gelungen. Ohne die beiden wäre ich nicht der Fußballer geworden, der ich heute bin.

Gab es denn auf Spielerseite auch große Namen, mit denen Sie zusammen auf dem Platz standen?

In Athen habe ich damals mit Rivaldo zusammengespielt. Zu dem braucht man eigentlich gar nicht mehr viel sagen: ein absoluter Profi und einer der komplettesten Fußballer, die es je gab. Andere bekannte Gesichter sind dann vielleicht noch Anthony Ujah und Olivier Occéan, die in Norwegen meine Teamkollegen waren. Auch Kevin McKenna oder Atiba Hutchinson, der in der Champions League jetzt mit Besiktas Istanbul auf den FC Bayern trifft, sind alte Bekannte von mir.

Verfolgen Sie heute noch, wie es um Ihre ehemaligen Vereine oder Mitspieler steht?

Ich schaue immer wieder einmal in die Ergebnisse. Was passiert in Saarbrücken, was in Regensburg? Ich bin auch immer noch mit meinen Vereinen in Griechenland verbunden. Wenn man einmal da gespielt hat, reißt das Interesse natürlich nicht einfach so ab. Mit den alten Kollegen habe ich aber nur noch wenig Kontakt.

Sie haben lange in Kanada gespielt, absolvierten sogar 13 Partien für die Nationalmannschaft. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Zeit bei „Les Rouges“?

Das war eine tolle Erfahrung. Ich hätte natürlich gerne mehr gespielt, ich war zu der Zeit auf meinem fußballerischen Höhepunkt. Aber ich habe dann einen deutschen Pass beantragt und war damit nicht mehr für die Nationalelf spielberechtigt. Schließlich bin ich ja nicht in Kanada geboren. Rückblickend fällt das wohl einfach unter die Kategorie „Dumm gelaufen“.

Was würden Sie denn als Highlight Ihrer Karriere bezeichnen?

Mit AEK Athen habe ich in der Champions League-Qualifikation vor vollem Haus gegen den FC Sevilla gespielt, das war eine tolle Erfahrung. Es war damals mein erstes Spiel für den neuen Verein. An dem Tag dachte ich „Jetzt habe ich es geschafft, meinen Traum zu verwirklichen“. 2009 stand ich zudem im Finale des griechischen Pokals. Das sind mit die schönsten Erinnerungen, die ich habe.

2015 lief ihr letzter Profivertrag beim türkischen Klub Bucaspor aus. Warum haben Sie sich dann nach neun Jahren im Ausland wieder für eine Rückkehr nach Deutschland entschieden?

Ich wohne noch immer hier. Ich habe hier ein Haus, eine Familie. Ich war quasi nie weg. Ich bin einfach nur heimgekommen.

Sie waren zuletzt zwei Jahre lang vereinslos, seit Saisonbeginn spielen Sie nun beim SV Bruttig-Fankel in der Kreisliga C. Wie sind Sie ausgerechnet auf diesen Verein gekommen?

Bruttig-Fankel ist meine neue Heimat. Als dort 2015 nach fast 23 Jahren Abstinenz wieder ein Fußballverein gegründet wurde, bin ich als Co-Trainer mit eingestiegen. Nach zwei Saisons an der Seitenlinie habe ich mir dann gesagt: Jetzt kannst du eigentlich auch mitspielen.

Der FC Karbach aus der Oberliga hatte laut Medienberichten auch Interesse an Ihnen bekundet. Warum ist es nicht zu einem Engagement dort gekommen?

Das war mir zu kompliziert. Ich hatte vorher zwei Jahre lang nicht gespielt und wollte keinen Kaltstart wagen. Ich wusste ja auch gar nicht, ob ich die Erwartungen an mich erfüllen kann. Am Ende lag es auch ein wenig an meiner der Familie - dreimal Training pro Woche und am Wochenende ein Spiel, das ließ sich damit nicht vereinbaren. In Bruttig ist es jetzt viel einfacher und sicherer. Aber ich stehe noch immer mit dem Karbacher Trainer in Kontakt.

Wenn man unter anderem in der Nationalmannschaft und der Champions League gespielt hat, wie groß ist da die Umstellung auf die zehnte Liga?

Das Leistungsniveau ist vielleicht nicht ganz so hoch, weil jeder der spielen kann oder will, auch mitmachen darf. Aber das ist in Ordnung, es geht mir ohnehin nur noch um den Spaß.

Haben Gegner und Mitspieler mehr Respekt vor Ihnen, dem gestandenen Profi?

Respekt ja, besonders vor oder nach dem Spiel. Dir wird aber nicht der rote Teppich ausgerollt. Es gibt auch Gegenspieler, die besonders motiviert sind, dir einen einzuschenken. Innerhalb der Mannschaft ist die Stimmung vollkommen in Ordnung - sonst würde ich hier auch gar nicht spielen. Wir haben eine gute Qualität und uns in den letzten zwei Jahren besser kennengelernt. Wenn man nicht als Diva auftritt, nur weil man etwas höher gespielt hat, gibt es keine Probleme.

Gibt es denn tatsächlich Leute, die nur wegen Ihnen zu den Spielen kommen?

Es waren schon vor meiner Ankunft viele Zuschauer hier. Der Verein wurde gerade erst neu gegründet, der Hype ist groß. In der C-Klasse haben wir wohl mit die meisten Zuschauer - zwischen 100 und 200 pro Spiel. Ich bin also nicht die neue Hauptattraktion des Vereins. Nur bei Auswärtsspielen sind jetzt vielleicht ein paar mehr Leute dabei, die wegen mir kommen. Kinder fragen mich ab und zu auch mal nach einem Autogramm.

Sie stehen in der C-Klasse Hunsrück auf einem sicheren fünften Rang. Auf den Aufstiegsplatz sind es aber auch schon acht Punkte Rückstand. Wie zufrieden sind Sie mit der Saison bisher?

Ich hatte in den letzten Spielen öfter Schmerzen. Ich merke einfach, dass ich alt werde. Ich möchte deshalb nicht mehr zu verbissen an die Sache heran gehen oder gar sagen, dass wir jetzt aufsteigen wollen. Den Druck wollen wir uns nicht machen.

Wie sieht denn Ihre Zukunftsplanung aus? Wollen Sie noch einmal höherklassig angreifen?

Ich komme körperlich schon langsam an meine Grenze. Vielleicht kann ich Karbach noch einmal aushelfen, das Profi-Comeback habe ich aber definitiv abgeschrieben (lacht) .

In Bruttig-Fankel sind Sie als spielender Co-Trainer und auch noch als Coach im Mädchenfußball tätig. Könnten Sie sich vorstellen, später in Vollzeit Coach zu werden?

Jein. Meine Aufgaben hier sind noch zu bewältigen aber ich weiß eben auch, wie stressig es im Profi-Geschäft läuft. Ich möchte mich nicht durch den Fußball unter Druck setzen lassen, sonst macht er dich nämlich kaputt. Wir wohnen jetzt in einem Urlaubsort und arbeiten an einer Art Strandbar. Das könnte beruflich der nächste Schritt sein.

2013 haben Sie unter dem Künstlernamen „Tam“ Ihr erstes eigenes Hip-Hop-Album veröffentlicht. Ist die Musik vielleicht Ihr zweites Standbein nach der Fußballerkarriere?

Musik mache ich schon seit langem, mir ging es dabei allerdings immer nur um den Spaß. Irgendwann habe ich mich dann aber schon gefragt, warum nicht einfach mal etwas veröffentlichen sollte. Mittlerweile habe ich die Möglichkeiten mit meiner Musik weiterzukommen, habe auch schon Texte für andere Künstler geschrieben. Ich könnte mir daher durchaus vorstellen, dass das eine Perspektive werden könnte. Also wer weiß, vielleicht kommt da noch was.

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