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Hybridrasen|27.04.2017|14:00

Profis staunen über Grevenbroichs Hybridrasen

Halb echt, halb künstlich: Das satte Grün im Schloss-Stadion des TuS Grevenbroich ist ein Hybridrasen - der erste in Nordrhein-Westfalen. [Foto: TuS Grevenbroich]

In der Beletage des deutschen Fußballs setzen höchstens die absoluten Topklubs darauf, beim TuS Grevenbroich ist es seit Beginn der laufenden Saison Realität: Der traditionsreiche Bezirksligist vom Niederrhein bestreitet seine Heimspiele im Schloss-Stadion auf sogenanntem Hybridrasen. Dass der spezielle Spielbelag pflegeintensiv ist, haben die Verantwortlichen inzwischen gelernt. Doch gelohnt hat sich der Hybridrasen für die Grevenbroicher schon jetzt, schließlich zeigt sich der TuS in dieser Saison sehr heimstark. Mit dem neuen Geläuf soll nun an alte Zeiten angeknüpft werden - als erster Verein in Nordrhein-Westfalen mit einem Hybridrasen.

Früher war der TuS Grevenbroich mal eine große Nummer am Niederrhein. Zwischen 2.000 und 3.000 Zuschauer pilgerten ins Schloss-Stadion und feuerten den Klub an - damals, als der TuS noch drittklassig spielte, später lange in der Landesliga. Inzwischen sind die Grevenbroicher Fußballer in der Bezirksliga angekommen, seit mittlerweile vier Spielzeiten. Nun soll es wieder bergauf gehen. Helfen soll dabei der Platz, auf dem die Heimspiele ausgetragen werden. Denn der ist seit Anfang der Saison ein Hybridrasen - Mischung aus Natur- und Kunstrasen also.

Friedel Geuenich, Vorsitzender der Fußball-Abteilung des TuS Grevenbroich, blickt nach inzwischen fast einer gespielten Saison auf dem neuen Grün auf die Anfänge zurück. Eine Veränderung musste her im Schloss-Stadion, der alte Platz war durchlöchert mit braunen Flecken, schönes Fußballspielen war kaum möglich. Für die Ansprüche, an alte Zeiten anzuknüpfen, musste ein neuer Belag her. "Wir haben dann überlegt, einen Kunstrasenplatz zu bauen. Allerdings spielen Fußballer doch noch immer am liebsten auf dem echten Grün. Außerdem ist der Platz von einer Asche-Laufbahn umgeben, die stetige Säuberung des Kunstrasens wäre zu kostenintensiv gewesen", erklärt Geuenich.

Also sah man sich in Grevenbroich nach Alternativen um. Ein normaler Naturrasen stand nicht auf der Liste möglicher Lösungen, zu schnell wäre auch das neue Geläuf marode gewesen. "Also haben wir uns dazu entschieden, einen Hybridrasen zu verlegen", sagt Geuenich. Damit war man Vorreiter. Nicht einmal die Bundesligisten im Westen setzen auf die recht neue Alternative - der TuS Grevenbroich avancierte zum ersten NRW-Klub, der seine Heimspiele auf Mischrasen austrägt. Lediglich bei Borussia Mönchengladbach besteht ein kleiner Teil des Trainingsgeländes aus diesem Untergrund, dort überzeugte man sich von der Qualität.

"Der Hybridrasen bleibt selbst bei Sauwetter fest"

Günstiger, aber pflegebedürftig

Was sind die Vorteile eines Hybridrasens? "Bei schlechten Witterungsbedingungen und Regen wird ein Naturrasen bei Belastung schnell sehr tief. Der Hybridrasen bleibt dagegen selbst bei Sauwetter fest", erklärt Geuenich. Bei einer solchen Variante des Platzes werden zunächst Matten mit Kunstrasenfasern verlegt, darauf wird dann der Naturrasen gesät, der nach einigen Wochen zur dichten Wiese wird - ganz nach dem Geschmack aller Fußballer. Der Vorteil: Die Kunst- und Naturrasenfasern verbinden sich und bilden eine stabile Einheit, die selbst die beherzteste Grätsche kaum zerstören kann. "Auch in schlechten Wetterperioden ist der Platz inzwischen trotz Trainings- und Spielbetrieb in einem guten Zustand und eine grüne Fläche", schwärmt Geuenich. Die Kosten dafür lagen insgesamt bei rund 270.000 Euro, was günstiger ist als ein reiner Kunstrasen.

Doch aller Anfang war schwer. Zunächst machte der Bau Probleme. Auf der einen Seite stand das Vereinsleben, das aus den Fugen zu geraten drohte: "Fast ein halbes Jahr lang mussten wir den Spielbetrieb der Senioren, der Frauen und der Jugendteams auf verschiedene Spielstätten verteilen. Das war nicht einfach, wir hatten keine gemeinsame Heimat mehr", erklärt der Vorsitzende. Eine andere Herausforderung war die Bauphase. Viereinhalb Monate benötigte man insgesamt, was deutlich über der üblichen Zeitspanne liegt. Bei den Arbeiten wurde das Bewässerungs- und Drainagesystem zerstört, musste erst geflickt werden.

Als der Hybridrasen endlich fertig und bespielbar war, stellte sich die Pflege als zweite große Hürde heraus. "Ein solcher Platz bedarf eines viel höheren Pflegevolumens", so Geuenich. "Anfangs kam im Verein etwas Unmut auf. Durch die falsche Pflege wurde der Platz teilweise rutschig, die Spieler hatten Probleme." Doch der TuS holte sich Hilfe und lernte, mit dem neuen Geläuf umzugehen. "Inzwischen haben wir viele Erfahrungen gemacht und Erkenntnisse gesammelt", sagt Geuenich. Steht am Samstag ein Spiel auf dem Plan, wird am Montag oder Dienstag geschnitten und gedüngt - alles für das perfekte Grün, auf dem sich die Spieler wohlfühlen.

Düsseldorf und RWE begeistert

"Unsere Teams sind inzwischen sehr zufrieden mit dem Hybridrasen", freut sich der Vorsitzende. Der Platz ist dicht. Selbst der Strafraum, der auf anderen Plätzen oft einer Sandgrube gleicht, sieht aus wie frisch verlegt. "Der Platz wird nicht tief, sondern bleibt immer schön fest." Das scheint auch die Leistung des TuS Grevenbroich zu beeinflussen. Zwar steht die 1. Mannschaft der Niederrheiner in der Bezirksliga in dieser Saison derzeit nur im Mittelfeld der Tabelle, ein kurzfristiger Aufstieg in die Landesliga ist also in diesem Jahr nicht möglich. Doch der Heimvorteil des TuS ist nicht zu übersehen: 29 von 42 Zählern in dieser Saison sammelte der Klub im heimischen Schloss-Stadion. Geuenich sieht das unterdessen realistisch: "Sicherlich müssen sich die Gegner immer neu auf den Rasen einstellen, allerdings holen viele Teams zu Hause mehr Punkte. Ich glaube nicht, dass wir einen großen Vorteil durch den Hybridrasen haben."

Anfragen kamen dennoch viele: Vereinsverantwortliche meldeten sich in Grevenbroich, wollten über den Hybridrasen Bescheid wissen. Sogar Sascha Rösler, ehemaliger Bundesliga-Profi und derzeit Teammanager bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf, kam persönlich vorbei, um das Geläuf zu begutachten. "Sascha hat früher in Grevenbroich gespielt, außerdem ist der TuS im Jugendbereich ein Partnerverein der Fortuna. Er war hellauf begeistert", berichtet Geuenich. Auch beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen freute man sich: Im August 2016 durfte der Viertligist im Rahmen eines Niederrheinpokalspiels beim TuS antreten und den neuen Hybridrasen einweihen. "Bei RWE war man von dem Rasen sehr angetan", sagt Geuenich mit einem Lachen - das Spiel endete mit einem 9:0 für die Gäste.

Mit dem neuen Hybridrasen also macht sich der TuS Grevenbroich auf in eine bessere Zukunft. "Unsere sportlichen Ziele sind es, so schnell wie möglich zurück in die Landesliga und langfristig in die Oberliga zu kommen", sagt Geuenich. "Bei der Vereinsgeschichte muss das unser Ziel sein." Der Rasen, das Herzstück des Schloss-Stadions, ist dabei nur eine Komponente, immer weiter soll in die Infrastruktur investiert werden, um sich auf die Zukunft vorzubereiten. Neue Kabinen, neue Trainingsplätze - der Hybridrasen war nur der Anfang. Der Anfang einer neuen großen Nummer am Niederrhein.

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