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Neue Serie |15.01.2020|16:00

SG Wattenscheid 09: Heimatklub von Leroy Sané

Von 2001 bis 2005 spielte Leroy Sané für den Verein, bei dem auch schon seit Vater Souleyman glänzte: die SG Wattenscheid.[Foto: Philipp Reinhard]

FUSSBALL.DE startet eine neue Serie! Im 14-Tage-Rhythmus beleuchten wir ab heute Vereine, die einst bundesweit im Rampenlicht standen, in der Bundesliga die ganz Großen zum Straucheln brachten, heute aber im Amateurfußball zu finden sind. Eine provozierende Aussagen von Uli Hoeneß, der Vater von Nationalspieler Leroy Sané und der bittere Rückzug aus der Regionalliga West - in der Premiere geht es um die SG Wattenscheid 09.

Heute vor genau einem Jahr endete die Aufsehen erregende Spendenaktion, die der SG Wattenscheid 09 noch einmal das Leben retten sollte. 350.000 Euro brauchte der ehemalige Bundesligist, um die Regionalliga-Saison 2018/2019 zu Ende spielen zu können. Die kamen zwar per Crowdfunding nicht ganz zusammen, aber die Differenz legte der Aufsichtsratschef und Investor Özgan Can dann aus eigener Tasche oben drauf.

Der Jubel über die Rettung währte nicht allzu lang. Wer sich jetzt die Tabelle der Regionalliga West anschaut, sieht ganz am Ende eine Mannschaft ohne Tore und Punkte: Wattenscheid 09. Die SGW hat nun doch Insolvenz angemeldet und steht als erster Absteiger fest. In diesem Frühjahr rollt kein Ball mehr in der traditionsreichen Lohrheide, durch die einst über Lautsprecher ein Lied klang, das heute, im Januar 2020, wie Häme erscheint. "Fußballzeit im schönen Wattenscheid" heißt es da, gefolgt von der trotzigen Aussage "Wattenscheid 09 wird niemals untergehen." Nach der Insolvenz im Oktober 2019 stehen der Vorstand und der Aufsichtsrat für die kommende Saison bereits fest. Die Spielklasse, in der die SG Wattenscheid 09 in der Saison 2020/2021 antreten wird, jedoch noch nicht. Diese Entscheidung soll erst in Kürze bekannt gegeben werden.

Vor nicht allzu langer Zeit gab es durchaus Anlass zur Hoffnung, dass der Klub noch einmal bessere Zeiten sehen würde. Etwa am 4. Juli 2018, als folgende Worte fielen: "Die SG Wattenscheid 09 wird auf absehbare Zeit wieder in der Bundesliga spielen." Gesagt hatte das Peter Jaeger, Geschäftsführer eines Hamburger Start-up-Unternehmens, das aus der SGW "den digitalisiertesten Klub Europas" machen wollte.

"Dass wir es damals überhaupt in die Bundesliga geschafft haben, war schon eine Sensation"

Bisher war der Klub aus dem Ruhrpott, dessen Heimatstadt seit 1975 ja so ungern zu Bochum gehört, eigentlich nur für die beste Stadionwurst der Republik bekannt. Die aber hätte der SG-Fan fortan mit dem Handy bezahlen können und mittels einer Algorithmus-basierten Software sollte alles, was im Training und im Spiel passiert, vermessen und kategorisiert werden. Das Scouting wollten sie mittels dieser Technik auch verbessern, um genau die Spieler zu finden, die zur SGW passen und selbst Fan-Daten wollten sie erfassen. "Der Verein weiß aktuell nicht, wer ins Stadion kommt. Das ist schlecht", sagte Jaeger, der den Fans sogar maßgeschneiderte Werbung per App zukommen lassen wollte. Big Brother in Wattenscheid.

Kalli Feldkamp als Trainer

Die Firma wollte schließlich für den Erwerb von 25,1 Prozent der Anteile an der zu gründenden Fußball GmbH und den unbezahlbaren PR-Effekt als Gegenleistung binnen drei Jahren fünf Millionen Euro investieren – und damit kann man in der Regionalliga West im VIP-Raum schon etwas mehr auftischen als Bockwurst mit Senf. Und höhere Ambitionen hegen. Zunächst wollten sie mal zwei Klassen höher kommen und "das schaffen wir auch", versprach Jaeger im Sommer der Hoffnung. All diese Träume sind nach einem tiefgreifenden Zerwürfnis schon im Herbst 2018 geplatzt und die Talfahrt ging ungebremst weiter.

Mit Wehmut denken die Fans, die selbst in der Bundesliga nicht in hellen Scharen in die Lohrheide stürmten und in allen vier Jahren die Minusrekorde für die am schwächsten besuchten Spiele produzierten (Tiefpunkt: 3200 gegen den VfB Stuttgart am 15. November 1991), an die goldenen Tage zurück. Sie sind eng verbunden mit Klub-Boss Klaus Steilmann, der 2009 im Alter von 80 Jahren verstarb. 

Natürlich hängt der Absturz auch mit dessen Rückzug Ende der Neunzigerjahre zusammen, mit dem Niedergang seiner Firma. Aus einer kleinen Schneiderei machte Steilmann in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Europas größten Textilkonzern (Motto: "Mode für Millionen, nicht für Millionäre") und nebenher seine SG zu einem festen Bestandteil im Profifußball. Zunächst zu einem Dauergast in der 1974 gegründeten 2. Liga Nord, in die der Klub nach knapp verpasstem Aufstieg in die Bundesliga einzog.

Mit ehrgeizigen Zielen: Steilmann verpflichtete gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Argentinier Carlos Babington, der an der WM 1974 teilgenommen hatte. Mit dem Aufstieg wurde es aber auch unter dem jungen, späteren Meistertrainer mit Kaiserslautern, Kalli Feldkamp (1972 bis 1976), und dem kommenden Schalker Nationalspieler Hannes Bongartz nichts. Auch als die 2. Liga eingleisig wurde (ab 1981), dauerte es einige Zeit.

Hoeneß' Aussage erzürnt Anhänger

Zunächst ging es gegen den Abstieg, dem die SGW 1982 nur dank des Lizenzentzugs von 1860 München entging. 1983 hielt sie trotz eines Starts mit 0:16 Punkten die Klasse, weil Steilmann wiederum an Trainer Fahrudin Jusufi festhielt. Ende der Achtziger klopfte die SG unter Gerd Roggensack schon zweimal ans Tor der Bundesliga, am 12. Mai 1990 ging sie hindurch. Ex-Spieler Hannes Bongartz war als Trainer an die Lohrheide zurückgekehrt und formte ein Aufstiegsteam, das durch einen 5:1-Sieg über Mitaufsteiger Hertha BSC am 12. Mai 1990 den Alptraum eines gewissen Uli Hoeneß wahrmachte. Der Bayern-Manager hatte nämlich gesagt, Wattenscheids Aufstieg sei "das Schlimmste, was der Bundesliga passieren" könne. Auf der Aufstiegsfeier war prompt ein Transparent zu sehen mit der Aufschrift: "Hoeneß, wir zeigen's Dir!" Und so kam es.

Ein Jahr später vermasselten die Wattenscheider dem FC Bayern mit einem 3:2-Sieg am drittletzten Spieltag im Bochumer Ruhrstadion, wohin die SG bei großen Spielen auswich, die Titelchancen. Hoeneß musste sich noch öfter ärgern: Wattenscheid ist einer von nur sechs Klubs, der gegen den Rekordmeister eine positive Heimbilanz hat – zwei Siege, ein Remis und nur eine Niederlage.

Ein anderes Highlight war der Derbysieg gegen den VfL Bochum (2:0) am 11. Dezember 1992, für Steilmann "der schönste Tag meines Lebens". Die schönen Tage endeten nach vier Jahren, als die SG wieder in den Fahrstuhl nach unten stieg – hoch erhobenen Hauptes. "Dass wir es damals überhaupt in die Bundesliga geschafft haben, war schon eine Sensation", erzählte Bongartz später, "aber dass wir uns da vier Jahre lang gehalten haben, war unglaublich und wäre heutzutage völlig unmöglich."

Das Wunder basierte auch auf dem besonderen Vertrauensverhältnis zwischen Steilmann und Bongartz. Motto: Kurze Dienstwege, langer Atem. Steilmann gab viel Geld, setzte aber abgesehen von dem Missgriff mit Babington nie auf große Namen. Er gab seinen Trainern – schon vor der Ära Bongartz – alle Freiheiten und schuf die Rahmenbedingungen für Erstligafußball. Schwer genug für einen Klub, der nicht mal in der eigenen Stadt die Nummer eins war.

Leroy Sanés Vater im Sturm

Bongartz wiederum gab seinen Jungs Selbstvertrauen und übertrug seine optimistische Art auf die Mannschaft, die er modernen Fußball spielen ließ: In Wattenscheid wurde mit einer Viererkette im Raum verteidigt, als bei der Konkurrenz noch der Libero mit Manndeckern agierte. Im Mittelfeld wuselte ab 1992 Null-Minuten-Weltmeister Günter Hermann und der spätere Bayern-Profi Thorsten Fink, vorne enteilte der schnelle Ghanaer Souleyman Sané, mit 39 Toren in der Bundesliga Rekordschütze der SG, den Verteidigern aus Hamburg und München. Sein Sohn Leroy hat es bekanntlich zum deutschen Nationalspieler gebracht, auch er trug in der Jugend das SG-Trikot.

Im Grunde war Wattenscheid so etwas wie das Freiburg des Westens. Nur wurde es anders wahrgenommen. Als "graue Maus" verunglimpft statt für die beachtlichen Leistungen geschätzt, vom Publikum weitgehend ignoriert, vermisste die Fußballnation die Wattenscheider nicht, als es sie im vierten Bundesligajahr 1994 erwischte. Schlagzeilen gab es nur noch mal, als Britta Steilmann die Führung übernahm. Die Tochter des Klubpatriarchen wurde als Managerin installiert und provozierte mit kessen Sprüchen und (damals) verrückten Ideen wie der Mülltrennung im Stadion – und trieb Trainer Bongartz zum Rücktritt. "Erster Trainer von Frau gefeuert", titelte die Bild im März 1994.

Wattenscheid stieg binnen drei Jahren zweimal ab, wurde durchgereicht in die damals drittklassige Regionalliga Nord. Für zwei Jahre kehrte die SG noch einmal in die 2. Bundesliga zurück, wo sie in der Ewigen Tabelle (seit 1981) noch immer den 23. Platz von 89 einnimmt. Seit dem letzten Abstieg 1999, dem Steilmanns Rücktritt folgte, kamen keine Tore und Punkte mehr hinzu. Letzter wurde in jener Saison übrigens Fortuna Düsseldorf – die den Fahrstuhl nach oben nach einigen Irrungen bekanntlich wiedergefunden hat. Bei Wattenscheid fällt der Glaube daran derzeit schwer. Hannes Bongartz prophezeite schon 2011: "Hier wird es nie wieder Profifußball geben."

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