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Türkische Nationalspielerin Sibel Tezkan |25.10.2015|10:55

Tezkan: 4. Liga und EM-Quali gegen DFB-Frauen

Am Sonntag trifft Sibel Tezkan (links) auf das deutsche Team um Lena Goeßling. [Foto: Fotos Kämpf, Getty; Collage FUSSBALL.DE]

Sibel Tezkan wird gut schlafen. Auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Da ist sich die 22-Jährige ganz sicher. Nervosität und Lampenfieber werden erst kommen, wenn, wie sie es sagt, „die Realität einschlägt“ - sie also am Morgen vor dem Spiel erfährt, dass sie erneut in der Startformation der türkischen Nationalmannschaft steht. Diese Nachricht käme für Tezkan tatsächlich einem „Einschlag“ gleich. Nicht etwa, weil es eine große Überraschung wäre, sondern vielmehr, weil es gegen keinen Geringeren als die deutsche Auswahl geht. Den zweifachen Welt- und achtfachen Europameister.

„Wenn ich auflaufen darf, wäre das wohl das Spiel meines Lebens“, sagt Tezkan vor dem EM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen die DFB-Auswahl an diesem Sonntag in Sandhausen (14.15 Uhr, ARD live). Ihr sportlicher Alltag hat mit dem der deutschen Auswahlspielerinnen nämlich nicht viel gemein. Die gebürtige Bremerhavenerin spielt fernab der großen Stadien und des großen Medieninteresses in der vierten Liga, beim Mittelrheinligisten 1. FFC Bergisch Gladbach .

"Wie groß das Gefälle wirklich ist, wird sich am Sonntag zeigen, dann wird man die Wahrheit sehen"

Noch am vergangenen Sonntag stand Tezkan gegen den Kölner Rivalen KSV Heimersdorf 90 Minuten lang auf dem Platz und freute sich anschließend mit ihren Teamgefährtinnen über einen 1:0-Sieg. Einmal mehr hatte die Innenverteidigerin einen guten Job gemacht und geholfen, den vierten Tabellenplatz zu sichern. Ihre Kontrahentinnen am Sonntag, Lena Goeßling und Co., bestritten zeitgleich Partien in der Allianz Frauen-Bundesliga. Dass es da einen immensen Leistungsunterschied gibt, muss Tezkan niemand erklären. Doch die Deutsch-Türkin gibt sich kämpferisch: „Wie groß das Gefälle wirklich ist, wird sich am Sonntag zeigen, dann wird man die Wahrheit sehen. Aber ich glaube, dass wir mit Moral und Kampfgeist dagegenhalten können.“

Mit 16 entdeckt

Illusionen will sich die Defensivspezialistin aber nicht hingeben. Ein Unentschieden ist nahezu ausgeschlossen, käme also einer gewaltigen Überraschung gleich. Schließlich ist die Türkei noch ein gutes Stück davon entfernt, im Frauenfußball zu den führenden Nationen zu gehören. „Es tut sich dort aber einiges“, sagt Mustafa Bakrac. Der ebenfalls türkischstämmige Co-Trainer des 1. FFC Bergisch Gladbach verfolgt die Entwicklungen des Fußballs am Bosporus intensiv und glaubt, dass Sibel Tezkan eine gute Rolle in der türkischen Mannschaft spielen kann. „Sie ist technisch stark, hat eine super Übersicht und strahlt vor allem unheimlich viel Ruhe und Souveränität aus“, sagt Bakrac.

In der Tat verfügt Tezkan über Qualitäten, die in ihrer Spielklasse ungewöhnlich sind. Das hat nicht nur mit ihrem besonderen Talent zu tun, sondern auch mit ihrer fußballerischen Ausbildung. Einige Jahre spielte Tezkan für die Nachwuchsmannschaften des Erstligisten Bayer Leverkusen. Und diese Bühne verschaffte ihr letztlich auch die Chance, für die türkische Mannschaft entdeckt zu werden. Im Alter von 16 Jahren wurde sie vom türkischen Verband erstmals zu einem Sichtungslehrgang nach Hennef eingeladen. Die Bergisch Gladbacherin überzeugte und machte Karriere in den Auswahlteams der Türkei. Im Februar folgte dann das Debüt in der A-Nationalmannschaft. Obwohl die Verteidigerin längst ihre Ambitionen im Vereinsfußball zugunsten ihres Studiums in Düsseldorf zurückgeschraubt hatte und 2013 von Leverkusen in die Nachbarstadt Bergisch Gladbach gewechselt war.

Eltern auf der Tribüne

Beim 6:0 über Georgien stand Tezkan prompt in der Startelf. Auch beim 1:0-Erfolg in Albanien im August durfte sie wieder von Beginn an ran. Das erste Pflichtspiel folgte am Mittwoch. In der EM-Qualifikation trat die Innenverteidigerin nun mit dem türkischen Team im Budapester Ferenc-Puskas-Stadion gegen Ungarn an. Tezkan spielte erneut durch, lieferte eine gute Leistung ab, ging aber erstmals in ihrer Länderspielkarriere als Verliererin vom Platz. „Das 0:1 war aber vermeidbar“, sagt sie, während sie in ihrem Zimmer im Mannschaftshotel in Heidelberg sitzt, „ein Unentschieden wäre sicherlich verdient gewesen.“ Wenn man ihre Ausführungen hört, klingt das alles nicht mehr nach einem Abenteuer in einer fremden Welt.

Dabei ist es genau das. Und die Studentin genießt es. „Das Reisen mit der Nationalmannschaft macht Spaß und man sammelt natürlich unheimlich viel Erfahrung“, sagt sie. Im Kreise des türkischen Teams fühlt sie sich inzwischen sehr wohl. Zumal es eine große „deutsche“ Fraktion gibt. Weitere vier Spielerinnen laufen für deutsche Klubs auf, aber keine spielt in der vierten Liga. „Das sind allesamt Zweitligaspielerinnen“, erklärt Tezkan, „das merkt man an der Fitness und der Härte, aber ich kann mithalten, obwohl wir in Bergisch Gladbach nur zweimal wöchentlich trainieren.“ Die Kolleginnen aus dem Oberhaus sind immens wichtig für Tezkan - zumal sie nach eigener Einschätzung keineswegs perfekt Türkisch spricht.

Sibel Tezkan darf sich am Sonntag im Hardtwaldstadion von Sandhausen auf familiäre Unterstützung auf der Tribüne freuen. „Meine Eltern werden im Stadion sein“, sagt sie. Ihre Bekannten aus Bergisch Gladbach werden indes vor dem Fernseher die Daumen drücken. „Wir sind alle unheimlich stolz auf sie und hoffen natürlich, dass sie spielt“, sagt der Teammanager des 1. FFC Bergisch Gladbach, Karl-Heinz Westphal, der sich ebenso wie alle Mitspielerinnen auf die Geschichten freut, die Tezkan vom Spiel ihres Lebens mitbringen wird. Ihre ersten Zuhörer werden aber die Eltern sein, die die 22-Jährige nach der Partie im Auto zurück ins Rheinland bringen werden. Dann dürfte sich auch das Lampenfieber wieder gelegt haben.