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Gegen Rassismus |30.10.2017|15:15

Starke Kampagne: 4 Schrauben für Zivilcourage

Jo Ecker (linkes Foto links, mit Joachim Gauck) bringt seine Kampagne voran - auch bei Borussia Mönchengladbach hängt sein Schild. [Foto: Ecker / Collage: FUSSBALL.DE]

Jo Ecker ist der Macher hinter einer der größten zivilgesellschaftlichen Aktionen im deutschen Amateurfußball: "4 Schrauben für Zivilcourage", die Kampagne des 61-jährigen Düreners, wurde vielfach ausgezeichnet. Seit fast zehn Jahren verschickt er seine Schilder, die inzwischen an ziemlich vielen Fußballplätzen hängen. Hier unser Interview.

FUSSBALL.DE: Herr Ecker, wie viele Vereine haben bis heute geschraubt?

Jo Ecker: Bis gerade eben 1051.

FUSSBALL.DE: Los ging’s 2008, seitdem treiben Sie Ihre Aktion voran. Was war der Auslöser?

"Ich persönlich beobachte seit 2015, dass es wieder vermehrt dumme Sprüche gibt. Das hat mit den Flüchtlingen zu tun"

Ecker: Ich bin Fußballer durch und durch. Früher hing am Platz ein Schild „Wer den Schiri beleidigt, der wird von der Anlage verwiesen“. So Schilder gibt’s ja auch heute noch. Aber ich habe immer wieder mal Beleidigungen gegen Leute mit Migrationshintergrund gehört. Warum hängt denn nicht ein Schild gegen solche Beleidigungen, von mir aus unter dem Schiri-Schild? Das habe ich immer wieder gefragt. Aber der eigentliche Auslöser war noch ein anderer.

FUSSBALL.DE: Nämlich welcher?

Ecker: Ich war Trainer der C-Jugend des FC Düren-Niederau , die wurde bei einem Spiel von so rund zehn Neonazis bedroht, in Springerstiefeln, "Blood and Honour"-T-Shirts und mit der passenden Frisur. Mein einer Sohn spielte in der Mannschaft. Wir hatten auch zwei Spieler afrikanischer Herkunft und zwei Jungs aus türkischstämmigen Familien. Einer der Neonazis rief dann: „Ich bin Hitlers Sohn, ich vergas‘ dich“. Ein anderer: „Husch, husch, ab in den Busch“. Lauter so Schwachsinn. Ich holte also den Schiedsrichter rüber und sagte ihm, er solle das Spiel abbrechen. Das hat er nicht gemacht. Dann habe ich meine Mannschaft vom Platz geholt.

FUSSBALL.DE: Was kostet Sie ein Schild?

Ecker: Ein Schild plus Verschickung kostet mich acht Euro. Den Verein nichts.

FUSSBALL.DE: Macht knapp 10.000 Euro Unkosten für Sie, ohne Ihre Arbeitszeit zu berechnen. Viel Geld...

Ecker: Den Großteil der Schilder habe ich mit dem Preisgeld vom Julius Hirsch Preis finanziert. Meine Aktion wurde vor ein paar Jahren mit dem dritten Platz beim Julius Hirsch Preis ausgezeichnet. Von den 5.000 Euro habe ich direkt wieder Schilder machen lassen.

FUSSBALL.DE: Wurde Ihre Aktion mal abgekupfert?

Ecker: Nein, ich bin der einzige, der ‚Kein Platz für Rassismus und Gewalt‘-Schilder in Deutschland verschickt.

FUSSBALL.DE: Wie verhärtet ist die Mitte in Deutschland?

Ecker: Ich persönlich beobachte seit 2015, dass es wieder vermehrt dumme Sprüche gibt. Das hat mit den Flüchtlingen zu tun. Rein türkische oder rein tunesische Mannschaften provozieren immer Reaktionen, da rechne ich schon mit Sprüchen.

FUSSBALL.DE: Kann ein Metallschild irgendetwas verändern?

Ecker: Das Schild ist die Grundlage um Zuschauer nach verbalen Übergriffen von der Anlage zu verweisen. Und das Schild ist ein Zeichen, das klar vermittelt, Leute, so bei uns nicht.

FUSSBALL.DE: Was ist der größte Verein, der ein Schild von Ihnen aufgehängt hat?

Ecker: Die halbe Bundesliga hat schon geschraubt. Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim, Schalke 04, Hannover 96, Borussia Mönchengladbach, Hamburger SV... sind alle dabei. Aber die Aktion richtet sich an die Amateurvereine, die ‚Großen‘ funktionieren eher als Zugpferde.

FUSSBALL.DE: Sind Sie selbst Fußballfan?

Ecker: Ich bin Fan von Borussia Mönchengladbach. Ich hab’s nicht leicht, denn ich arbeite in einem Unternehmen, wo 95 Prozent Köln-Fans sind.

FUSSBALL.DE: Die haben’s auch gerade nicht leicht.

Ecker: Das stimmt (lacht). Ich schaue mir die Spiele der Nationalmannschaft an und bin Fan von Manuel Neuer, auch weil ich früher im Tor stand.

FUSSBALL.DE: Ertappen Sie sich eigentlich selbst bei Vorurteilen, Verallgemeinerungen oder Stigmatisierungen?

Ecker: Früher ja, jetzt nicht mehr. Man sagt das so, niemanden wegen seiner Herkunft oder Religion irgendwie in eine Schublade zu stecken. Aber ich mache das heute auch nicht mehr, vielleicht weil ich mich so viel mit dem Thema beschäftigt habe. Heute versuche ich, mit jedem Menschen ins Gespräch zu kommen.

FUSSBALL.DE: Was machen Sie beruflich?

Ecker: Ich bin kaufmännischer Angestellter, Ausbilder und Betriebsrat. Ich bin jetzt 61, zwei Jahre bis zur Rente habe ich noch vor mir. Meine beiden Söhne haben es bis in die Landesliga geschafft. Meine erste Frau ist gestorben, heute lebe ich glücklich mit meiner Lebenspartnerin zusammen.

FUSSBALL.DE: Was sagt Ihre Familie, wenn jede Woche einige Stunden für Ihr Engagement draufgehen?

Ecker: Die Familie muss mitziehen, keine Frage. Ich hatte auch schon zweimal ein Hakenkreuz auf dem Garagentor, Drohungen per Mail, auch mal nachts einen Anruf.

FUSSBALL.DE: Wie war es damals beim Bundespräsidenten?

Ecker: Sehr interessant. Joachim Gauck hatte mich damals ins Schloss Bellevue eingeladen. Eine Stunde lang haben wir uns unterhalten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist heute Schirmherr meiner Aktion "4 Schrauben für Zivilcourage". Nächstes Jahr plane ich, ihm die Aktion persönlich vorzustellen.

FUSSBALL.DE: Herr Ecker, herzlichen Dank für das Gespräch.

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